Ein Paar beim Picknick während eines Winterspaziergangs.                                                                                                                                     Foto: imago images/Westend61/Philipp Nemenz

Im Sommer eine Decke auf der Wiese ausbreiten und Köstlichkeiten drapieren kann jeder Anfänger. Fortgeschrittene aber lassen sich auch von kalten Temperaturen nicht vom Essen unter freiem Himmel abhalten. In diesem Winter, wo Aerosole in Innenräumen gefährlicher sind als sonst, ist das Friluftsliv, wie etwa die Norweger es leben, Gebot der Stunde.

Nach jahrelanger Übung im  Weihnachtsgrillen mit der Familie am Ufer eines Sees kristallisieren sich einige Erkenntnisse bezüglich Kleidung, Getränkeauswahl, Zubereitung von Speisen und anderer Nützlichkeiten bei Picknick im Winter  heraus. Ich teile sie gern.

Der Winterpicknicker unterscheidet zunächst zwischen zwei Grundformen: die Rast an einer Feuerstelle zum einen, das mitgeschleppte Picknick im Rucksack unterwegs, zum anderen. Für beide Varianten gilt: eine trockene Sitzgelegenheit und ein Tischchen, ein Baumstamm oder eine andere Ablage erleichtern vieles. Denken Sie also daran Isomatte, Decke, Filzkissen oder Schaffell einzupacken, wenn Sie sich auf die kulinarische Expedition begeben.

Ohne Thermoskanne geht es beim Picknick nicht 

Wer mit Kindern unterwegs ist, tut außerdem gut daran, einen kürzeren Anmarsch zum Ort des Picknicks einzuplanen, sonst sind die Kleinen schon bei der Ankunft müde und durchgefroren. Auch auf einen langen Rückweg in früh beginnender Dunkelheit hat keiner Lust. Es ist gerade zu Weihnachten erlaubt, mit dem Auto vorzufahren und nur ein Stückchen zu wandern.  Auch ein kurzer Spaziergang mit Stollen und Thermoskanne hebt die Laune und beugt der weihnachtlichen Couch-Starre vor.

Ohne Thermoskanne wird es ungemütlich.  Foto: privat

Ohne Thermoskanne wird es aber nicht gehen, das sei vorweg gesagt. Es sei denn, Sie sind ausgerüstet wie mein Schwiegervater, der beim Weihnachtsgrillen jedes Jahr einen selbst gebauten, zusammenlegbaren Grill aufbaut. Auf diesem brutzeln bei uns erst die mitgebrachten Buletten – die Kühlkette funktioniert in Winter prächtig – und dann dampft auf der Glut der Topf mit Glühwein.

Heiße Drinks für kalte Tage

Wer einmal etwas verwegener anstoßen will, dem sei ein Rezept aus Amerika ans Herz gelegt: Heißer, gebutterter Apfelsaft mit Calvados oder Rum. Pro Portion braucht man ca. 4 cl Rum, einen Teelöffel Butter, einen Teelöffel braunen Zucker oder Honig, heißes Wasser oder naturtrüben Apfelsaft und natürlich Gewürze: Zimt, Vanille, Nelken, Muskat, Piment, Kardamom, Sternanis, alles ist erlaubt. Für Kinder funktioniert das Getränk auch prima ohne Alkohol.

Im Gegensatz zu einem Sommerpicknick sind im Schnee oder im Berliner Nieselregen  kalte Salate nicht empfehlenswert. Etwas Warmes braucht der Winterpicknicker. Und das kann in verschiedenen Formen daher kommen.

Tipps von Touren in Lappland

Sabine Kühn ist Profi in Sachen Outdoor-Mahlzeiten. Sie und ihr Mann Elmar Fust betreiben bei Neuruppin eine Huskyfarm. Im Winter gehen sie mit Gästen in Schwedisch-Lappland regelmäßig auf Touren. „In den Proviantschlitten kommen bei uns Thermoskannen mit kräftig gewürzten Suppen – damit sie richtig schön durchwärmen.“ Ingwer und Chili sind dabei gute Kandidaten. Außerdem hätten sich Snackboxen mit vielen kleinen Häppchen bewährt, sagt Sabine Kühn. „Man muss nicht schnippeln und kann die Handschuhe beim Essen anlassen. Sticks von Käse, Salami oder auch kleinen Wienern, dazu getrocknete Datteln als gesunde Energiespender oder auch ein paar Stückchen Schokolade sind gute Basics für ein Winterpicknick.“

Waffeln vom Grill, Hotdogs für unterwegs

Für Fortgeschrittene, und wenn eine Feuerstelle vorhanden ist, rät Sabine Kühn, eine kleine einfache, aber beschichtete Pfanne mitzunehmen. „Raclettekäse scheibchenweise auf der Glut schmelzen lassen und auf eine Scheibe über dem Feuer gebräunten Toast gleiten lassen. In Schweden gibt es dazu spezielle Toasteisen, die man aber auch in Deutschland kaufen kann“, weiß sie.

Auch Waffeln lassen sich prima am offenen Feuer backen. Oder man wärmt mitgebrachte Waffeln auf dem Rost  auf. Das Hantieren mit klebrigem Stockbrotteig verschiebt man besser auf den Sommer. Im Winter gilt: die Hände sollen sauber und warm bleiben.

Ein weiteres Rezept, das vor allem Kinder super finden: Hotdogs. Mit kochendem Wasser in der Thermoskanne lassen sich Würstchen prima erwärmen. Brötchen kurz überm Feuer rösten und mit Gurken, Ketchup und Senf ( aus der Tube!) essen.

Karamellisierte Nüsse vom Feuer im Winter 

Wer sich ein Gefühl von Weihnachtsmarkt in den Wald holen will, braucht eine gusseiserne Pfanne. In ihr lassen sich Mandeln oder Walnüsse karamellisieren. 200g Walnüsse, 100g Zucker, 200 ml Wasser, etwas Zimt – die Mischung kann man schon zu Hause vorbereiten und im Zip-Beutel mitnehmen. Nüsse, Zucker und Zimt in die Pfanne über dem Feuer geben, Wasser dazu und mit einem Holzlöffel rühren bis alles karamellisiert.

Was noch in den Rucksack gehört? Eine Mülltüte. Ein Draußen-Esser hinterlässt keine Spuren. Damit man sich auch beim nächsten Mal draußen wie zu Hause fühlt.