Yusuf N. (26) fischte EC-Karten aus der Post und plünderte fremde Konten. zvg

Der Post-Dieb hatte seinen Job genutzt, um an Schlüssel für Verteilerkästen zu kommen: Yusuf N. (26) fischte EC-Karten aus der Post und plünderte fremde Konten. Dutzende Bankkarten und die entsprechenden zeitversetzt versandten PIN-Nummern hat er geklaut. Komplize beim Geldabheben an Automaten in Prenzlauer Berg, Wilmersdorf, Kreuzberg, Mitte oder Weißensee soll sein Bruder gewesen sein. Um 38 Fälle ging es im Prozess. Beute: 20.090 Euro.

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Reumütig gab er sich vor Gericht: „Ich hatte damals kein Unrechtsbewusstsein.“ Kriminell sei er geworden, nachdem bei ihm eine schwere Erkrankung diagnostiziert worden sei. Da war er 19 Jahre alt. Bis dahin sei er im Sport aktiv gewesen, habe geboxt.

Yusuf N. hatte ein Jahr lang bei der Deutschen Post gearbeitet

Yusuf N.: „Ich wollte ohne Rücksicht auf Verluste alles mitnehmen, das Leben genießen.“ Er habe sich bei dem Geldkarten-Klau auch gedacht, dass die Banken ihre Kunden entschädigen würden.

Die Serie begann im April 2019. N. hatte zunächst ein Jahr lang bei der Deutschen Post gearbeitet, dann bei einem Subunternehmen der Post begonnen. Damals soll er sich Nachschlüssel für Verteilerkästen beschafft und nachts nach Briefen mit EC-Karten gesucht haben. Sozusagen analoges Phishing.

Schock für Kunden: Nachdem sie vergeblich auf die neue Karte warteten, war plötzlich das Guthaben geschrumpft. Kundenservice anrufen, Karte sperren lassen, Strafanzeige stellen, bangen. Die jeweiligen Banken übernahmen zwar den Schaden. Doch den Ärger hatten die Kunden.

Was N. nicht bemerkte: Die Polizei hatte ihn bereits wegen anderer Straftaten im Visier. Eine Beamtin (47): „Es ging um Einbrüche in Wohnungen.“ Eine Serie. N. wurde observiert. Im Mai 2019 wurden er und sein Bruder immer wieder vor Bankfilialen gesehen. Sie sollten festgenommen werden, Yusuf N. gelang zunächst die Flucht.

Bei der Durchsuchung seiner Wohnung wurden Schlüssel für Post-Verteilerkästen gefunden, in denen die von Postboten zuzustellenden Sendungen zwischengelagert werden. Am 18. Juni 2019 wurde N. gefasst, doch U-Haft-verschont. Erst nach und nach kam der Umfang der dreisten Serie ans Licht. Und er wieder hinter Gitter.

30-mal ergaunerte der diebische Ex-Post-Mann Geld, in acht Fällen klappte es nicht

Yusuf N.: „In der Haft habe ich einen Wandel vollzogen.“ Er sei sogar zum Vorarbeiter aufgestiegen, habe ein soziales Kompetenztraining absolviert. Ein Leben als ehrlicher Mann wolle er künftig führen – „für die Familie da sein, Schulden zurückzahlen, eine Ausbildung beginnen“.

30-mal ergaunerte der diebische Ex-Post-Mann Geld, in acht Fällen klappte es nicht. Abhebungen mit geklauten Karten werden als Computerbetrug bestraft.

Yusuf N. ist inzwischen in zwei anderen Verfahren zu Haftstrafen verurteilt worden. Seit Juni 2020 sitzt er im Knast. Der Karten-Dieb: „Ich wusste nicht, wie schlimm Gefängnis ist. Ich entschuldige mich bei allen Geschädigten.“

Nun erhielt er eine Gesamtstrafe: Fünfeinhalb Jahre Haft unter Einbeziehung der zwei anderen Urteile. Schluchzend lief seine Frau aus dem Gerichtssaal. Die Staatsanwältin hatte sogar sechseinhalb Jahre gefordert. Die Richter ordneten auch an, dass N. den Schaden zurückzahlen muss.