Brett Myers nimmt den Döner für seinen Blog genau unter die Lupe. Der Sucuk-Döner kostet hier bei Söner am Kottbuser Tor 4,50 Euro. Foto:  Gerd Engelsmann

Brett Myers hält zum ersten Mal, seitdem es seinen Blog gibt, einen Döner in der Hand, über den er nicht schreiben wird. Nicht, weil er sich davor scheut, eine mögliche schlechte Bewertung online zu stellen. Schlicht und einfach, weil ihm aufgrund unfreundlicher Behandlung der Appetit vergangen ist.

Als der KURIER mit ihm an einem Dönerladen in der Neuköllner Hermannstraße verabredet ist, werden ihm  Fotoaufnahmen für seine Webseite und unsere Zeitung strengstens untersagt. Obwohl der Fotograf ihn mit dem Döner in der Hand nur auf der Straße fotografiert und der Laden sowie einzelne Personen im Hintergrund nicht scharf zu erkennen sind, wird die Polizei gerufen. Sie kann den Vorfall schlussendlich zwischen allen Parteien klären. Den Döner, der inzwischen kalt geworden ist, isst Myers dennoch auf. Ein Genuss ist er unter diesen Umständen für ihn nicht. Darüber schreiben will Myers nicht mehr. „Es fühlt sich nicht gut an“, sagt er. „Das ist das erste Mal, dass ich so was erlebe. Dabei hat mir einer meiner Leser diesen Dönerladen empfohlen“, sagt er.

Myers testet Döner in Berlin und beurteilt auf seinem englischsprachigen Blog „Doenerstag.com“ die Qualität des beliebtesten Streetfoods der Deutschen. Das Besondere: Myers kommt aus den USA – einem Land, in dem der Döner auf der kulinarischen Landkarte fast nicht auftaucht. Myers erzählt von dem Döner-Hotspot in New York: dem „Kotti“. Seit 2017 bietet der am Kottbusser Tor aufgewachsene Erkan Emre eine Version des kultigen Fast Foods in Brooklyn an. Myers ist allerdings noch nie dort gewesen. Er stammt aus Houston. Dort lernte er seine deutsche Freundin kennen, die maßgeblich daran beteiligt ist, dass Myers in Berlin zum Döner-Tester avanciert ist.

„Döner ist das Lieblingsessen meiner Freundin. Wir konnten es in Houston gemeinsam aber nie essen. Als ich vor rund einem Jahr nach Deutschland kam, habe ich es probiert und es hat mir sofort geschmeckt“, sagt Myers. An seinen ersten Döner erinnert er sich noch: „Das war nach einigen Späti-Bieren im Bagdad-Bistro am Schlesischen Tor.“ Da er aber nicht wusste, wo er dauerhaft einen guten Döner in Berlin finden soll, war die Idee zu einem eigenen Blog schnell geboren. „Es gibt viele Empfehlungen für einen guten Döner, aber es gab keine für mich richtig zufriedenstellende Rezension. Ich esse und ich schreibe gerne und dachte mir, dass ich es einfach selbst mache“, sagt er. Einen Blog zu kreieren, war für den gelernten Grafikdesigner leichtes Spiel. Über 50 verschiedene Dönerläden hat Myers inzwischen besucht. Zu Beginn aß er drei- bis viermal pro Woche einen Döner, mittlerweile isst er einen Kebab in der Woche. Wo er als Nächstes hingeht, entscheiden in der Regel seine Leser. Sie geben ihm Tipps, welcher Döner sich lohne.

Bei unserem zweiten Treffen, ein paar Tage später, landen wir am Kottbusser Tor bei Söner. Es wird wieder so sein, dass Myers etwas erlebt, das er bis dato noch nicht gekannt hat. Diesmal handelt es sich aber ausschließlich um das Produkt selbst. Der Fleischspieß besteht komplett aus Sucuk, der türkischen Knoblauchwurst. Das Konzept mit dem Sucukspieß gäbe es so schon seit Jahren in der Türkei, erklärt man uns. Dort gäbe es aber keinen Salat und keine Soßen im Fladenbrot. Die Brote würden täglich von einer Bäckerei frisch gebacken, weswegen man hier besonders stolz sei, dass man mit der Art der Umsetzung des Konzepts in Berlin als einer der Ersten an den Start gehe.

Myers bestellt seinen Döner immer mit denselben Zutaten, „damit es für alle Läden fair ist“. Grünen Salat, Zwiebeln sowie Weiß- und Rotkohl nimmt er immer, auf Tomaten verzichtet er. „Bei den Soßen wähle ich Kräuter und scharf.“ Dennoch vergibt er in seinen Beurteilungen auch Sonderpunkte für spezielle Ideen wie zum Beispiel weichen Grillkäse im Döner vom Rosenthaler Grill und Schlemmerbuffet in der Torstraße. Myers Fazit zum „Söner“ lautet: „Das Fleisch ist lecker, sie haben ein besonderes Augenmerk darauf gelegt. Ich würde aber beim nächsten Mal weniger Soße bestellen, damit das Sucuk noch besser zur Geltung kommt.“ Das Konzept des Ladens und der Service überzeugen Myers aber grundsätzlich.

Überhaupt sei das Fleisch für ihn das Wichtigste bei einem guten Döner. „Die höchste Qualität findet man in Berlin in Dönerläden, die ihr Fleisch noch selbst auf den Drehspieß aufstecken und marinieren“, sagt er. Zu Myers Lieblingsläden zählen das Rüya in Charlottenburg oder das Tekbir in Kreuzberg. Generell stellt Myers der Berliner Dönerszene ein gutes Zeugnis aus. „Ich kenne keinen besseren Ort als Berlin, um einen guten Döner zu essen“, sagt er. Sein Lieblingsessen ist Döner indes aber nicht. „Ich genieße jeden Döner sehr. Meine Lieblingsküche ist aber die italienische, am meisten mag ich Pizza.“