Der Senat unter Führng des Regierenden Michael Müller verkündete am Dienstag neue Maßnahmen. In der Messe entsteht eine Corona-Klinik. Foto: dpa/Frank May

Berlin - Im Kampf gegen das Coronavirus trifft Berlin weitere Maßnahmen: Die nicht zur Versorgung der Bevölkerung notwendigen Geschäfte des Einzelhandels schließen ab diesem Mittwoch, Busse und Bahnen fahren ab diesem Mittwoch nur noch im Zehn-Minuten-Takt, der Senat rüstet die Kliniken für eine Krise.

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Angesichts der Pandemie plant der Berliner Senat ein Krankenhaus für Covid-19-Erkrankte mit einer Kapazität von bis zu 1000 Patienten. Eingerichtet werden soll es auf dem Gelände der Berliner Messe in Kooperation mit der Bundeswehr.

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Vorsichtsmaßnahme für möglicherweise auftretende Engpässe

Außerdem werden die Notfallkrankenhäuser aufgefordert, planbare Operationen und„elektive Versorgungen“, die nicht zwangsweise notwendig sind, zu verschieben. Beides sei eine vorbeugende Maßnahme, so Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD). Angesichts der rasch steigenden Fallzahlen wolle man „früh schon Kapazitäten frei machen und frei halten“.

Das teilte Kalayci nach der Sitzung des Senats am Dienstag bei einer Pressekonferenz mit. Das geplante Krankenhaus ist laut Kalayci eine Vorsichtsmaßnahme für in der Zukunft möglicherweise auftretende Engpässe. Die Berliner Kliniklandschaft sei gut aufgestellt und zurzeit nicht in Not.

Klare Arbeitsteilung unter den Krankenhäusern

Bisher gibt es in Berlin der Gesundheitsverwaltung zufolge mit Stand vom Montagnachmittag 332 bestätigte Corona-Fälle. 20 Personen werden in Krankenhäusern isoliert, drei Fälle werden intensivmedizinisch behandelt.

Notfallkrankenhäuser sollen sich die Last in Zukunft nach einem „dreistufigen System“ teilen. „Es soll eine klare Arbeitsteilung geben: Welches Krankenhaus behandelt Covid-19-Patienten welchen Schweregrads?“, so Kalayci. Die Krankenhäuser seien auch aufgefordert, die Beatmungsmöglichkeiten aufzustocken. „Das sind zwei Maßnahmen, die schon länger laufen.“

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Versorgung mit Lebensmitteln gesichert

Die bundesweiten Leitlinien, die Bundesregierung und Länder am Montag im Kampf gegen die Corona-Krise bekanntgaben, sind in Berlin mit Veröffentlichung der Krisenverordnung am Sonnabend zu großen Teilen umgesetzt.

Vom Senat neu beschlossene Maßnahmen am Dienstag: Geschäfte, die nicht der Versorgung dienen, wie Kleider und Elektro-Läden, sollen ab Mittwoch geschlossen bleiben, teilten Kalayci und Wirtschaftssenatorin Pop mit.

Offen bleiben aber unter anderem alle Geschäfte des Lebensmittel und Getränkehandels, Apotheken, Tankstellen, Drogerien und Baumärkte. Sie sollen ihre Öffnungszeiten sogar verlängern dürfen. „Keine Panik“, betonte Pop mehrfach. Die Versorgung mit Lebensmitteln und Getränken sei gesichert.

Kreativwirtschaft schützen

Einige Besitzer in Berlin ließen ihre Läden bereits am Dienstag freiwillig geschlossen. Nils Busch-Petersen, Geschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg, sagte am Dienstag, die Verordnung treffe die Händler „brachial und mit großer Gewalt“. Um den zurzeit nicht quantifizierbaren Schlag für die Wirtschaft zu lindern, plant der rot-rot-grüne Senat einen Liquiditätsfonds von 300 Milliarden Euro.

Das sagte Wirtschaftssenatorin Pop am Dienstag. „Wir öffnen diesen Fonds für alle Branchen in der Stadt“, so Pop. Explizit solle der „Berliner Rettungsschirm“ auch kleine Unternehmer, Selbstständige und Freie sowie die Kreativwirtschaft schützen.

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Berliner Verkehrsbetriebe schränken Fahrtenangebot ein

Auch die Bundesregierung hat Hilfen und Erleichterungen für Unternehmen in Aussicht gestellt, darunter mehr Flexibilität bei Steuervorauszahlungen und Erleichterungen beim Kurzarbeitergeld.

Auch die Berliner Verkehrsbetriebe schränken in der Corona Krise wegen sinkender Fahrgastzahlen ihr Fahrtenangebot deutlich ein. Das teilte die Senatsverkehrsverwaltung am Dienstag mit. Die ersten Einschränkungen treten bereits Mittwochmorgen zum Betriebsbeginn in Kraft.

Die U-Bahnnen verkehren nur noch im 10-Minuten-Takt. Foto: imago images

„Weiterhin werden alle Haltestellen bedient“

Dies gilt für den gesamten Bus und Straßenbahnverkehr, der deutlich ausgedünnt wird. Verstärkerfahrten, die für den Schülerverkehr eingeplant worden waren, fallen aus.

Darüber hinaus gilt als Grundsatz, dass auf keiner Linie öfter als alle zehn Minuten gefahren werden soll, bekräftigte die BVG-Sprecherin Petra Nelken. Ebenfalls von Mittwoch an werden die Straßenbahnlinien 16, 18, 37 und 67 bis auf Weiteres komplett eingestellt. Denn diese Routen verlaufen parallel zu anderen Straßenbahnlinien, die als Ersatz genutzt werden können. „Weiterhin werden alle Haltestellen bedient“, hieß es.

Die U-Bahn-Linie U55 zwischen Hauptbahnhof und Brandenburger Tor wird ebenfalls nicht mehr befahren. Weil Touristen ausbleiben, ist es auf der von vielen Auswärtigen genutzten Strecke leer geworden.

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Zahl der Fahrgäste um 40 bis 50 Prozent gesunken

Zu Montag (23. März) werden dann auch auf den anderen U-Bahn-Linien Einschränkungen spürbar. Zwar bleiben diese Strecken in Betrieb, allerdings wird auch dort das Fahrtenangebot auf einen Zehn-Minuten-Takt ausgedünnt, hieß es. „Ein solcher Takt ist leicht zu merken“, sagte Nelken. Anders als erwogen soll es bei der Berliner U-Bahn in Schwachlastzeiten aber keine weiteren Einschränkungen geben. In dem Landesunternehmen wird aber nicht ausgeschlossen, dass es zu weiteren Einschränkungen kommt.

Bei der BVG ist die Zahl der Fahrgäste um 40 bis 50 Prozent gesunken. Deswegen ersetzt die BVG zunehmend Doppeldecker durch einstöckige Busse. Auch bei der S-Bahn Berlin wird das Fahrtenangebot reduziert  „geringfügig“, wie es bei der Senatsverwaltung hieß.

In Absprache mit dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) sollen von Donnerstag an die Verstärkerfahrten in den Hauptverkehrszeiten auf den Linien S1, S3 und S5 wegfallen. Der sonstige Takt bleibt erhalten.