Ein Schlaganfall-Mobil der Feuerwehr im Einsatz. Es kostet über eine Million Euro und wiegt rund acht Tonnen, weil der Behandlungsraum wegen des Strahlenschutzes mit Blei ausgekleidet ist.
Foto: imago images/Klaus Martin Höfer

Die inzwischen drei Schlaganfall-Spezialfahrzeuge der Feuerwehr haben seit 2011, als das erste in Dienst gestellt wurde, viele Patienten vor schweren Folgen der Krankheit oder gar dem Tod bewahrt. Das ergab eine Untersuchung der Charité.

Die „Stroke-Einsatz-Mobile“ (STEMO) machen es möglich, Menschen bei einem Schlaganfall schon am Einsatzort und nicht erst im Krankenhaus zu behandeln. Mit einem Neurologen, einem Rettungssanitäter und einem Radiologie-Assistenten besetzt, verfügen sie über einen Computertomographen, der sofort einen Blick ins Gehirn erlaubt. Die Daten werden auch in das Krankenhaus geschickt, das anschließend angesteuert wird.

„In unserer Studie konnten wir belegen, dass Schlaganfall-Betroffene, zu deren Rettung das STEMO losgeschickt wurde, häufiger überlebten und seltener eine Behinderung davontrugen“, sagt der Schlaganfall-Spezialist Prof. Dr. Heinrich Audebert. „Bei ihnen war – im Vergleich zu den im normalen Rettungsdienst behandelten Patientinnen und Patienten – das relative Risiko, nach drei Monaten durch schwerere Behinderungen eingeschränkt zu sein, um 29 Prozent geringer.“

Für die Studie wurden Schlaganfall-Notfälle betrachtet, die sich zwischen Februar 2017 und Mai 2019 in Berlin ereigneten und auf ein Blutgerinnsel im Gehirn zurückzuführen waren (Schlaganfälle können auch durch geplatzte Adern entstehen). War im Einsatzgebiet ein STEMO verfügbar, wurde es zusätzlich zum Rettungsdienst alarmiert und ermöglichte eine Behandlung vor Ort.

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Die STEMO-Entsendung erfolgte laut Charité bei 749 der insgesamt 1.543 Patientinnen und Patienten, deren Daten in der Studie ausgewertet wurden (49 Prozent). War zum Zeitpunkt des Notrufs kein STEMO abkömmlich, schickte die Einsatzzentrale ausschließlich den konventionellen Rettungsdienst, der die betroffene Person in ein spezialisiertes Krankenhaus brachte. Das war bei 794 Patientinnen und Patienten (51 Prozent) der Fall. Drei Monate nach dem Notfall untersuchte die Forschungsgruppe in einem standardisierten Verfahren, ob und mit welchen neurologischen Einschränkungen die Betroffenen überlebt hatten.

Im STEMO kann der Kopf des Patienten schnell im Computertomographen durchleuchtet werden, um gegebenenfalls sofort einen Schlaganfall zu erkennen.
Foto: Thomas Lebie

In der STEMO-Gruppe erhielten mehr Patienten eine sogenannte Lyse-Therapie (60 statt 48 Prozent), mit der Gerinnsel medikamentös aufgelöst werden können, diese Behandlung wurde zudem durchschnittlich 20 Minuten früher verabreicht. Rückte ein STEMO aus, verstarben rund sieben Prozent der Betroffenen, zwei Prozentpunkte weniger als bei konventioneller Versorgung durch den Rettungsdienst. Gleichzeitig berichteten in der STEMO-Gruppe rund 51 Prozent der Betroffenen, von ihrem Schlaganfall keine Alltagseinschränkungen davongetragen zu haben. In der Kontrollgruppe waren es laut Charité nur rund 42 Prozent.  

Mit der Studie versucht die Charité auch, Kritikern des STEMO-Konzepts den Wind aus den Segeln zu nehmen: Die Fahrzeuge, jeweils über eine Million Euro teuer, brächten in Berlin angesichts der hohen Dichte von schnell erreichbaren, spezialisierten Schlaganfall-Stationen keinen echten Mehrwert für die Patienten.

Bei der Behandlung eines Schlaganfalls kommt es auf Geschwindigkeit an: Unbehandelt sterben pro Minute sonst knapp zwei  Millionen Nervenzellen ab, weil sie von der Sauerstoff-Zufuhr durch das Blut abgeschnitten sind.  Deshalb raten Mediziner dringend, dass bei Verdacht auf Schlaganfall schnellstens die „112“ gewählt wird, um Hilfe zu holen. Schlaganfälle können sich durch Sprach-  und Verständnisschwierigkeiten, Schwindel, Gangunsicherheit, Lähmungserscheinungen oder heftigen Kopfschmerzen bemerkbar machen.