Anna Kaiser zeigt das Schreiben der Investitionsbank Berlin, wo ihr Steuerberater ihre Anträge vorschriftsgemäß eingereicht hatte. Sie soll jetzt glaubhaft machen, dass ihr Kosmetikladen auch tatsächlich berechtigt ist, Fördermittel zu erhalten.  Foto: Sabine Gudath

Anna Kaiser betreibt das Kosmetikgeschäft Honigseele (www.honigseele.de) in Kreuzberg. Sie bangt nicht nur verzweifelt um ihre Existenz, sondern hat auch Ärger mit der Bürokratie. Seit mehr als vier Monaten ist ihr Unternehmen von den Behörden pandemiebedingt geschlossen worden und eröffnet am Dienstag wieder. Eigentlich sind ihr vom Staat Soforthilfen versprochen worden, doch um die muss die alleinerziehende Mutter einer Tochter nun auch noch noch kämpfen. 

Die Kosmetikerin hat das Vertrauen in die Politik verloren

„Ich habe inzwischen das komplette Vertrauen in die Politik verloren und fühle mich so machtlos“, sagt sie. Die 40-Jährige bietet in ihrem Laden unter anderem Kosmetikbehandlungen und Waxing (Haarentfernung) an. Diese gelten als sogenannte körpernahe Dienstleistungen und sind laut der Berliner Corona-Verordnung seit 1. November nicht gestattet und erst ab kommender Woche unter Hygienevorschriften wieder möglich. 

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Das Absurde: Obwohl für das von der Schließung betroffene Kosmetik-Gewerbe Soforthilfen vorgesehen sind, behauptet die Investitionsbank Berlin (IBB) in einem Schreiben, das dem KURIER vorliegt, dass Anna Kaisers Kosmetikgeschäft nicht „explizit betroffen sei“. Sie soll nun glaubhaft machen, dass ihr Unternehmen auch tatsächlich berechtigt ist, die staatliche Unterstützung zu erhalten. Ansonsten werde ihr Antrag „mangels Mitwirkung“ abgelehnt. Für die alleinerziehende Mutter bedeutet das, dass sie die bereits zur Hälfte erhaltenen Zahlungen dann zurückzahlen muss. 

Das Erbe der Großmutter ist inzwischen aufgebraucht

„Das wäre für mich eine Katastrophe. Ich habe jetzt schon das gesamte Erbe meiner verstorbenen Großmutter aufgebraucht, um irgendwie zu überleben und bin jetzt am Ende“, sagt sie traurig. Für die Monate November und Dezember hat sie vom Staat bislang jeweils 2300 Euro gezahlt bekommen, für die Monate Januar und Februar bislang noch nichts. Anna Kaiser muss aber jeden Monat 2300 Euro Miete für ihren Laden zahlen, und Fixkosten kommen noch zusätzlich dazu. Insgesamt müsse sie rund 5000 Euro für ihr Geschäft und ihren privaten Lebensunterhalt inklusive ihrer Wohnung zahlen. 

Foto:  Privat
Anna Kaiser mit ihrer 15-jährigen Tochter, die sie ganz allein versorgen muss.

„Ich habe innerhalb von vier Monaten 4600 Euro Hilfen erhalten. Zahlen muss ich aber 20.000, obwohl ich kein Geld verdienen darf.“ Anna Kaiser macht das unglaublich wütend, wie sie sagt, und sie fragt sich: „Wie soll ich das stemmen?“ Zum Glück habe ihr Hausverwalter ihr netterweise die Miete für den Laden gestundet, aber das Geld müsse sie ihm ja trotzdem irgendwann zurückzahlen.

Sie kann ihrer Tochter nicht einmal einen neuen Pullover kaufen

Sie hat noch eine 15-jährige Tochter, die sie ganz allein versorgen müsse und die sehr unter dem Lockdown leide. Sie sei momentan noch nicht mal in der Lage, ihrem Kind einen neuen Pullover zu finanzieren oder eine andere Freude zu machen, um es aufzuheitern. „Das macht mich sehr traurig“, sagt die Mutter.

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Anna Kaiser hat nun ab Januar auch Grundsicherung beantragen müssen, um über die Runden zu kommen. „Das hätte ich eigentlich schon eher tun sollen, aber ich habe nicht damit gerechnet, dass ich so lange schließen muss“, erklärt sie. Die Politiker hätten ja immer nur scheibchenweise mit neuen Informationen herausgerückt. Die gelernte Kosmetikerin und Sport- und Fitnesskauffrau hat ihr Unternehmen erst im November 2019 eröffnet. Sie hat Angst vor der Zukunft. Dass die Infektionszahlen steigen könnten und sie erneut schließen muss. „Ich weiß nicht, was ich machen soll, wenn mein Laden kaputtgeht“, sagt Anna Kaiser.