Bei der linksradikalen 1.-Mai-Demo kam es 2021 zu Ausschreitungen. Demonstranten attackierten Polizisten mit Steinen, Flaschen und Böllern. imago/Jean MW

Seit Tagen pfeifen es die Spatzen von den Dächern: Am 1. Mai könnte es nach vielen Jahren relativer Ruhe wieder in Berlin krachen. Die Polizei will 5000 Beamte auf die Straße schicken. Sorgen bereitet der Behörde aber nicht nur der altbekannte Schwarze Block. Zu den gewaltbereiten Chaoten kommen jetzt auch noch Linksextremisten aus Pankow. Mischen sie den 1. Mai in Berlin auf?

Nicht nur die Gewerkschaft der Polizei (GdP) rechnet bei den Demonstrationen am 1. Mai in Berlin mit Gewaltbereitschaft. „Wir werden keinen 1. Mai wie in den späten 1980ern erleben, aber es wird eben auch kein Kindergeburtstag“, erklärte der GdP-Landesvize Stephan Kelm am Mittwoch. „Unsere Kolleginnen und Kollegen werden auf ein durchaus spürbares Gewaltpotenzial und die Bereitschaft treffen, den Tag der Arbeit für staatsgefährdende Taten zu missbrauchen.“ Das verlange hohe Professionalität und einen kühlen Kopf „in dynamischen Einsatzlagen“.

Und vor allem verlangt es Umsicht und Kenntnisreichtum. Denn aus Pankow droht Ungemach, wie eine parlamentarische Anfrage des Berliner CDU-Abgeordneten Dirk Stettner ans Licht beförderte. Stettner wollte mehr über die Gruppierung „North East Antifascists“ (NEA) um eine gewaltbereite linksextremistische Gruppierung im Nordosten Berlins wissen.

Verfassungsschutz beobachtet die Linksextremisten aus Pankow

Die Antwort der Senatsinnenverwaltung lautete: „Wie im Verfassungsschutzbericht 2019 dargestellt, handelt es sich bei ,North East Antifascists‘ (NEA) um eine linksextremistische Gruppierung. Sie wird innerhalb der Berliner Szene dem Autonomen Antifa-Spektrum zugeordnet. NEA ist insbesondere im Nordosten Berlins aktiv, bringt sich aber auch in stadtweite und überregionale Bündnisse ein und kooperiert mit anderen linksextremistischen Akteuren.“

Und weiter: „Die Gruppierung tritt nach außen vergleichsweise gemäßigt auf und verzichtet darauf, ihre Gewaltbereitschaft allzu plakativ zur Schau zu stellen. NEA ist einer der zentralen Akteure in der linksextremistischen Szene Berlins. Die grundsätzliche Bewertung des Senats zur linksextremistischen Gruppierung NEA hat sich seit 2019 nicht geändert.“

Beruhigend ist das nicht, zumal die Ordnungshüter Berlins über NEA bisher selten geredet haben. Immerhin sei die Berliner Polizei sehr gut vorbereitet, versicherte Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD). Insgesamt sollen rund 5000 Polizisten bei insgesamt 15 angemeldeten Demonstrationen am 1. Mai im Einsatz sein.

Linksextremisten wollen durch Neukölln ziehen

Etwa die Hälfte davon komme zur Unterstützung aus anderen Bundesländern und von der Bundespolizei, wie Spranger bereits am Dienstag betonte. Der Personaleinsatz sei ähnlich wie in den Jahren vor der Pandemie.

„Beim Blick auf die äußeren Gegebenheiten, die aktuellen politischen Konfliktlagen und die Ankündigungen aus dem linksextremen Szenebereich werden wir jede und jeden Einzelnen brauchen“, warnte der GdP-Landesvize Kelm. „Berlin wird sicher sein, auch wenn vielleicht mal irgendwo ein Müllcontainer etwas länger brennt.“

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Immer vorausgesetzt, man hat auch die Linksextremisten aus Pankow im Blick, die sich ganz sicher auch unter die Akteure der „Revolutionären 1.-Mai-Demonstration“ mischen werden. Die Demo wird am 1. Mai nach bisherigen Kenntnissen durch Neukölln ziehen.