Passanten vor dem Alexa-Einkaufscenter in Berlin dpa/Carsten Koall

Fast alle Corona-Schutzmaßnahmen laufen am 2. April aus. Nach dem kommenden Samstag wollen mehrere Bundesländer allerdings von der sogenannten Hotspot-Regelung Gebrauch machen. Hamburg hat bereits angekündigt, dass auch über den 2. April hinaus in Innenräumen Masken getragen werden müssen. Bereits am vergangenen Donnerstag hatte der Landtag in Mecklenburg-Vorpommern angesichts der erheblichen Infektionszahlen das gesamte Bundesland zum Hotspot erklärt. Berlin sowie die Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen und Schleswig-Holstein wollen von dieser Möglichkeit trotz vieler Corona-Infektionen jedoch nicht Gebrauch machen.

Sechs Corona-Tote und 7000 Neuinfektionen binnen eines Tages, trotzdem entfällt die Maskenpflicht

Um zu verdeutlichen, in welcher Situation die Corona-Lockerungen erfolgen: Innerhalb eines Tages wurden in Berlin sechs Corona-Todesfälle und mehr als 7000 offiziell registrierte Neuinfektionen erfasst. Die 7-Tage-Inzidenz liegt bei über 1000, die Warnampel für Krankenhauseinweisungen im Zusammenhang mit Corona-Infektionen leuchtet tiefrot.

Dennoch sind Masken nur noch in einigen Bereichen wie im öffentlichen Nahverkehr, in Arztpraxen und Krankenhäusern verpflichtend. Darüber hinaus könnten private Unternehmen von ihrem Hausrecht Gebrauch machen und Corona-Schutzmasken zur Voraussetzung zum Betreten der Räumlichkeiten machen.

Maskenpflicht entfällt, doch Ikea & Co. empfehlen, weiterhin Mund-Nasen-Schutz zu tragen

Mehrere Handelsketten riefen indes auch weiterhin dazu auf, lieber an Masken zu denken. Der Möbelhändler Ikea erklärte, man treffe die Regelungen nach den staatlichen Vorgaben - sollte die Maskenpflicht im Handel aufgehoben werden, gelte dies auch für Ikea. „Angesichts des dynamischen Infektionsgeschehens weisen wir aber gern darauf hin, dass das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes auch weiterhin sich selbst und andere schützt“, sagte eine Sprecherin.

Die Bekleidungskette Ernsting’s family erklärte: Wenn einzelne Länder die Hotspot-Regel geltend machen, gelte die Maskenpflicht weiter - und wo Länder die Pflicht aufheben, werde entsprechend gelockert. Das gelte für Kunden wie Mitarbeiter. Man empfehle jedoch, bei engerem Kontakt wie in einem Beratungsgespräch die Maske aufzusetzen, sich regelmäßig testen zu lassen und auf Symptome zu achten.

Bei der Kaufhauskette Woolworth entfällt ab kommender Woche ebenfalls die Maskenpflicht. „Das Hausrecht allein sehen wir nicht als Grundlage für solch eine einschränkende Maßnahme“, sagte ein Sprecher. Auch der eigenen Belegschaft will Woolworth das Tragen von Masken nicht vorschreiben. Die Firma setzt darauf, dass Kundschaft und Belegschaft verantwortungsvoll mit der Situation umgehen.

Thalia stellt Beschäftigten Selbsttests und Masken zur freiwilligen Nutzung bereit

Von der Buchhandelskette Thalia hieß es, die Maskenpflicht werde nach dem 3. April nicht aufrechterhalten. Den Beschäftigten würden weiter Selbsttests und Masken zur Verfügung gestellt, die Nutzung sei freiwillig. Auch beim Textilhändler Primark fällt die Maskenpflicht. „Wenn es keine gesetzliche Vorschrift gibt, empfehlen wir das Tragen von Masken“, sagte eine Sprecherin. Man hoffe, „dass die Menschen auch weiterhin an andere denken und sie tragen, wenn sie können“.

Diese Ketten und Einkaufszentren haben bereits angekündigt, auf die Maskenpflicht zu verzichten:

Basisschutz und Infektionsschutz: Das gilt jetzt in Berlin und Brandenburg

Der Senat hat am Dienstag bei seiner gemeinsamen Sitzung mit der brandenburgischen Landesregierung in Frankfurt/Oder beschlossen, dass fast alle Corona-Maßnahmen bis auf sogenannte Basisschutz-Regeln wegfallen. Zum Basisschutz zählt etwa die Maskenpflicht im öffentlichen Personennahverkehr und in Einrichtungen wie Arztpraxen, Krankenhäusern, Tageskliniken, Pflegeeinrichtungen und Obdachlosenunterkünften. Dagegen muss beim Einkaufen keine Maske mehr getragen werden. Das Land Berlin übernimmt damit die Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes des Bundes, wie die Senatskanzlei am Dienstag mitteilte. Die neue Verordnung soll am Freitag in Kraft treten.

