Die Protest-Rentner aus der Stillen Strasse 10 und ihr Kampf vor zehn Jahren für den Erhalt ihrer Begegnungsstätte.
Die Protest-Rentner aus der Stillen Strasse 10 und ihr Kampf vor zehn Jahren für den Erhalt ihrer Begegnungsstätte. imago-images/stock&people

Zum Kämpfen ist man nie zu alt. Das bewiesen die Senioren, die vor zehn Jahren zu Hausbesetzern wurden, um ihre Begegnungsstätte „Stille Straße 10“ in Pankow zu retten. Und sie sind noch immer da! Die Omas und Opas, die nun ihren Erfolg von damals feiern. Und sie müssen noch immer kämpfen.

Mit einer Festwoche erinnern die Senioren jetzt an die Ereignisse von damals, machen sich weiterhin für den Erhalt ihrer Einrichtung stark. „Wir wollen, dass eine langfristige Perspektive für die Begegnungsstätte entwickelt wird und fordern eine Nutzungsvereinbarung für mindestens fünf Jahre“, sagte Eveline Lämmer vom Vorstand des Fördervereins „Stille Straße 10“.

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Rentner als Hausbesetzer: Die Pankower Senioren bewiesen 2012, das man zum Kämpfen nicht zu alt ist.
Rentner als Hausbesetzer: Die Pankower Senioren bewiesen 2012, das man zum Kämpfen nicht zu alt ist. dpa

Senioren-Rebellen: 112 Tage dauerte ihr Kampf

Mit der 112 Tage langen Besetzung der Villa im Sommer 2012 wollten die Senioren ihren dortigen Freizeittreff vor der Schließung retten. Mit Erfolg: Sie können das Haus noch immer nutzen. Doch langfristige Planungssicherheit gibt es nicht: Die Volkssolidarität muss als Trägerin der Einrichtung jedes Jahr eine neue Nutzungsvereinvereinbarung abschließen.

„Die ältesten Besetzerinnen der Welt sind noch immer im Haus, wir verteidigen es und wollen es auch weiterhin nutzen“, sagte Eveline Lämmer. Eine „optimale Lösung“ für einen Treffpunkt mit Perspektive wäre ein Mehrgenerationenhaus am jetzigen Standort, so Lämmer. „Berlin kann sich darauf verlassen, dass die Senioren der Stille Straße nicht aufgeben.“

Die Senioren-Rebellen feiern ihren Sieg.
Die Senioren-Rebellen feiern ihren Sieg. imago-images/stock&people

Sozialstadträtin Cordelia Koch (Grüne) will sich nach wie vor für die Senioren einsetzen, wie sie sagte. „Es geht nicht, dass man nur von Jahr zu Jahr verlängert. Das ist einfach keine Perspektive.“

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Der Kampf der Senioren-Rebellen ist noch nicht vorbei

Koch will mit dem Förderverein und der Volkssolidarität Kontakt aufnehmen, um das Thema gemeinsam in Angriff zu nehmen. „Wir müssen alle wissen, wie der Weg eigentlich aussieht“, so Koch. Nötig sei ein Verfahren, das den Nutzern eine längerfristige Perspektive biete.

Im Dezember 2021 hatte Koch angekündigt, Anfang 2022 ein Gespräch mit der zuständigen Abteilung im Rathaus zu führen. „Mein Ziel besteht darin, einen dreijährigen Vertrag auszuhandeln“, versprach Koch damals.

In der Festwoche sind unter anderem eine Ausstellungseröffnung, ein Filmabend, ein Chorkonzert und die Präsentation des Buches „Die unbeugsamen Alten der Stille Straße 10“ geplant.

Nach 14 Jahren hatten Bezirksamt und -parlament damals das Aus für die Seniorenfreizeitstätte beschlossen. Die zuständige Stadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD) erklärte dies damals mit Sparzwängen. Die Sanierungskosten für die Villa schätzte sie auf 2,5 Millionen Euro, die der verschuldete Bezirk nicht habe.