Bei einer Demo gegen die Räumung des linksautonomen Bauwagen-Camps Köpi ist es zu Ausschreitungen gekommen. Dabei wurden Polizisten mit Flaschen, Steinen und Feuerwerkskörpern beworfen, in der Reichenbergerstraße Scheiben von Autos zerschlagen, Verkehrsschilder in parkende Autos gerammt und Dixieklos umgeschubst. Imago/Jean MW

Autos brannten, bei Lebensmittelgeschäften wurden Scheiben eingeworfen, Baustellenfahrzeuge zerstört: Linksradikale Demonstranten zogen im Anschluss an die Räumung einer autonomen Wagenburg  eine Schneise der Verwüstung durch die Stadt. Die Schaden für Räumung und Krawalle geht in die Hunderttausende. Die Polizei hat jetzt Bilanz gezogen.

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Im Zusammenhang mit der Räumung des Wagencamps „Köpi-Platz“ sind nach Angaben der Berliner Polizei 76 Personen festgenommen und 46 Einsatzkräfte verletzt worden. Zwei der verletzten Beamten hätten ihren Dienst beenden müssen, heißt es in einer Mitteilung.

Bei der Demo nach der Räumung wurden 40 Polizisten verletzt – 31 Männer und 9 Frauen

Am Freitag hatte die Polizei mit schwerem Gerät das Wagencamp „Köpi-Platz“ geräumt. Der Platz an der Köpenicker Straße galt als Symbolprojekt der linksautonomen Szene in Berlin. Die Räumung hatte der Grundstückseigentümer vor Gericht erstritten. Am Freitagabend war es dann zu weiteren Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften gekommen.

Die Scheiben mehrerer Lebensmittelgeschäfte wurden zerstört. BK

Allein 17 Menschen – 12 Männer und 5 Frauen – wurden im Zuge einer Demonstration unter dem Motto „Köpi bleibt! – Keine Räumungen in Berlin“ am Freitagabend im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg vorläufig festgenommen, wie es in der abschließenden Bilanz heißt. Es seien Strafermittlungsverfahren unter anderem wegen besonders schweren Landfriedensbruchs, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und tätlichen Angriffs, versuchter gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung eingeleitet worden. Bei dem von gewalttätigen Ausschreitungen begleiteten Aufzug wurden den Angaben zufolge 40 Polizisten verletzt – 31 Männer und 9 Frauen.

Innensenator Andreas Geisel: „Das ist keine politische Haltung, sondern blinde Zerstörungswut“

Die Zahl der Einsatzkräfte im Zeitraum vom 14. bis 16. Oktober betrug demnach „rund um die Uhr im Wechsel“ rund 3500. Dabei bekam die Berliner Polizei Unterstützung aus acht Bundesländern: Brandenburg, Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Bremen. Obendrein half die Bundespolizei.

Innensenator Andreas Geisel (SPD) verurteilte am Sonnabend die Gewalt und Ausschreitungen (KURIER berichtete). „Was wir gestern erlebt haben, ist keine politische Haltung, sondern blinde Zerstörungswut“, sagte er laut Innenverwaltung. „Es ist destruktiv und löst kein einziges Problem. Der Staat wird Gewaltandrohungen nicht weichen. Rechtsstaatlichkeit ist ein hohes Gut und muss sich immer durchsetzen.“

Die Berliner SPD-Spitzenkandidatin Franziska Giffey betonte im RBB-Inforadio, Gewalt sei kein Mittel der politischen Auseinandersetzung. „Was da passiert in der Stadt, wenn es um rechtmäßige Räumung von Orten geht, dass Menschen der Meinung sind, mit massiver Gewalt gegen Polizeikräfte ihren Willen durchzusetzen, das ist nicht in Ordnung.“ Es sei wichtig, Polizei und Einsatzkräften den Rücken zu stärken. Deshalb sehe das Sondierungspapier für eine neue Koalition aus SPD, Grünen und Linken ein klares Bekenntnis zum Ausbau des Personals vor, „zur Unterstützung derer, die dafür sorgen, dass der Rechtsstaat durchgesetzt wird“.