Erinnerung aus Kindertagen: Das Foto zeigt Dieter Birr (li.) mit seinem Freund Klaus. An diese Freundschaft erinnert nun der Rocker in einem Lied auf seiner neuen Platte.
Erinnerung aus Kindertagen: Das Foto zeigt Dieter Birr (li.) mit seinem Freund Klaus. An diese Freundschaft erinnert nun der Rocker in einem Lied auf seiner neuen Platte. Dieter Birr/privat

Rock pur. So ist das neue Doppel-Album „Große Herzen“ von Dieter „Maschine“ Birr (78), das kaum nach seinem  Erscheinen auf Platz vier der deutschen Charts schoss. Darauf singt der Kult-Rocker über die Corona-Zeit, gegen Hass und Gewalt – und über so manches aus seinem Privatleben. Und so trauert Birr in einem Song um seinen toten Freund Klaus. Die Geschichte dazu erzählt der Ex-Puhdy-Frontmann nun im KURIER.

Lesen Sie jetzt auch: Horoskop für heute: Freitag, der 13. Januar 2023! So wird Ihr Tag – laut Ihrem Sternzeichen >>

Da ist ein Foto aus Kindertagen. Die Schwarzweiß-Aufnahme zeigt Dieter Birr mit blonden Haaren, wie er mit einem Jungen aus der Nachbarschaft auf einem Weg hockt. Zwischen ihnen ein Schäferhund, der dem Freund gehört. Vielleicht war es dieses Bild, das Maschine zum Song „Mein Freund aus alten Zeiten“ anregte, das wir auf seiner neuen Platte hören. „Ich weiß es gar nicht mehr so genau“, sagt er. „Jedenfalls waren beim Songschreiben plötzlich meine Gedanken  bei Klaus.“

Es geht zurück in Maschines Kinder- und Jugendzeit. Nach Späthsfelde, eine Siedlung im Bezirk Treptow, wo die beiden Jungs aufwuchsen. „Klaus wohnte nur eine Querstraße entfernt. Wir waren Klassenkameraden, waren jeden Tag zusammen“, fängt Maschine zu erzählen an. „Ich war bei ihm, er bei mir – machten alles gemeinsam, die erste Zigarette, das erste Herumgeknutsche mit Mädels. Das war alles so selbstverständlich, wie es bei Freunden nun einmal so ist.“

Dieter Maschine Birr bei einem Auftritt
Dieter Maschine Birr bei einem Auftritt Imago/Wehnert

Um die 14 Jahre waren sie auf dem Foto alt – und die Welt stand ihnen da noch offen. „Wir zogen durch die Straßen von Ost- und West-Berlin“, singt Maschine in dem Lied. „Da waren wir 15, 16 Jahre alt. Wir liefen in Jeans herum, fühlten uns wirklich wie James Dean, so wie ich es im Lied singe. Sonntags waren wir am Bahnhof Zoo. Dort kaufte Klaus immer die hebräische Zeitung für seinen Vater, der Jude war“, sagt der Ex-Puhdy. „Das ging alles ohne Probleme, die Mauer war ja noch nicht da. Wir stiegen in die S-Bahn – und schon waren wir im anderen Teil der Stadt.“

Ex-Puhdy Maschine: „Eine Mauer hatte die Stadt getrennt, aber nicht unsere Freundschaft zerstört“

Eines Tages war Klaus nicht mehr da. „Die Familie ging kurz vor dem Mauerbau nach West-Berlin“, sagt Maschine. Doch das war nicht das Ende ihrer Freundschaft. „Ich habe Klaus drüben besucht. Und so kam es, dass ich im Westen meine erste Currywurst gegessen habe. Klaus hat sie mir spendiert. Ich war ganz verrückt danach. Als ich von Klaus nach Hause fuhr, habe ich dann noch einmal an dem Stand vorbeigeschaut, habe den Verkäufer angefleht, ob er für mein Ostgeld noch eine Currywurst verkauft. Es klappte. Und so verdanke ich Klaus meine bis heute andauernde Liebe zur Currywurst. “

Maschine bei einer Autogrammstunde zu seiner neuen Platte Große Herzen: In den Charts schoss das Album auf Platz vier. In den Verkaufslisten zweier großer Elektronikmärkte steht es auf Platz eins.
Maschine bei einer Autogrammstunde zu seiner neuen Platte Große Herzen: In den Charts schoss das Album auf Platz vier. In den Verkaufslisten zweier großer Elektronikmärkte steht es auf Platz eins. Imago/Wehnert

Zwei, drei Mal hat sich Maschine danach noch mit seinem Freund im Westen getroffen. Dann kam der 13. August 1961. Birr war mit seinen Eltern verreist. „Ich erinnere mich noch, wie mein Vater mich weckte und sagte, dass die Grenze zu ist“, sagt Maschine. „Dass ich Klaus nie mehr sehen würde, daran habe ich in diesem Moment gar nicht gedacht.“

Im Gegenteil. „Ich schrieb an Klaus Karten, in der festen Überzeugung, dass wir uns irgendwann wiedersehen werden“, sagt Maschine. „Das war für mich ganz selbstverständlich. Eine Mauer hatte die Stadt getrennt, aber nicht unsere Freundschaft zerstört. Klaus lebte ja nur in einem anderen Teil der Stadt.“

Doch die Realität sah anders aus. „Die Grenze dicht, hab dich nie wieder geseh’n und auch nichts mehr von dir gehört. Der Weg zu dir war nun versperrt“, singt Maschine in dem Lied.

Erst Ende der 70er-Jahre soll Maschine durch einen Zufall wieder etwas von Klaus hören, als er mit den Puhdys in West-Berlin ist. „Wir hatten ein Konzert in Steglitz“, sagt Maschine. „Ich nutze das Schlagzeugsolo von unserem damaligen Schlagzeuger Gunther Wosylus und ging für eine Zigarettenpause hinter die Bühne. Da stand plötzlich die Mutter von Klaus vor mir und erzählte, dass ihr Sohn verstorben war.“

Maschine ist geschockt. Er will mehr erfahren. „Doch es ging alles so schnell. Ich musste wieder auf die Bühne. Nach dem Konzert war die Mutter nicht mehr da. Es gab leider auch keinen späteren Kontakt mehr.“

Alles, was von seinem Freund Klaus blieb, ist dieses Foto aus Kindertagen, sind Dieter Birrs  Erinnerungen. Und jetzt dieses Lied, das von einer Freundschaft erzählt, die das Leben von Maschine prägte.