Berlin lebt auf! Am Gendarmenmarkt freuen sich die Menschen wieder auf Biergartenatmosphäre. Und Kellnerin Gülay Bicici freut sich, dass wieder die Gäste ins „Erdinger am Gendarmenmarkt“ kommen.   

Markus Wächter

Es ist ein herrlicher Frühlingstag. Dieser Pfingstmontag, der für die Berliner gleich in mehrfacher Hinsicht ein Feiertag ist. Mit Kind und Kegel sind sie draußen, erobern nach dem langen Daheimbleiben im Corona-Lockdown zu Fuß, mit dem Auto oder dem Rad die Stadt. Man freut sich nicht nur über das schöne Sonnenwetter. Die Menschen feiern die neuen Freiheiten in Cafés, auf Dampfertouren oder beim Picknick im Lustgarten. Berlin lebt an Pfingsten endlich wieder auf.

So wie Heike (57) und Thomas Armendahl, die morgens nach dem Corona-Schnelltest auf ihre Fahrräder stiegen, von Pankow nach Mitte zum Schiffbauerdamm fuhren. Die Außenplätze der dortigen Lokale am Spreeufer sind bereits gut gefüllt. Auch das Paar legt in der „Ständigen Vertretung“ einen Frühschoppen ein, prostet sich mit einem Kölsch zu. Sie fühle sich wie in einem Glücksrausch, so Heike Armendahl. „Endlich können wir wieder das Leben genießen, endlich kehrt ein wenig Normalität in den Alltag zurück“, sagt sie.

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Am Schiffbauerdamm prosten sich Heike und Thomas Armendahl nach einer Fahrradtour mit einem Kölsch zu. „Endlich können wir wieder das Leben genießen, endlich kehrt ein wenig Normalität in den Alltag zurück“, sagen sie.

Markus Wächter

Wie dem Paar geht es vielen Berliner Pfingstausflüglern. Am Schiffsanleger am Schiffbauerdamm stehen um 11.30 Uhr über 20 Menschen mit aktuellem Corona-Negativtest, können es kaum erwarten, dass ihr Dampfer zum Westhafen ablegt. Darunter ist Sylvia Fischer (59), die sich mit ihren drei Schwestern spontan zu der Schiffstour entschlossen hat. Berlin vom Wasser erleben, neu entdecken, sei ihr Ziel. „Wir sind so froh, dass zu Pfingsten auch das wieder möglich ist“, sagt Sylvia Fischer.

Am Schiffsanleger am Schiffbauerdamm freuen sich Sylvia (59), Katrin (52), Kristin (45)
und Simone Fischer (55, v. l. n. r.) auf eine gemeinsame Dampferfahrt.
Markus Wächter

Gegen Mittag füllt sich die Innenstadt. Die U- und S-Bahn-Abteile sind voll mit Familien. Unter den Linden cruisen Menschen mit Segways, einem elektrisch angetriebenen Gefährt mit zwei Rädern. Viele Fahrradfahrer sind unterwegs zu den Sehenswürdigkeiten, radeln an Staatsoper und Humboldt-Universität in Richtung Alexanderplatz zum Fernsehturm.

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Ein beliebtes Ziel ist der Gendarmenmarkt. Auf den Treppen des Schauspielhauses sieht man viele Menschen, die sich dort sonnen. Oder zunächst an einer Corona-Teststation sich in einer langen Warteschlange einreihen, um danach auf dem Platz Mittagessen zu gehen.

Auch das ist wieder möglich: Segway-Touren und Stadtrundfahrten am Gendarmenmarkt.

Markus Wächter

Die Restaurants wie das „Erdinger am Gendarmenmarkt“ sind gut besucht. 40 Tische bieten unter dem Französischen Dom Platz für 160 Gäste. Seit Freitag kehren immer mehr Menschen bei ihm ein, so Wirt René Hancke (49). Und wenn das Wetter wie am Pfingstmontag so gut mitmacht, füllt sich auch sein Buch mit den Vorbestellungen. „Es wurde ja auch Zeit, dass die Berliner Gastrokultur wieder auflebt“, sagt Hancke. „Vor Weihnachten mussten wir schließen, dann brach zu Ostern und auch zu Himmelfahrt das für uns so wichtige Geschäft weg“. Vom Kellner, Koch bis zum Mitarbeiter am Tresen seien alle nach der langen Zwangspause hochmotiviert, wieder arbeiten zu dürfen, so der Wirt. „Es macht wieder Spaß, für die Gäste da zu sein.“

Erinnerungsfoto an einen schönen Tag: Maria (30) und Igor Kovalenko (38) machen Selfies vor dem Alten Museum im Lustgarten.
Markus Wächter

Wer an diesem Pfingstmontag durch die Stadt läuft, trifft fast nur auf fröhliche Menschen. Die Corona-Lockerungen, die neuen Freiheiten, sorgen für eine neue Lebenslust, die man auch im Lustgarten spürt. Familien sitzen um den Springbrunnen, Kinder planschen. Rocker auf ihren schweren Motorrädern brausen an, legen einen Stopp zwischen Dom und Altem Nuseum ein.

Sarah Reichert macht mi ihren Töchtern Priscilla und Natalia ein Picknick im Lustgarten.

Markus Wächter

Ärztin Maria Kovalenko (30) und ihr Mann Igor (38) strahlen vor Glück, machen Selfies vor dem Museum. Sie sind extra aus Cottbus nach Berlin gereist, um wieder das trubelige Hauptstadtleben zu genießen. Andere machen auf der Wiese ein Picknick. Wie Sarah Reichert (42) aus Steglitz, die mit ihren Töchtern Priscilla (11) und Natalia (18) im Lustgarten mit mitgebrachtem Essen und Trinken auf der Decke liegt und dabei die Sicht auf das Humboldt-Forum mit der wiederaufgebauten Stadtschlossfassade genießt. „Berlin ist unser Zuhause“, sagt die Mutter. „Und wir feiern, dass wir nach langer Zeit unser Zuhause wieder in seiner ganzen Schönheit erleben dürfen.“