Landwirt Benedikt Bösel. Um Alt Madlitz in Brandenburg bewirtschaftet er Äcker, Wald und Wiesen. Privat

Benedikt Bösel betreibt seinen Hof ausgerechnet in einer der trockensten Regionen in ganz Deutschland. Trotzdem will er nun Landwirt des Jahres werden. „Gut & Bösel“ nennt  Benedikt Bösel seinen Betrieb , sich selbst bezeichnet er als den „Geschäftsführenden Hausmeister“. Das zeugt von Humor, aber gar keinen Spaß versteht der 37-Jährige, wenn es um die Zukunft der Landwirte in Brandenburg geht. „Die Landwirtschaft ist in jeder Gesellschaft die wichtigste Arbeit, weil es um die Ernährung aller geht“, sagt er, „aber unsere Arbeit findet einfach zu wenig Beachtung“, sagt er der Berliner Zeitung. Um das zu ändern, macht Benedikt Bösel beim Wettbewerb Landwirt des Jahres mit. Er ist der einzige Brandenburger unter den letzten 30 Kandidaten.

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Bösel tritt in der Kategorie Management an. Der 37-Jährige hat zuerst in der Finanzwirtschaft Karriere gemacht. „Nach zehn Jahren habe ich mich entschieden, meine Verantwortung auf dem Hof anzunehmen, und habe den Betrieb von den Eltern übernommen.“ Seit 300 Jahren bewirtschaftet die Familie auf dem Gut Alt Madlitz Land. Doch nie war es eine solche Herausforderung, sich dem Klimawandel mit guten Ideen und einem komplett neuen Ansatz entgegen zu stellen.

„In der Landwirtschaft muss ein Umdenken stattfinden“, sagt Bösel.  Sein Team und er verfolgen den Ansatz, den sie  Beyond Farming nennen. Alles steht und fällt mit dem Boden. In Brandenburg ist der besonders sandig, Daher: wenn es hier gelingt, gute Erträge zu erwirtschaften und den Boden durch die Nutzung sogar zu verbessern, dann klappt das auch an vorteilhafteren Standorten. Benedikt Bösel ist ein Pionier, der Lösungen für Probleme sucht, die in Kürze viele andere auch betreffen werden.

Durch Landwirtschaft CO2 im Boden speichern

„Wir wollen das Land, das wir bewirtschaften, durch unsere Nutzung verbessern: Wir wollen Humus aufbauen und so aktiv CO2 im Boden speichern. Wir orientieren uns unter anderem an den Prinzipien der regenerativen Landwirtschaft, um den Status der Äcker nicht nur zu erhalten, sondern ihr natürliches Potenzial immer weiter zu fördern.“

In Alt Madlitz arbeiten sie daher mit Wissenschaftlern und Start ups zusammen, ein Restaurant in Berlin wird im Prinzip from Farm to table versorgt. „Wir stellen Versuchsflächen zur Verfügung, führen Langzeitstudien durch und integrieren neue Anwendungen in die landwirtschaftliche Praxis“, so Bösel.

Rinder keine Klimakiller

Seine Weiden nutzt Bösel auf eine neue, alte Art. Rinder werden nach dem Modell einer Bisonherde gehalten. Im ganzheitlichen Weidemanagement werden Kühe auf der Weide oder Ackerfläche mit Untersaaten oder Zwischenfrüchten eng zusammen gestellt und jeden Tag weiterbewegt. Bei dieser Form der Weidehaltung fressen die Kühe die Gräser nicht bis zum Boden ab, sondern nur bis ca. 50% der vorhandenen Biomasse. Gräser reagieren auf diesen „Schock“ mit Wurzelwachstum, was den größten positiven Effekt auf das Bodenleben hat. Gleichzeitig treten die Kühe die Pflanzen in den Boden, was wiederum Nahrung für die Bodenorganismen darstellt.

Untersuchungen in Amerika hätten ergeben, dass diese Form der Landnutzung je produziertem Kilogramm Fleisch 3,5 kg Kohlenstoff in Pflanzen und Boden der Farm gespeichert hat. Der Vorwurf, dass Kühe „Klima Killer“ seien, sei somit nicht mehr haltbar, so Bösel.

Regenerative Landwirtschaft will Boden gesund halten

Auch auf den Äckern stehen keine Monokulturen sondern werden die synergetischen Beziehungen zwischen Pflanze, Baum und Tier genutzt. Kleine Baumstreifen durchziehen die Felder. Das hat weniger Winderosion zur Folge, ein verbessertes Mikroklima, der Boden kann Wasser besser speichern.

Bei Gut & Bösel geht es um 3000 Hektar Land, davon 2000 Hektar Wald, es geht um 30 feste Mitarbeiter und zehn Praktikanten, es geht um 130 Rinder und 300 Hühner, es geht um die möglichst naturnahe Produktion von Getreide, Fleisch, Obst, Nüssen und Eiern.

Der Klimawandel ist in Brandenburg und auf den Ländern von Benedikt Bösel längst da: Seit 2018 gab es drei Dürrejahre in Folge. „Und das vierte war auch nicht viel besser. Wir kämpfen ernsthaft ums Überleben.“