YouTuber Marvin Wildhage (24) ließ sich einen falschen Doktortitel im Personalausweis eintragen. Foto: Berliner KURIER / Sabine Gudath

Mit einem Video im Netz sorgte YouTube-Star Marvin Wildhage für Wirbel – und nun scheint ihm, mit etwas Verspätung, doch noch Ärger zu drohen: Der Berliner veräppelte in einem Kurzfilm das Bürgeramt Wedding, ließ sich einen erfundenen Doktortitel in seinem Personalausweis eintragen. Er wollte damit belegen, dass Berlins Ämter nicht sauber arbeiten können. Der Film kassierte zahlreiche positive, aber auch negative Reaktionen. Jetzt flatterte dem 24-Jährigen ein Schreiben von der Polizei ins Haus.

In dem Schriftstück, das der Berliner im Netz veröffentlichte, wird Wildhage darüber informiert, dass er beschuldigt wird, eine „mittelbare Falschbeurkundung“ begangen zu haben – und dass er zwei Wochen Zeit habe, sich zu dem Strafverfahren zu äußern. Der Brief kommt spät, überrascht sei er aber nicht gewesen, sagte der 24-Jährige dem KURIER. „Ich dachte in den letzten Wochen, wenn ich zum Briefkasten gegangen bin, immer: Heute muss ja der Brief drin sein. An die Situation hatte ich mich gewöhnt, weil es so angekündigt wurde.“ Denn: Als der KURIER über die schräge Aktion des YouTubers berichtete, hieß es vom Bezirksamt: „Es wird gegenwärtig geprüft, ob der YouTuber mit einer Strafanzeige wegen Urkundenfälschung belegt werden kann.“

In diesem Video dokumentierte der YouTuber den Streich.

Video: YouTube

Hintergrund ist ein Video, mit dem Wildhage im Netz für Furore sorgte. Er gestaltete eine Doktorurkunde einer erfundenen Universität, marschierte damit zum Bürgeramt und versuchte, sich den falschen Titel im Ausweis eintragen zu lassen. Es klappte – trotz seines jungen Alters. Das Video zeigt: Als Wildhage die falsche Doktorurkunde vorlegt, fragt die Mitarbeiterin der Behörde sogar nach dem Geburtsdatum. Als er antwortet, sagt sie: „Und schon einen Doktortitel. Mann, Mann!“ Trotz des Alters fällt der Schwindel nicht auf.

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Eine Woche später holte er den Personalausweis ab, ausgeschrieben auf „Dr. Marvin Wildhage“. Er habe aber, sagt er, nicht der 24-jährige Spaßvogel sein wollen, der das Amt verarscht. „Ich wollte mit dem Projekt auch zeigen, dass die Bürgerämter in Berlin gar nicht sauber arbeiten können.“ Schon wenige Tage nach der Veröffentlichung des Videos im Netz gab er den falschen Ausweis zurück, beantragte einen neuen, der wiederum drei Wochen später fertig war. „An dem Punkt war die ganze Sache für mich abgeschlossen“, sagt er.

Unklar ist, wer den Vorfall letztendlich bei den Strafverfolgungsbehörden anzeigte. „Wenn es das Bürgeramt gemacht hätte, könnte ich es nachvollziehen. Weil sie vielleicht zeigen wollen: Das, was ich gemacht habe, kann nicht einfach jeder machen, ohne straffrei davonzukommen.“ Nicht verstehen könne er es hingegen, wenn eine Bürgerin oder ein Bürger die Anzeige gestellt haben sollte. Vielleicht, sagt Wildhage, habe sich auch ein echter Doktor in seiner Ehre gekränkt gefühlt. „Das verstehe ich emotional, aber nicht rational.“

Marvin kurz nach der Abholung des neuen Personalausweises. Foto: Marvin Wildhage

KURIER fragte beim Bezirksamt nach, zuständig für das Bürgeramt Wedding. Kommt die Anzeige von der Behörde? „Leider kann ich Ihnen bezüglich Ihrer Anfrage keine Auskunft geben“, heißt es vonseiten einer Sprecherin. Bei der Polizei könne man keine Auskünfte zu Einzelfällen geben. Zudem seien die Ermittlungen abgeschlossen, man verweist an die Staatsanwaltschaft. Eine Anfrage hier blieb bisher unbeantwortet.

Wildhage will sich gegenüber den Behörden nicht zum Verfahren äußern. „Ich warte einfach ab, ob es aufrechterhalten wird, ob es am Ende wirklich zum Prozess kommt.“ Er werde sich aber „nicht kirre machen lassen“, sagt er. „Denn ich bin mir sicher, dass ich nichts Falsches getan habe.“ Das Ganze sei schließlich auch ein journalistisches Projekt gewesen – und habe auch auf den Fehler aufmerksam gemacht, „dass Behörden nicht sauber arbeiten können“. Sollte es doch zum Prozess und zu einer Verurteilung kommen, drohen laut Paragraph 271 des Strafgesetzbuches übrigens drei Jahre Haft oder Geldstrafe.