Mit Baguette und Wein in der Französischen Straße: Friederike Sturm und Maria Barthel am Gendarmenmarkt. Foto: Instagram/@berlinerweltreise

Viele Berliner ärgern sich, dass sie in diesem Jahr nicht in den Urlaub fahren können – doch diese beiden jungen Frauen beweisen, dass man auch daheim fremde Städte entdecken kann! Friederike Sturm und Maria Barthel starteten während der Corona-Zeit ein skurriles Foto-Projekt: Sie machten die erste Weltreise durch Berlin, fotografieren sich selbst in verschiedenen Ländern – und bleiben dabei doch zu Hause.

Wie das geht? Ganz einfach: Die Freundinnen suchen nach Straßen und Plätzen in der Stadt, die nach Regionen benannt sind, inszenieren dann dort Bilder mit landestypischen Szenen. Pizza essen im Römerweg, Kaffeestunde in der Wiener Straße, Rotwein trinken und Toga tragen in der Griechischen Allee, mit Baguette und Wein in der Französischen Straße. Immer im Gepäck: Verrückte Kostüme und reichlich Spaß.

Auf die Idee kamen sie, weil eine Reise platzte. „Wir brechen einmal im Jahr zu einem Städtetrip auf, dieses Jahr sollte es nach Athen gehen“, sagt Maria Barthel (31) dem KURIER. „Doch als die Corona-Krise kam, konnten wir nicht mehr auf Tour gehen. Also dachten wir: Dann trinken wir unseren Rotwein eben in der Griechischen Allee.“ Gesagt, getan: Die beiden nutzten Bettlaken als Togas und Rettungsdecken als goldene Schärpen – und fotografierten sich mit einer Weinflasche vor dem Straßenschild. „Danach tranken wir den Wein“, erzählt Barthel. „Und beim Herumspinnen kamen wir auf einige andere Ideen für Reiseziele.“

Kaffee, Kuchen und Mozart: Das Bild entstand in der Wiener Straße. Fotos: Instagram / @berlinerweltreise

Inzwischen sind einige Fotos veröffentlicht, immer mehr Abonnenten folgen auf Instagram den schrägen Bild-Ideen. Und auch auf der Straße sind die Reaktionen durchaus positiv. „Am Anfang dachten wir: Um Gottes Willen, was werden die Leute denken? Aber inzwischen haben wir gelernt, dass viele es lustig finden, wenn wir anfangen, auf der Straße unser Fotomotiv zu inszenieren“, sagt Friederike Sturm (35). „Wir bekamen sogar schon Kaffee angeboten – und Passanten halfen uns beim Fotografieren.“ Die Kostüme für jedes Motiv finden die beiden im eigenen Kleiderschrank, manchmal leihen sie sich Teile von Freunden. „Und über Instagram werden wir von den Fans mit Ideen versorgt“, sagt Barthel.

Im Römerweg in Karlshorst trafen sich die beiden Berlinerinnen auf eine Pizza – passend zum italienischen Namen. Fotos: Instagram/@berlinerweltreise

Für die beiden Berlinerinnen ist das Projekt auch eine kleine Flucht aus dem Alltag – denn sie arbeiten als Krankenschwestern in der Notaufnahme der Charité, hatten in der Corona-Zeit zu kämpfen. „Am Anfang war vieles mit großen Unsicherheiten verbunden“, sagt Barthel. „Die Stimmung war angespannt, gerade, weil so viele schlimme Fernsehbilder aus Italien und Spanien zu sehen waren.“ Belastend sei gewesen, dass es keine anderen Themen gab, ergänzt Sturm. „Um 7 Uhr am Morgen geht es auf der Arbeit mit dem Thema los – und wenn man Feierabend hat, liest man die Nachrichten oder redet mit Freunden und Familienmitgliedern darüber. 18 bis 20 Stunden des Tages waren vom Thema Corona geprägt.“ Die beiden hoffen, dass ihr Berufsstand auch nach der Krise nicht in Vergessenheit gerät, dass die Menschen weiterhin für bessere Bedingungen in der Pflege kämpfen. Denn von Applaus auf den Balkonen könnten sie ihre Miete nicht zahlen.

Auch das gibt's: In der Friedensstraße verbreiteten die beiden, passend zum Namen, Woodstock-Atmosphäre. Fotos: Instagram/@berlinerweltreise

Mit ihrem lustigen Weltreise-Projekt wollen sie auch andere Berliner inspirieren – und zeigen, wie schön es sein kann, die eigene Stadt mit anderen Augen zu sehen. „Es gibt so viele schöne Orte, die man entdecken kann. Auch uns haben die Bilder in Ecken geführt, die wir bisher noch nicht kannten.“ Und falls jemand selbst eine Foto-Reise wagt, freuen sich die beiden über Urlaubsbilder.