Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) Foto: imago images/snapshot

Wie soll der Senat auf die steigende Zahl von Neuinfektionen in Berlin reagieren? Darüber diskutiert die Hauptstadt zurzeit. Nach Beratung mit den am härtesten betroffenen Innenstadtbezirken empfiehlt Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) drei Beschränkungen:

Erstens sollten Kontakte im öffentlichen Raum wieder auf Treffen zwischen fünf Personen oder zwei Haushalten begrenzt werden.

Zweitens sollten die Teilnehmerzahlen von privaten Zusammenkünften und Feiern stärker limitiert werden.

Drittens solle es „Kontrollaktionen, gepaart mit Aufklärungskampagnen im Hinblick auf illegale Partys“ geben.

Das sagte Kalayci im Interview mit der Berliner Morgenpost. Diese Empfehlungen seien nach einer „gemeinsamen, gründlichen Analyse des Infektionsgeschehens“ mit den vier Innenstadtbezirken Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg, Neukölln und Charlottenburg-Wilmersdorf am Freitag entstanden, so Kalayci. An diesem Dienstag tagt der Senat. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir die richtigen Maßnahmen im Senat miteinander erörtern und auch beschließen“, sagte Kalayci. Wie man vorgehen und ob am Dienstag überhaupt neue Beschränkungen erlassen werden sollen, ist in der Dreierkoalition noch umstritten.

„Die Lage ist höchst kritisch“

Im RBB empfahl Kalayci, dass alle Empfehlungen ab einer „berlinweiten Inzidenz von 30 greifen“. Der Bund empfiehlt Maßnahmen spätestens bei 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern pro Woche. Berlin hat – wie auch Bayern – eigene Grenzen gesetzt: Die Corona-Ampel springt hier bei 20 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern und Woche auf gelb und bei 30 auf rot. Derzeit liegt der Wert der Neuinfektionen, betrachtet auf sieben Tage, berlinweit bei 27,2.

Fünf Innenstadtbezirke reißen mit Stand Sonntagfrüh die Marke von 30 Neuinfektionen: Tempelhof-Schöneberg (31,3 Neuinfektionen), Charlottenburg-Wilmersdorf (35,2), Neukölln (35,5) und Friedrichshain-Kreuzberg (39,9). Spitzenreiter ist Mitte mit 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen.

Die Lage sei „höchst kritisch“, so Kalayci zur Morgenpost. „Allgemeine Beschränkungen wird es geben müssen.“ Es gelte zu verhindern, dass die Infektionen, die zurzeit verstärkt bei jüngeren Menschen festzustellen seien, auch Schutzbedürftige und Risikogruppen erreichten. Kontaktbeschränkungen seien dazu das zentrale Mittel.