Hier wird schon lange nicht mehr geplanscht: das schon in der DDR gebaute Hallenbad an der Holzmarktstraße.
Hier wird schon lange nicht mehr geplanscht: das schon in der DDR gebaute Hallenbad an der Holzmarktstraße. Imago/Elsässer

Angesichts drohender Gasknappheit muss aus Sicht des Hauptgeschäftsführers der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK) mehr gespart werden. Sein Vorschlag ist, Schwimmbäder zu schließen und damit die Energie, die es braucht, um das Wasser zu erwärmen, einzusparen. Was er dabei vergisst: Berlin ist Berlin. Hier sind viele Hallenbäder bereits geschlossen. Nicht, um Energie zu sparen, sondern weil sie zu marode sind.

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Die CDU-Abgeordneten Danny Freymark und Martin Pätzold wollten in einer kleinen Anfrage an den Senat wissen, wie es um die Berliner Bäder steht. Antwort: In Berlin gibt es 34 Frei- und Sommerbäder sowie 41 Hallenbäder. Doch jedes fünfte Hallenbad (insgesamt: acht) ist zurzeit wegen Sanierungsbedarf geschlossen, ein Sommerbad nur eingeschränkt nutzbar. Das heißt aber nicht, dass die anderen Hallenbäder zurzeit alle geöffnet haben. Auch Berliner Bäder machen im Sommer Sommerpause, wie etwa das Wellenbad am Spreewaldplatz, das bis zum 28. August in Ferien ist.

Wegen Sanierung: Acht Hallenbäder sind in Berlin geschlossen, ein Sommerbad ist nur eingeschränkt nutzbar

Infolge von Bauarbeiten sind laut Auskunft der Berliner Bäderbetriebe BBB derzeit folgende Bäder nicht geöffnet:

+ Paracelsus-Bad (Reinickendorf, seit 2019)

+ Stadtbad Tiergarten (Mitte, seit 2019)

+ Schwimmhalle Anton-Saefkow-Platz (Lichtenberg, seit 2021)

+ Schwimmhalle Ernst-Thälmann-Park (Pankow, seit 2021)

+ Kleine Schwimmhalle Wuhlheide (Treptow-Köpenick, seit 2022)

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Infolge schlechter Bausubstanz sind geschlossen:

+ Schwimmhalle Holzmarktstraße (Friedrichshain-Kreuzberg, seit 2018)

+ Stadtbad Charlottenburg/Neue Halle (Charlottenburg-Wilmersdorf, seit 2021)

+ Das Baerwaldbad (Eigentum des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg) wurde aufgrund verschiedener baufachlicher Mängel durch die Bauaufsicht 2017 geschlossen.

Tradition seit 1901: Damals begann im Baerwaldbad der Badebetrieb. Tradition seit 2017: Das Bad ist geschlossen.
Tradition seit 1901: Damals begann im Baerwaldbad der Badebetrieb. Tradition seit 2017: Das Bad ist geschlossen. Imago/Schöning

Keine guten Nachrichten für Nachbarn des Baerwaldbades. Für die Sanierung sind derzeit keine finanziellen Mittel vorhanden, heißt es lapidar in der Antwort des Senats:„ Ohne eine grundhafte Sanierung mit hohen Investitionskosten (laut Bausubstanzgutachten in Höhe von 41,1 Mio. Euro) ist eine Wiederaufnahme des Betriebs nicht möglich.“

Viel Zeit wird auch ins Land gehen, bis man wieder im Stadtbad Charlottenburg (Neue Halle) abtauchen kann. Da laufen zwar die Planungen, aber die Finanzierung (rund 35 Mio. Euro) ist noch komplett ungeklärt. „In der Planung der BBB ist derzeit der Beginn des Vorhabens ab 2027 vorgesehen“, heißt es in der Antwort des Senats – unter der Annahme, dass entsprechende Mittel spätestens im Doppelhaushalt 2024/2025 zur Verfügung gestellt werden.

Auch für die Schwimmhalle Holzmarktstraße gegenüber vom S-Bahnhof Jannowitzbrücke ist keine schnelle Lösung in Sicht. Hier ist in Kooperation mit Berlinovo ein Neubau geplant. Die neue Schwimmhalle soll mit einem Hybridgebäude für Wohnen, Büro und Gewerbe überbaut werden.

So sehen die Pläne für das neue Schwimmbad in der Holzmarktstraße aus: das neue Bad, überbaut von Wohnungen und Büros.
So sehen die Pläne für das neue Schwimmbad in der Holzmarktstraße aus: das neue Bad, überbaut von Wohnungen und Büros. Eller + Eller Architekten

Das Paracelsus-Bad (Reinickendorf) und das Stadtbad Tiergarten (Mitte) werden umfassend saniert. Und hier steht das Geld schon zur Verfügung: 17 Millionen bzw. 17,1 Millionen Euro. In der Schwimmhalle Anton-Saefkow-Platz erfolgt gerade ein kompletter Austausch der Lüftungsanlage, die Schwimmhalle im Ernst-Thälmann-Park wird seit 2021 saniert. Hier entsteht ein Nichtschwimmerbecken anstatt des Planschbeckens, die Lüftung wird erneuert, die Sauna saniert.

Pankow, Marzahn, Lichtenberg: Hier soll neu gebaut werden

In der Kleinen Schwimmhalle in der Wuhlheide wird im Eingangs- und Umkleidebereich sowie in den Sanitäranlagen gebaut. Im Sommerbad Wilmersdorf müssen die noch aus dem Jahre 1956 stammenden Schwimm-, Sprung- und Nichtschwimmerbecken saniert werden. Für dieses Projekt stehen bislang rund 3,8 Millionen Euro zur Verfügung.

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An drei Standorten sollen neu gebaut werden. In Pankow soll auf dem Gelände des Sommerbades an der Wolfshagener Straße ein Multifunktionsbad errichtet werden. Stand: Der Baubeginn ist noch unklar. In Marzahn-Hellersdorf ist der Neubau des Kombibades am Standort Kienberg geplant. Stand: Die Finanzierung ist noch nicht gesichert. Im Bezirk Lichtenberg wird die Errichtung einer sogenannten Schnellbauschwimmhalle geprüft. Stand: Die Grundstücks- und Finanzierungsfrage ist noch ungeklärt.