Endlich wieder in ein Museum: Vor dem Gropius Bau warten Berliner sehnsüchtig auf Einlass. Foto: Sabine Gudath

Endlich, das Leben wird in der Hauptstadt wieder lockerer. An diesem Mittwoch, dem ersten Tag, an dem die Corona-Notbremse für Berlin nicht mehr greift. Dank stetig fallender Inzidenzwerte ist seit Mitternacht die Ausgangssperre aufgehoben. So manches, was im wochenlangen Lockdown unmöglich war, wird jetzt Schritt für Schritt möglich. Die Berliner nutzen sofort die neuen Freiheiten, gehen wieder in Museen, treffen sich auf Sportplätzen. Auch das Shoppen ist auf einmal ganz anders.

Es ist, als gebe es plötzlich ein neues Lebensgefühl. Etwa auf dem Alexanderplatz, der auf einmal mit mehr Menschen als sonst gefüllt ist. Man sitzt am Brunnen, sonnt sich und lauscht eine der ersten Kulturveranstaltungen, die nun unter freiem Himmel wieder möglich sind. Eine Straßensängerin, die vor dem Galeria-Kaufhof Opernarien schmettert.

Anna Cassella (20) bereitet die Terrasse vom„ Kaffee Marlene“ in der Kastanienallee für den Start der Außengastronomie vor. Foto: Sabine Gudath

Der Wegfall der Corona-Notbremse macht die Berliner fröhlicher. Wie Anna Cassella (20), die vor dem „Kaffee Marlene“ in der Kastanienallee (Prenzlauer Berg) heiter den Besen schwingt. „Es muss alles vorbereitet sein, wenn wir am Freitag die Außengastronomie wieder öffnen dürfen“, sagt die Angestellte. „So mancher fragt schon, wann es losgeht. Die Kunden sind ungeduldig, können es kaum mehr erwarten, wieder im Freien in einem Straßencafé zu sitzen und einen Kaffee zu trinken.“

Tom Stromberg (55) freut sich, dass nun alle Berliner wieder im Freien Sport treiben können. Foto: Sabine Gudath

Auf das gemeinsame Sporttreiben im Freien muss man nicht erst bis Freitag warten. Schon jetzt geht es, auch wenn die Anzahl der Gruppen auf bis zu zehn Personen noch beschränkt ist. Kein Wunder, dass am Mittwochvormittag die Anlagen im Jahnsportpark voll sind. „Es ist ein Super-Gefühl“, sagt Tom Stromberg (55) vom Verein TSG Break '90, der auf einem Platz gerade Tennis spielt. Die Lockerungen kämen gerade rechtzeitig. „Ich hoffe, dass in zwei Wochen auch wieder die Wettkämpfe starten“, sagt Stromberg.

Kerstin Hesse (48) vom Mode-Geschäft „Maaßen Zehn“ freut sich, dass bald mehr Kundschaft kommt. Foto: Sabine Gudath

Auch beim Shoppen wird es ein wenig lockerer. Denn nun können die Berliner etwa in Mode- oder in Elektroläden auch ohne Termin einkaufen. „Die Kunden sind allerdings noch leicht verunsichert, was nun beim Shoppen gilt“, sagt Kerstin Hesse (48) vom Modeladen „Maaßen Zehn“ an der Schönhauser Allee. „Ich hatte schon viele Anrufer, die fragten, ob sie nun auch noch einen Negativ-Text brauchen und ob auch die Maskenregelung gilt.“

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Das scheinen auch viele Geschäftsleute nicht so genau zu wissen. So sieht man auf der Schönhauser, wie vor einer Boutique mit dem Schild „Ohne Testen und ohne Termin“ geworben wird. Einen Negativtest braucht man für Läden, die nicht Waren des täglichen Bedarfs anbieten, immer noch. Auch die FFP2-Maske muss noch getragen werden. „Ich glaube, in zwei Wochen wird sich alles mit den Lockerungen eingespielt haben“, sagt Geschäftsfrau Hesse. „Wichtig ist, dass mit den ersten kleinen Lockerungen wieder mehr Kunden in die Läden kommen.“

Pauline Schur (li.) und ihre Freundin Christina (beide 28) freuen sich am Martin-Gropius-Bau auf ihren ersten Museumsbesuch seit Monaten. Schon am Vortag haben sie sich das Online-Ticket gebucht und auf das Handy geladen. Foto: Sabine Gudath

Schlange stehen die Berliner vor dem Gropius-Bau, einem der ersten Museen, die am Mittwoch nach der Corona-Zwangspause wieder öffnen. Auch Pauline Schur und ihre Freundin Christine warten mit Onlinetickets und Negativtests auf Einlass in die Schau mit Werken der japanischen Performance-Künstlerin Yayoi Kusama . „Wir machen gerade Urlaub. Dass wir ihn mit einem Museumsbesuch krönen, hätte keiner von uns in diesen Zeiten gedacht.“ Auch nicht an Dampferfahrten auf der Spree. Auch das geht wieder. Nur die Reedereien starten erst ab Freitag in die Saison.

Helmut Richter (37) hat echt Pech. Gerade jetzt, wo der Kulturbetrieb in Berlin anläuft, muss er mit seiner Theatertruppe abreisen. Foto: Sabine Gudath

Ausgerechnet jetzt, wo es mit der Kultur in Berlin wieder losgeht, muss Helmut Richter (37) sein Theater-Zelt am Eingang des Jahnsportparks einpacken. „Wir kamen im Herbst mit unserem Rheinländischen Figurentheater an, spielten einige Tage, bis uns der Lockdown erwischte“, sagt er. Die Truppe überwinterte in Berlin. „Es ist schon ärgerlich. Nun wo in der Stadt das Leben lockerer wird, hätten auch wieder gerne unter freiem Himmel gespielt. Aber es stand schon länger fest, dass unser Platz nun anderweitig genutzt wird und wir weiter ziehen müssen.“ Aber im Sommer will die Truppe wieder kommen. „Wer weiß, was dann alles in Berlin noch möglich ist.“