Über 300 Berliner mussten sich 2022 schon ärgern, dass jemand die Luft aus ihren Autoreifen gelassen hat. Oft waren es selbsternannte Klimaschützer.
Über 300 Berliner mussten sich 2022 schon ärgern, dass jemand die Luft aus ihren Autoreifen gelassen hat. Oft waren es selbsternannte Klimaschützer. imago/Christian Ohde

In diesem Jahr ist in Berlin bei über 300 Autos die Luft aus den Reifen gelassen worden. Meistens an dicken SUVs durch selbsternannte Klimaschützer. Das erklärte Innenstaatssekretär Ralf Kleindiek in der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der CDU.

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Die Täter hätten in den überwiegenden Fällen ein im Internet zur Verfügung stehendes Schreiben der in mehreren Ländern auffällig gewordenen Gruppen von „Tyre Extinguishers“ hinterlassen. Die haben im Internet sogar ein Video veröffentlicht, wie man mehr oder weniger unauffällig die Luft aus einem Reifen lässt, ohne ihn aufzustechen zu müssen.  

Ein Ausschnitt des Zettels, den die Reifen-Plattmacher oft an SUVs hinterlassen.
Ein Ausschnitt des Zettels, den die Reifen-Plattmacher oft an SUVs hinterlassen. Tyre Extinguishers

Auf ihrer Homepage feierten sich die „Reifenlöscher“ („Tyre Extiguishers“ ist ein Wortspiel mit fire extinguisher – Feuerlöscher)v, dass sie seit März 2022 Reifen an 10.000 SUVs in mehreren europäischen Ländern, den USA und Kanada platt gemacht hätten und drohen damit weiterzumachen, bis des unmöglich sei, noch so ein „Klima-Desaster“ zu besitzen.

Auf der Internet-Seite wird eine PDF-Datei angeboten, die man herunterladen und ausdrucken kann, um sie hinter die Scheibenwischer eines angegriffenen Autos zu klemmen. Darin wird erklärt, warum das geschah („Achtung – Ihr Spritfresser ist tödlich“), und man solle es nicht persönlich nehmen. 

Rechtlich dürfte es schwierig werden, einen erwischten Plattmacher wegen Sachbeschädigung zu belangen, wenn er nur das Ventil blockiert hat, um die Luft abzulassen. Einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs von 1959 (!) zufolge kann es als Sachbeschädigung angesehen werden, wenn es für den Fahrer schwierig ist, wieder Luft in den Pneu zu bekommen, oder wenn er losfährt, weil er den Platten nicht bemerkt hat. Dann nehmen Reifen und meist auch die Felge Schaden.

Bei wie vielen Autos die Reifen zerstochen wurden, konnte Kleindiek nicht beantworten, darüber gebe es keine Statistik.

Die meisten Autos wurden in Berlin-Mitte beschädigt

Insgesamt habe es in Berlin 2022 bis Ende November fast 13.000 Sachbeschädigungen an Autos gegeben, die der Polizei gemeldet wurden. Die meisten Fälle ereigneten sich in Mitte mit gut 1600 Fällen abgetretener Spiegel, zerkratzten Lacks, zerstochener oder entleerter Reifen. In gut 2400 Fällen konnte 2022 mindestens ein Tatverdächtiger ermittelt werden.

Insgesamt bleibt die Zahl der Taten seit 2017 auf dem gleichen Niveau, die Zahl der ermittelten Verdächtigen ist tendenziell gewachsen.