Immer wieder blockieren Klimaschützer Straßen in Deutschland.
Immer wieder blockieren Klimaschützer Straßen in Deutschland. imago/aal.photo

Ja, sie nerven mich. Die Klimaaktivisten der sogenannten „Letzten Generation“, die fast täglich in Berlin die Straßen blockieren und andere Menschen nötigen, mit dem Auto, mit Bussen oder Straßenbahn nicht zur Arbeit zu kommen. Die Mädels und Jungs setzen sich auf Fahrbahnen, kleben sich fest, benehmen sich wie bockige Kinder, denen man das Spielzeug weggenommen hat. In der DDR wären sie für ihre Aktionen längst im Stasi-Knast in Bautzen gelandet.

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In der Tat, das klingt böse und extrem radikal. Doch mit meinem Spruch möchte ich die Blockaden der „Letzten Generation“ zum Anlass nehmen, um einmal daran zu erinnern, dass es in der DDR  Umweltaktivisten gab, von denen tatsächlich so mancher in den Knast kam – als politischer Gefangener.

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Für Umwelt- und Klimaschutz einzutreten, ist keine einfache Sache. Und das ist heute wie damals ein wichtiges Thema. Nur war dieses im SED-Staat ein Tabu. Denn die DDR-Industrie war eine der größten Umweltsünder. Jeder, der zu Ostzeiten mit dem Zug an Bitterfeld vorbeigefahren ist, kann sich an den üblen Geruch der Abgase aus den Chemiewerken erinnern, die garantiert nicht gut für die Umwelt waren.

Umweltprobleme waren in der DDR ein Tabu

Oder an die Bagger der Braunkohletagebaue in der Lausitz. Sie zerstörten ganze Landschaften - auch noch nach DDR-Zeiten. Ich erinnere mich an die Rußwolken, die der VEB Elektrokohle in Lichtenberg ständig ausstieß. Wer im Umkreis wohnte, konnte im Freien nicht die Wäsche trocknen.

Themen wie Smog, saurer Regen, Waldsterben, über die man im Westen offen sprechen konnte – in der DDR waren diese Themen verboten. Dass sie dennoch in die Öffentlichkeit kamen, ist den DDR-Umweltaktivisten zu verdanken. Um Stasi-Verfolgung und drohendem Knast zu entgehen, arbeiteten sie quasi im Untergrund, im Schutze der Kirche – wie die Umweltbibliothek in Prenzlauer Berg, deren Mitglieder genau die Umweltzerstörungen in der DDR auflisteten und verbreiteten.

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Daher habe ich anfangs die Gründungsaktivisten der „Letzten Generation“ auch für ihren Mut bewundert, die vor den Bundestagswahlen im vergangenem Jahr für den Klimaschutz in den Hungerstreik traten, ihre Gesundheit und Leben riskierten, um mit den Kanzlerkandidaten zu diesem für uns alle wichtigem Thema ein Treffen zu erzwingen.

Die aktuellen Hitzewellen, unter denen wir alle jammern, die Waldbrände, Starkregen, der ganze Regionen zerstört und Menschen obdachlos macht: Wir können in der Tat nicht so tun, als gebe es keinen Klimawandel. Und es muss auch etwas getan werden.

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Letzte Generation: Keine eigene Ideen zum Schutz des Klimas

Doch die „Blockade-Kids“ haben nicht einmal selber Ideen, wie man das Klima besser schützen kann. Ihre Straßenblockaden sind nichts weiter als ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr. Es ist doch irrsinnig, Tausende Autos ewig im Stau stehen zu lassen, die die Luft verpesten. Das kann doch nicht wirklich im Sinne dieser selbsternannten Klimaaktivisten sein. Nicht zu vergessen: Sie gefährden das Leben von Menschen, wenn sie mit ihren Blockaden Rettungsfahrzeuge daran hindern, schnell  ihr Einsatzziel zu erreichen.

Damit sind für mich die Aktivisten der „Letzten Generation“ keine würdigen Nachfolger der Umweltschützer aus dem Osten, die allein schon für ihre Meinungsäußerungen riskierten, ins Gefängnis zu kommen.

Norbert Koch-Klaucke schreibt jeden Freitag im KURIER über Geschichten aus dem Osten.
Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com