Valentins-Räuber
 
Jens M. (35) steht seit Montag in Berlin vor Gericht.
Valentins-Räuber Jens M. (35) steht seit Montag in Berlin vor Gericht. KE.

Die Küsschen, die er einer Kassiererin zuwarf, waren eine böse Überraschung: Am Valentinstag überfiel Jens M. (35) einen Supermarkt – bewaffnet mit einem Samurai-Schwert.

Der gelernte Mechaniker und Schweißer nun zur Richterin: „War eine dumme Sache. Es hat bei mir an dem Tag ausgehakt.“ Nach einer Wohnungsbesichtigung und einer Zecherei mit einem Kumpel habe er das japanische Kurzschwert geholt – „das hatte ich damals als Küchenmesser“. Einen Security-Mitarbeiter soll er bei dem Raub verletzt haben.

14. Februar – Tag der Liebenden. Paare überraschen sich mit Geschenken. Jens M. aber dachte nicht an Rosen oder Pralinen, als er in eine Edeka-Filiale in Prenzlauer Berg ging. Jens M.: „Ich suchte eine Kasse, an der gerade keine Kunden standen.“

Kasse 6 steuerte er an. Die Kassiererin (21): „Der Herr legte einen schwarzen Stoffbeutel auf das Band und verlangte, dass ich den vollmache mit Geld.“ Der schwarz gekleidete Räuber habe gedroht: „Gib mir das Geld, sonst steche ich dich ab.“

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Doch die Kasse blieb zunächst zu. Jens M.: „Sie sagte, sie könne sie nicht öffnen, ich müsste ihr schon etwas zum Einscannen geben.“ Er griff ins Regal – „ich warf ihr Ferrero-Küsschen zu“. Und er zeigte seine Waffe.

Die gebogene Klinge des Valentins-Räubers war 22 Zentimeter lang

Die gebogene Klinge des Samurai-Schwertes war 22 Zentimeter lang. Mit der scharf geschliffenen Spitze soll er in Richtung des Gesichts der Kassiererin gezeigt haben – „um sie anzutreiben und einzuschüchtern“, heißt es in der Anklage. Für die Kassiererin waren das Sekunden, die ihr nicht mehr aus dem Kopf gehen: „Das Messer war sehr nahe bei mir, er hätte mich abstechen können.“

Damit allerdings will Jens M. nicht gedroht haben: „Ich zeigte ihr nur das Messer.“ Scheine und Münzen habe sie in den Beutel gepackt. Der gemeine Küsschen-Mann: „Ich war betrunken, dann die Plexiglas-Trennscheibe – ob das viel oder wenig war, konnte ich gar nicht einschätzen.“

Die junge Kassiererin machte so langsam wie möglich. „Okay, okay“, befahl er dann, schnappte sich den Beutel und ging äußerlich ruhig Richtung Ausgang, als wäre er ein ganz normaler Kunde. Magere Beute für den Räuber gegen 20.12 Uhr am Valentinstag: 160 Euro.

Die Kassiererin: „Weil er nicht schrie, wurde niemand aufmerksam.“ Sie lief ihm hinterher und konnte Blickkontakt mit einem Security-Mann aufnehmen, der am Ausgang stand. Die Kassiererin: „Ich zeigte auf den Täter, der Security-Mann packte ihn von hinten.“

Valentins-Räuber will sich in eine Alk-Therapie begeben

Der Sicherheitsmitarbeiter erlitt eine Verletzung am Arm. Jens M.: „Im Gerangel muss mir das Messer aus dem Ärmel gerutscht sein.“ Er habe den Mann nicht treffen wollen.

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Warum er das Schwert zog und raubte? Jens M.: „Ich suchte eine Wohnung und hatte permanent Angst, auf der Straße zu landen. Die Tat war Schwachsinn.“ Der Alkohol habe ihm wieder einmal den Verstand vernebelt.

In eine Alk-Therapie will er sich begeben: „Habe keine Lust, ständig vor Gericht zu stehen und meine Lebenszeit im Gefängnis zu verbringen.“ Ihm drohen nun einige Jahre Knast wegen schwerer räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung. Fortsetzung: Donnerstag.

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