Carlos Lehder Rivas im Alter von 37 Jahren. „Crazy Charly“, wie er genannt wurde, hatte zusammen mit Pablo Escobar in den 70er und 80er Jahren den weltweiten Kokain-Handel bestimmt.  Foto: AP

Er war die rechte Hand von Drogenbaron Pablo Escobar und Co-Chef des berüchtigten Medellin-Kartells in Kolumbien. Carlos Lehder Rivas revolutionierte den Drogen-Schmuggel. Er erfand die sogenannten Kokain-Jets. In Kleinflugzeugen soll er in den 70er- und 80er-Jahren täglich tonnenweise Drogen von Kolumbien in die USA geschmuggelt haben. Wegen seiner Brutalität wurde er„Crazy Charly“ genannt. Der Deutsch-Kolumbianer (sein Vater war Deutscher) verehrte Adolf Hitler und John Lennon. Nach einer langen Haftstrafe will der 70-Jährige seinen Lebensabend in Deutschland verbringen. 

Wie der Spiegel berichtet, landete der 70-Jährige am Dienstagmorgen mit zwei US-Marshalls in Frankfurt/Main. Von dort aus ging es weiter nach Berlin. Zum festlichen Einstieg in die Freiheit wollte er in der Hauptstadt erst mal ein deutsches Bier trinken, verriet sein Anwalt gegenüber der New York Times. Nach KURIER-Informationen hat eine gemeinnützige Einrichtung in Berlin„Crazy Charly“ aufgenommen. Er soll in einer kleinen Residenz gepflegt werden, da er schwer krank ist. Aufgrund seines Gesundheitszustandes hatte Deutschland ihn als humanitäre Geste aufgenommen. Lehder will nicht mehr zurück in sein Heimatland Kolumbien. Dort hätte er mit einer erneuten Festnahme zu rechnen, die ihm in Deutschland nicht droht, da er seine Haftstrafe verbüßt hat.

Carlos Lehder Rivas ist einer der Hauptcharaktere der Netflix-Serie „Narcos"

Immer wieder entstanden Mythen um die Dealer-Legende. Sein Leben wurde in Filmen und TV-Serien thematisiert. In der Netflix-Serie „Narcos" ist er einer der Hauptcharaktere. Das Medellin-Kartell kontrollierte  zeitweise 80 Prozent des weltweiten Kokainhandels. Aufgrund des internationalen Drogen-Schmuggels wurde Carlos Lehder in den USA zum Staatsfeind Nummer 1 erklärt. 1987 wurde er verhaftet und zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe plus 134 Jahre verurteilt. Ihm konnte nachgewiesen werden, dass er drei Tonnen Kokain importiert hatte. Weil er mit der Justiz kooperierte, konnte er seine Haftstrafe reduzieren. Er hatte als Zeuge gegen Panamas Ex-Präsidenten, Manuel Noriega, ausgesagt. Daraufhin wurde er 1995 in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen.