Fast eine halbe Stunde tobten sich die Chaoten aus, bis Polizisten sich ihnen in der Alten Schönhauser Straße entgegenstellten. Foto: Andreas Kopietz

Nach der Krawallnacht zum Sonnabend in Berlin-Mitte hat die Polizei zahlreiche Ermittlungsverfahren wegen Sachbeschädigung eingeleitet. Intern wird auch der Polizeieinsatz am späten Freitagabend überprüft. Er verlief offensichtlich fehlerhaft.

„Bei der Kräftesteuerung muss einiges schiefgelaufen sein“, sagte ein hochrangiger Polizeiführer am Montag dem Berliner KURIER. „Es waren eigentlich genügend Kräfte vorhanden. Aber man hat die Situation falsch eingeschätzt.“ Mit dem Weggang der ehemaligen Führung der Direktion Einsatz, zu der die Bereitschaftspolizei gehört, sei in der Dienststelle viel Einsatzerfahrung verlorengegangen.

Ab 21.30 Uhr war am Freitagabend eine Demonstration randalierend durch Mitte gezogen. Die Demonstranten protestierten gegen die Räumung des „anarcha-queer-feministischen Wohnprojektes“ an der Liebigstraße 34 in Friedrichshain. Die Polizei zählte rund 1700 Teilnehmer. Fast alle Demonstranten – von der Spitze bis zum Ende der Demo – waren schwarz gekleidet und vermummt, die Stimmung aggressiv. Schon bevor die Demonstration loszog, flogen Flaschen in Richtung der Polizei. Behelmte Polizisten eskortierten den Aufzug – allerdings nur an der Spitze. Weiter hinten war kein Polizist mehr, obwohl immer wieder Feuerwerkskörper gezündet und im Vorübergehen Autos demoliert wurden.

Am Hackeschen Markt eskalierte dann die Situation, als Randalierer die Scheiben eines Haltestellenhäuschens einschlugen. Flaschen, Steine und Feuerwerkskörper flogen auf die Polizei, die offenbar völlig überrascht war und sich zurückzog. Daraufhin begannen Vermummte, in aller Ruhe in der Alten Schönhauser Straße die Schaufensterscheiben der Geschäfte einzuschlagen – mit Hämmern, Pflastersteinen und Verkehrsschildern. Zahlreiche Autos wurden demoliert. Erst knapp einer halbe Stunde nach dem Rückzug der Polizei am Hackeschen Markt stellten sich Beamte einer auswärtigen Polizeieinheit den Randalierern in den Weg – die daraufhin in die Seitenstraßen entschwanden und dort weiter randalierten und mehrere Autos anzündeten.

Die zerstörte Schaufensterscheibe eines Modegeschäfts. Foto: Andreas Kopietz

Wie hoch die Schäden sind, die allein durch die Randale entstanden sind, ist noch unklar. Die Polizei konnte am Montag auch noch keine Angaben darüber machen, wie viele Anzeigen wegen Sachbeschädigung bei ihr eingegangen sind.