Der Bär Erik Rotheim scheint kein Fan dieser Reality-TV-Formate zu sein.   Foto: Stefan Henseke

Aurelia explodiert, Henrik knutscht fremd, der Ex-Freund von Gerda zieht ein: Die Reality-Show „Love Island“ auf RTL geht gerade durch die Decke. Nicht nur im Fernsehen, auch im Internet. Die einen lieben sie, die anderen hassen sie. Man hat sowieso das Gefühl, das die Reality-Formate zur Zeit fast das gesamte Abendprogramm der Privatsender füllen. Auf RTL, RTL2, Sat.1 oder ProSieben jagt eine Beschau-Show die andere. Von „Promi Big Brother“ bis zu „Das Sommerhaus der Stars“. Shows, die es jetzt auch auf die Ich-liebe-es- und Ich-hasse-es-Listen des Berliner Instagram-Stars Tobo geschafft haben.  

Dieses Bild findet sich an der verlassenen Stammbahnbrücke in Dreilinden. Foto: Tobo

Seit ein paar Wochen tauchen immer mehr dieser Listen auf Graffitiwänden und Lost Places in Berlin und Brandenburg auf - und werden auf Instagram vieltausendfach geklickt, geteilt und geliked. Über  100.000 Klicks und 7000 Likes bringen es bisher die erfolgreichsten. Tobo (knapp 17.000 Follower auf Instagram), den man seit vielen Jahren für seinen Bären Erik Rotheim mit der langgezogenen Schnauze und den lustigen Sprechblasen kennt.

Als 12-Jähriger hat Tobo, jetzt Mitte 30, mit dem Sprayen begonnen, vor acht Jahren erblickte der vorlaute Erik das Licht der Welt - auf der Wand eines verlassenen Gebäudes in Kleinmachnow.  Erik Rotheim ist dabei extrem wandelbar. Der Bär ändert unter Tobos Spraydose öfter die Gestalt, wird zum Teufel, Schlumpf, Hai oder Pink Panther.

Immer Teil des Bildes: die Sprüche in den Sprechblasen. Erik und wie er die Welt sieht - mit mal schlauen, mal witzigen, mal frechen Sinnsprüchen. Jetzt hat der Betrachter selbst die Wahl - mit  Streetart zum Ankreuzen. Was ärgert den Betrachter am meisten, was gefällt?    

Der Betrachter hat die Wahl: Wer nervt am meisten? Foto: Henseke

„Das erste Bild ist aus einem Zufall heraus entstanden“, sagt der Sprayer. „Ich hatte mein Notizbuch vergessen, in dem ich Sprüche sammle.“ Im Hinterkopf hatte der Schöneberger aber schon die Idee mit der Streetart zum Ankreuzen. „Wir leben doch in einem Jahr, in dem man sich über vieles ärgern kann“, sagt er. „Und jedem fallen doch fünf Dinge ein, über die er sich andauernd aufregt.“  Corona, Polizeigewalt, Nazis, Angst, Trump, aber auch ich, du, es, dies oder das -   alles mögliche hat es schon auf Tobos neue Werke geschafft. 

Hier hat sich Tobo selbst auf die Liste gesetzt. Foto: Henseke

Auch Tobo selbst hat sich auf eine seiner I-hate-Listen gesetzt - neben Graffiti, Streetart und Urbex. Denn es gibt eine kleine Gruppe von Urbex-Fans (erkunden verlassene Orte), die es nicht mögen, mit welcher Geschwindigkeit der Sprayer immer neue Eriks auf den Wänden von Lost Places hinterlässt. 1000 bis 2000 Eriks hat Tobo in acht Jahren gemalt.  Und es werden täglich mehr.

Auch die Liebe bekommt jetzt Platz. Tobos neueste Arbeit.  Foto: Henseke

Am Anfang gab es nur Ich-hasse-es-Listen. Jetzt kommt aber auch die Liebe mit I-love-Bildern ins Spiel. „Ich bin von den Klickzahlen komplett überrascht worden“, sagt der Künstler. „Eigentlich sollte nach zwei Bildern wieder Schluss sein.“ Aber in den Kommentaren wünschen sich Tobos Follower immer mehr, immer neue Varianten. Deshalb ist sicher: Fortsetzung folgt...