Grüne-Spitzenkandidatin Bettina Jarasch gehörte mit ihrer Partei zu den heimlichen Wahlgewinnern. dpa

Die Grünen sind die heimlichen Gewinner der Wahl. Laut den Gewinn- und Verlustrechnungen sind sie die einzige Partei, die sowohl bei der Abstimmung zum Bundestag wie auch bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus die meisten Stimmen dazugewannen.

Bundestags-Wahl: Hier liegen die Grünen mit einem Stimmenzuwachs von +5,9 Prozent im Vergleich zur Wahl 2017 an der Spitze. Der Vorsprung ist aber hauchdünn. Die SPD konnte bei der Bundestagswahl mit +5,2 Prozent zulegen, mit großem Abstand gefolgt von der FDP (+0,8%). Offenbar punkteten Grüne und SPD bei Themen wie Digitalisierung und Umweltschutz vor allem bei jüngeren Wählern. Zu den großen Stimmen-Verlierern zählen CDU/CSU (-8,9%), Linke (-4,3%) und AfD (-4,3%).

Schaut man sich an, wie die Berliner für den neuen Bundestag abstimmten, stellt man fest: Hier liegen die Grünen mit einem gewaltigen Stimmenzuwachs von 9,8 Prozent vorn, gefolgt von SPD (+5,6%) und FDP (+0,1%). Die meisten Stimmen holten die Grünen bundesweit mit 37,6 Prozent in ihrer Hochburg Friedrichshain-Kreuzberg. Herbe Verluste mussten CDU (-6,8%), Linke (-7,3%) und AfD (-3,6%) hinnehmen.

Abgeordnetenhauswahl: Verkehrswende, Klima- und Umweltschutz stehen offenbar auf der Schwerpunktliste vieler Berliner ganz oben. Und damit punkteten die Grünen, konnten bei den Abgeordnetenhauswahlen mit einem Plus von 3,7 Prozent den höchsten Stimmengewinn erzielen. Die Gewinne von CDU (+0,4%) und FDP (+0,5%) sind dagegen recht kümmerlich. Die stärksten Stimmenverluste verzeichnete die AfD (-6,2%).

Woher kommen die Stimmengewinne für die Grünen?

Doch woher kommt der Stimmenzuwachs bei den Grünen? Die Wählerwanderung bei der Abgeordnetenhaus-Wahl zeigt, dass die Berliner Bündnisgrünen mit ihren Themen vor allem bei den Nichtwählern (+36.000 Stimmen) überzeugten. Auch eine große Anzahl von Berlinern, die sonst für Linke (29.000), SPD (27.000) oder CDU (11.000) stimmten, machten bei den Grünen ihr Kreuzchen. Sogar 5000 AfD-Wähler zog es zu der grünen Partei.

Die Wählerwanderung der Grünen dpa/Infratest dimap für ARD

Sogar bei den Berliner Direktmandaten räumten die Grünen ab

Drei der zwölf Berliner Bundestagswahlkreise gewannen die Grünen in Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und Pankow direkt und sorgten dabei für Überraschungen. Denn die Linke verlor ihr traditionelles Direktmandat in Pankow an den grünen Verkehrsexperten Stefan Gelbhaar (25,5%). Der Rechtsexperte Udo Wolf (Linke) erhielt nur 16,2 Prozent der Stimmen, verpasste den Einzug in den Bundestag.

Verkehrsexperte Stefan Gelbhaar (Grüne) punktete überraschend gegen die Linke in Pankow. Imago

Dass auch das Direktmandat in Mitte an die Grünen ging, ist eine Überraschung. Der Wahlkreis ist dicht besiedelt, viele ältere Menschen leben hier. Bisher holte sich stets die SPD das Direktmandat. Bei dieser Wahl gingen aber die meisten Stimmen an die 26-jährige grüne Umweltaktivistin Hanna Steinmüller.

Auch Michael Müller und die CDU gehören zu den Gewinnern der Wahl

Ohne Probleme kann auch der Noch-Regierende Berliner Bürgermeister Michael Müller (SPD) in den Bundestag einziehen. Er gewann in Charlottenburg-Wilmersdorf mit 27,9 Prozent das Direktmandat. In dem gutbürgerlichen Wahlkreis punktet sonst die CDU.

Aber auch die Christdemokraten überraschten: Die sonst so siegreiche Petra Pau verlor ihr Direktmandat ausgerechnet in der einstigen Linke-Hochburg Marzahn-Hellersdorf an den CDU-Politiker Mario Czaja. Dieser konnte als Berliner DRK-Präsident, der damit auch zuständig für das Impfzentrum Arena war, dank seines Einsatzes in der Corona-Krise bei den Wählern punkten. Die Linke konnte nur mit Gregor Gysi in Treptow-Köpenick und mit Gesine Lötzsch in Lichtenberg ihre traditionellen Direktmandate holen.