Eine U-Bahn fährt im U-Bahnhof Jakob-Kaiser-Platz ein. Seit Oktober können Berliner für 29 Euro im Monat mit den Öffis fahren.
Eine U-Bahn fährt im U-Bahnhof Jakob-Kaiser-Platz ein. Seit Oktober können Berliner für 29 Euro im Monat mit den Öffis fahren. dpa/Söder

Erst das 9-Euro-Ticket für ganz Deutschland (Juni bis August 2022), seit Oktober das 29-Euro-Ticket für Berlin: In der Hauptstadt kann man so billig wie nie mit Bus und Bahn fahren. Und das macht anscheinend auch einer ganz besonderen Spezies den Garaus: dem gemeinen Schwarzfahrer. Im vergangenen Jahr wurden viel weniger Nichtzahler in den Öffis angetroffen als im Vergleichszeitraum des Jahres davor.

In der Antwort auf eine kleine Anfrage des Linke-Abgeordneten Sebastian Schüsselburg gibt die Senatsverwaltung für Mobilität die aktuellen Zahlen bekannt. Die BVG teilt mit, dass zwischen dem 1. Januar und dem 30. November 192.108 Fahrgäste ohne gültigen Fahrausweis erwischt wurden, bei der S-Bahn waren es bis 19. Dezember 44.800 Fahrgäste.

Bei BVG und S-Bahn: Es gab über 7 Mio. Fahrscheinkontrollen

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Klingt immer noch viel, ist aber ein deutlicher Rückgang zum Jahr davor. In den jeweils gleichen Zeiträumen gingen da der BVG  272.291 Fahrgäste ohne gültigen Fahrausweis ins Netz, bei der S-Bahn waren es 71.000 Fahrgäste.

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Die Zahl der Kontrollen dürfte in etwa gleich geblieben sein, da sie verkehrsvertraglich festgeschrieben ist. Bei der BVG bis zum 30. November 5,02 Mio. Fahrausweiskontrollen durchgeführt, bei der S-Bahn  waren es bis 19. Dezember 2,2 Mio. Kontrollen.

Schwarzfahrer erwischt: Fahrscheinkontrolle auf dem U-Bahnhof Möckernstraße.
Christian Schulz
Schwarzfahrer erwischt: Fahrscheinkontrolle auf dem U-Bahnhof Möckernstraße.

Zugelegt hat dagegen die Zahl der Abos. Die Spar-Tickets haben Stammkundenzahl stark in die Höhe getrieben. Ursprünglich hatte die BVG in ihrer internen Planung damit gerechnet, dass die Zahl der Abonnenten im vergangenen Jahr allenfalls leicht steigt – von 869.000 auf 890.000. Stattdessen schoss dieser Wert um ein sattes Fünftel in die Höhe und erreichte 1,045 Millionen, berichtet die Berliner Zeitung. Dazu gehörten nicht weniger als 163.000 Abo-Neukunden. Die S-Bahn vermeldet ca. 26.000 Neu-Abonnenten.

BVG: Über 40 Mio. Euro weniger Einnahmen

Weniger Schwarzfahrer, mehr Abonnenten: Das klingt nach mehr Einnahmen. Aber diese Rechnung geht nicht auf.  Natürlich: Je billiger das Ticket, desto geringer die Einnahmen. Allein für die drei Monate im vergangenen Jahr beziffert die BVG das Minus mit 40,7 Millionen Euro. Millionen, die jetzt der Senat nachschießen muss.

Frank Wruck, Vorsitzender des Beirats der Verkehrsunternehmen im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) und Geschäftsführer der Barnimer Busgesellschaft in Eberswalde schlägt Alarm: „Was im Rahmen des Verfahrens nicht erfasst und ausgeglichen werden kann, sind Wanderungen von Kunden“, erklärte er in der Berliner Zeitung.

Ein Beispiel sei, wenn Bewohner des Berliner Umlands bei ihrem Brandenburger Verkehrsunternehmen das Abo für den Tarifbereich ABC kündigen und stattdessen bei der BVG ein 29-Euro-Aboticket kaufen. Damit sparen sie mindestens 52 Euro im Monat – auch wenn sie die Teilstrecke über die Stadtgrenze hinweg nach Berlin dann anders zurücklegen müssen.

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Die Brandenburger Bus- und Straßenbahnbetreiber befürchten, dass weniger Fahrgeld im großen Topf landet – und damit auch weniger Geld bei ihnen ankommt. „Einseitige Festsetzungen zu den Berliner Beförderungstarifen haben Auswirkungen auf das gesamte Tarifgefüge im VBB“, sagt Wruck weiter. „Die damit verbundenen Mindereinnahmen müssen auch von den Brandenburger Partnern im VBB getragen werden können.“