Die Stadt Lebus in Ostbrandenburg liegt direkt an der Oder. Imago/Volker Hohlfeld

Das aktuelle Jahrhunderthochwasser mit der höchsten Zahl an Toten seit Jahrzehnten hat den Westen und Süden Deutschlands getroffen. Auch die verheerenden Hochwasser in Ostdeutschland – etwa die Oderflut 1997 in Brandenburg oder das Elbhochwasser 2002 in Sachsen – waren klassische Sommerhochwasser. Sie haben andere Ursachen als Frühjahrfluten, die vom schmelzenden Schnee in den Bergen ausgelöst werden. Sommerhochwasser werden von massiven Regenfällen verursacht – und die meteorologische Ausgangslage für die zerstörerischen Fluten jetzt in der Eifel war dieselbe wie damals an Oder und Elbe. Deshalb stellt sich die Frage, ob auch im Osten Deutschlands eine Sommerflut droht.

Wohl Hochwasseralarm in Südbrandenburg

Auf alle Fälle wird wohl in Südbrandenburg ein Hochwasseralarm ausgerufen – ausgerechnet an der Schwarzen Elster, die monatelang extremes Niedrigwasser führte und zeitweilig auszutrocknen drohte. In ihrem Einzugsgebiet habe es ergiebige Regenfälle gegeben, sagt Thomas Frey, Sprecher des Brandenburger Landesumweltamtes. „Es waren teilweise unwetterartige Starkregenereignisse.“ Mit weiterem Regen sei jedoch nicht zu rechnen. In Sachsen sei zwar die Alarmstufe 2 erreicht. In Brandenburg soll es gelingen, den Pegel unter der Alarmstufe 1 zu halten und „damit das Stadtgebiet von Senftenberg zu entlasten“, sagt Frey.

Lesen Sie auch: Nach Hochwasserkatastrophe: Was bringen Warnungen, wenn keiner sie ernst nimmt?>>

„Vorerst sieht es nicht nach einem großen Hochwasser aus“, sagt Jürgen Schmidt, Meteorologe vom Wetterkontor. Bislang seien keine größeren Regenfälle angekündigt. „Erst zum Wochenende hin soll es wieder regnen, aber dann wird wohl auch Wind dabei sein“, sagt er. Das Regengebiet sei dann in Bewegung und bleibe nicht wie das Tief namens Bernd an den Eifel-Höhen hängen. Es könne also keine massiven lokalen Schäden anrichten.

Flutschäden in der Sächsischen Schweiz: Das Bild zeigt das Ausmaß der Zerstörung durch Überflutungen, nachdem der Pegel des Krippenbachs im Ort Krippen massiv anschwoll und alles mit sich riss. imago images/Max Stein

Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Starkregen, die zu Fluten führen. Entweder regnen sich die Wolken über einem kleinen Gebiet massiv ab und sorgen sofort für Schäden. Das war 2017 der Fall, als im nordbrandenburgischen Leegebruch bei Oranienburg etwa 260 Liter Regenwasser pro Quadratmeter niedergingen und den Ort überfluteten. Das war am Wochenende auch in der Sächsischen Schweiz der Fall oder eben in der Eifel. „Dort gingen 150 Liter pro Quadratmeter nieder und sorgten wegen der Gebirgslage für massiv anschwellende Bäche und Flüsse“, sagte Meteorologe Schmidt. In anderen Gegenden bleiben solche Schäden aus. Schmidt berichtet von Regenmengen von 200 Litern vor zwei Wochen in der Uckermark, die dort aber nicht zu größeren Überschwemmungen führten.

Lesen Sie auch: Hochwasser-Expertin klagt an: Bundesregierung wurde schon Tage vor der Flutkatastrophe gewarnt! >>

Riesige Landstriche überflutet

Neben solchen regionalen Katastrophen gibt es auch Fluten, die riesige Landstriche verwüsten. Das war bei den Oder- und Elbfluten der Fall. In solchen Fällen tritt der Schaden meist erst ein paar Tage nach dem Unwetter auf. Das Tiefdruckgebiet regnet sich hoch oben in den Bergen, also eher in wenig bewohnten Gebieten, ab, erst dann fließen viele kleine Sturzbäche zusammen und überfluten schließlich riesige Flächen, damals etwa in Polen und Tschechien. 1997 starben dort 74 Menschen. Sieben Tage nach dem Regen kam die Flut dann in Brandenburg an.

Könnte das nun in einer Woche wieder der Fall sein? Derzeit sieht es nicht so aus. Auf der Karte des polnischen Hochwasserdienstes ist zu sehen, dass die Oder teilweise noch Niedrigwasser führt. Es gibt einige wenige gelbe Punkte in Polen, die auf einen Warnzustand an einigen kleinen Nebenflüssen hinweisen. Gewarnt wird dort aber bei einem Pegelstand von 80 Zentimetern, am Montag waren es drei Zentimeter mehr, und eine Notlage wird erst bei 110 Zentimetern ausgerufen.

Massive Regenfälle an der Elbe

Die Ausgangslage für massive Regenfälle sei immer ähnlich, sagt Thomas Frey, der Sprecher des Umweltamtes. Es geht um Tiefdruckgebiete, die über Mitteleuropa kreisen. Sie drehen sich immer gegen den Uhrzeigersinn und saugen dabei warme Luft an. Das Problem dabei: Im Sommer heizt sich die Luft über dem Mittelmeer extrem auf und ist mit viel verdunstetem Wasser gesättigt. Wenn diese energie- und wassergeladene Luft nach Norden über die Alpen zieht und auf eine Kaltfront trifft, regnet sie sich oft sintflutartig ab – meist an einem Gebirge. Passiert das eher im Süden, gibt es Hochwasser an der Donau, geschieht es im Westen, ist die Rhein-Region betroffen, im Osten sind es dann Elbe und Oder.

Das Einzugsgebiet der Oder in Polen ist dieses Mal kaum betroffen, das der Elbe aber durchaus. „Im Elbsandsteingebirge und im Zittauer Gebirge kam es örtlich zu extremen Niederschlägen“, sagt Frey. „Ein starker, bis nach Brandenburg reichender Anstieg der Elbe ist dennoch nicht zu erwarten.“