Die Studentinnen Maxi Schmidt (li.) und Laura Uhlmann zollen der Kanzlerin Respekt dafür, dass sie einen Fehler eingestand und sich dafür entschuldigte. Foto: Gudath

Die Nachricht machte bei den Berlinern auf dem Alexanderplatz schnell die Runde. Dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwochvormittag die gerade getroffene Ruhetage-Regelung zu Ostern stoppte. So mancher auf dem Platz zollte der Kanzlerin dafür Respekt, das sie einen Fehler eingestand, dass man Gründonnerstag und Ostersonnabend zu Ruhetagen erklären wollte und mit dieser Maßnahme die Menschen in Deutschland verunsichert habe.

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„Eigentlich hätte sich Frau Merkel gar nicht entschuldigen müssen“, sagen die Studentinnen Laura Uhlmann und Maxi Schmidt. „So eine Situation, wie wir sie jetzt mit Corona erleben, hatten wir bisher nicht. Nicht nur Politiker, wir alle müssen in dieser Krise Entscheidungen treffen, die sehr belastet sein können, weil man sich ja irgendwie vor dem Virus schützen muss.“ Dabei mache jeder von uns Fehler, so die 19-jährigen Frauen. „Auch Politiker sind nicht fehlerfrei. Respekt, dass Frau Merkel zu ihrem Fehler steht, den sie nicht allein zu verantworten hat.“

Heidi Voigtberger (70) aus Lichtenberg: „Ich bin froh, dass die Kanzlerin sich zur Kehrtwende entschieden hat.“ Foto: Gudath

Es sei ja zum Glück noch kein Schaden entstanden, erklärt Rentnerin Heidi Voigtberger. „Dieser wäre mit dem Gründonnerstag als Quasi-Feiertag für die Wirtschaft entstanden, die die Kosten der Regelung hätte tragen müssen“,  die 76-jährige Lichtenbergerin. „Ich bin froh, dass die Kanzlerin sich zur Kehrtwende entschieden hat.“

Student Alexander Lupatsziy (18):„ Die Politiker merken, dass bei einigen ihrer Entscheidungen etwas schief läuft.“ Foto: Gudath

Student Alexander Lupatsziy hatte gehofft, dass mehr Lockdown-Maßnahmen zurückgenommen werden. „Es geht doch nicht nur darum, ob am Gründonnerstag gearbeitet werden kann oder nicht“, sagt der 18-Jährige. „Schön, nun haben die Läden auch an diesem Tag auf. Aber im Land müssen auch die Klubs und die Kultureinrichtungen wieder öffnen.“ Der Student sehe am Hin und Her um die Osterruhetage und an der Entschuldigung der Kanzlerin, „dass jetzt auch die Politiker merken, dass so manches bei den Lockdown-Maßnahmen schief läuft“. Die erstmalige schnelle Rücknahme eines getroffenen Beschlusses wecke aber kaum das Vertrauen bei den Menschen, wenn Politiker zugeben müssen, dass ihre Entscheidungen am Ende nicht richtig sind.

Reinhard Krüger (70) aus Marzahn: „Nicht nur Merkel, auch die Länderchefs müssen sich entschuldigen.“ Foto: Gudath

Ähnlich sieht es auch Reinhard Krüger. „Nicht nur die Kanzlerin, auch alle Ministerpräsidenten müssen sich entschuldigen. Sie haben ja die Ruhetag-Entscheidung mitgetroffen“ sagt der 70-jährige Marzahner. Dass Merkel nun um Verzeihung bitte, habe auch mit der Bundestagswahl in diesem Jahr zu tun, ist sich Krüger sicher. „Schließlich muss die Politik das bei den Bürgern verloren gegangene Vertrauen  wieder zurückgewinnen.“

Edda Taube (79) aus Lichtenberg: „Es gehört viel Mut dazu, für Fehler einzustehen.“  Foto: Gudath

Es gehöre viel Mut dazu, für Fehler einzustehen, so Edda Taube aus Lichtenberg. „Die Entschuldigung der Kanzlerin und die getroffene Ruhetags-Regelung zu stoppen, war richtig“, sagt die 79-Jährige. „Ich mag mir gar nicht vorstellen, was in den Supermärkten los gewesen wäre, wenn am Gründonnerstag die Läden zu und zu den Feiertagen nur am Ostersonnabend geöffnet hätten.“

Liane Kluge (52) und Denise Eisenberger (39), beide Verkäuferinnen:„ Wir sind froh, nun am Gründonnerstag arbeiten zu dürfen.“ Foto: Gudath

Ein Chaos wäre entstanden, da sind sich Liane Kluge und Denise Eisenberger ganz sicher. „Wir sind froh, dass Frau Merkel zu der Erkenntnis gekommen ist, die Ruhetag-Regelung wieder zurückzunehmen“, sagen sie. Obwohl das für die beiden Berlinerinnen zum Nachteil ist. Denn sie sind Verkäuferinnen von Beruf. „Nach dem Beschluss am Dienstag hätten wir am Gründonnerstag frei gehabt, nun müssen wir wieder an diesem Tag arbeiten. Und ganz ehrlich, wir freuen uns darauf.“