Die Maskenpflicht in den genannten Einrichtungen gilt in geschlossenen Räumen für Besucher, Patienten und deren Begleitpersonen sowie für Bewohner, wenn sie sich außerhalb ihres Zimmers aufhalten. Ausgenommen sind Schwerstkranke. Beschäftigte müssen bei der Versorgung von Patientinnen und Patienten in geschlossenen Räumen und im Freien Maske tragen.

Außerdem gilt für den Zutritt zu Krankenhäusern, Gemeinschaftseinrichtungen für Asylbewerber und Geflüchtete, Justizvollzugsanstalten und Heimen der Jugendhilfe eine Testpflicht – auch für geimpfte und genesene Personen.

Testpflicht in Pflegeheimen und Schulen, aber auch in Schulen fallen die Masken

Auch in Pflegeeinrichtungen müssen Besucherinnen und Besucher getestet sein. Für Bewohner ist ein Corona-Test pro Woche vorgeschrieben. Mitarbeiter müssen sich zweimal wöchentlich testen lassen, wenn sie geimpft oder genesen sind, sonst an jedem Tag, an dem sie arbeiten.

Corona-Tests sind in Schulen weiter drei Mal in der Woche vorgeschrieben, von Freitag an auch für geimpfte und genesene Personen, egal ob Schüler, Lehrkräfte oder andere Angestellte. Die Maskenpflicht in Schulen fällt dagegen ebenfalls weg. Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse plädierte am Dienstag dafür, freiwillig Maske zu tragen.

Weiter gelten außerdem die Regelungen zur Isolation von Personen, die positiv auf eine Infektion mit dem Coronavirus getestet wurden. Die gleichen Regeln gelten für diejenigen, die vom Gesundheitsamt als enge Kontaktperson eingestuft wurden und weder geimpft noch genesen sind.

Die Mehrzahl der Gesundheitsstadträte aus den Berliner Bezirken sieht die Lockerungen skeptisch. Neun der zwölf zuständigen Stadträte sowie ein halbes Dutzend Amtsärzte forderten vor der Senatsentscheidung am Dienstag, Maskenpflicht in Innenräumen, Abstandsgebote, Hygienekonzepte und zum Beispiel Zugangsbeschränkungen bei Veranstaltungen abhängig vom Impfstatus beizubehalten. Busse und Bahnen sollten weiterhin nur Geimpfte, Genesene oder negativ Getestete nutzen dürfen.

In einer vom Gesundheitsstadtrat in Mitte, Christoph Keller, veröffentlichten gemeinsamen Erklärung heißt es, die Maßnahmen sollten zunächst bis Ende April befristet sein. „Wir fordern die Landesebene auf, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um rechtssichere Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie zu verlängern.“

Bei einer Sondersitzung der Gesundheitsminister am Montag gab es keine Mehrheit für die Forderung, auf die weitreichenden Lockerungen bis Mai zu verzichten und das Bundes-Infektionsschutzgesetz erneut entsprechend zu ändern. Dafür hatten sich mehrere Bundesländer ausgesprochen, darunter auch Berlin.

Grüne wollen Corona-Hotspot-Regel für Berlin

Die Berliner Grünen machen sich für eine Verlängerung von Corona-Maßnahmen über den 1. April hinaus stark. In einem Dringlichkeitsantrag für einen Parteitag am Samstag werden Senat und Abgeordnetenhaus aufgefordert, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um Berlin zum sogenannten Hotspot zu erklären. Auf dieser Basis könnten Schutzmaßnahmen wie Maskenpflicht oder Zugangsregeln beschlossen werden, die laut Bundes-Infektionsschutzgesetz ab Freitag erst einmal weitgehend wegfallen.

Das Thema Corona sei nicht weg, sondern weiterhin omnipräsent, sagte die Grünen-Landesvorsitzende Susanne Mertens. Auch wenn Berlin derzeit die niedrigste Inzidenz aller Bundesländer aufweise, sei das Infektionsgeschehen hoch, und von einer Entspannung könne keine Rede sein. „Uns ist es wichtig, dass wir Instrumente in der Hand haben, um auch noch Schutzmaßnahmen ergreifen zu können, auch präventiv.“