Die Die Deutsche Bahn verlängert ihre Intercity-Verbindung zwischen Warnemünde und Dresden bis nach Chemnitz. Imago/Hohlfeld

16 Jahre lang hat die Deutsche Bahn tief und fest geschlafen. Man glaubt es kaum: So lange gab es keine direkte Zugverbindung von Berlin in das drei Stunden entfernte Chemnitz. Das soll sich ab Juni ändern: Die Deutsche Bahn verlängert ihre Intercity-Verbindung zwischen Warnemünde und Dresden bis nach Chemnitz, wie der Verkehrsverbund Mittelsachsen verkündete. Das sächsische Wirtschaftsministerium finanziert den Anschluss.

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Bahn-Kunden können demnach ab dem 12. Juni zweimal täglich – jeweils um 6.26 Uhr und 8.26 Uhr – ohne umzusteigen nach Berlin fahren. Der doppelstöckige IC braucht den Angaben zufolge zweieinhalb Stunden zum Flughafen BER, bis zum Berliner Hauptbahnhof sind drei Stunden Fahrt geplant. Damit verändert sich die Fahrzeit nach Berlin nicht wesentlich im Vergleich zum aktuellen Fahrplan. Zurzeit brauchen Fahrgäste ebenfalls drei Stunden bis zum Hauptbahnhof, sie müssen allerdings beim Umstieg in Leipzig eine Dreiviertelstunde warten.

In jeder Richtung gibt es zwei direkte Verbindungen zwischen Berlin und Chemnitz

In die Gegenrichtung Berlin nach Chemnitz sind ebenfalls zwei Direktverbindungen geplant. Sie sollen Sachsens drittgrößte Stadt abends gegen 19.30 Uhr und 21.30 Uhr erreichen. Von der neuen Verbindung profitiert auch Freiberg, wo der IC einen Halt einlegt.

Die schlechte Zuganbindung von Chemnitz ist seit langem ein Ärgernis. Seit 16 Jahren halten keine Fernzüge mehr in der Stadt mit knapp 244.000 Einwohnern. Auch mit Blick auf 2025, wenn Chemnitz als Kulturhauptstadt Europas internationale Gäste erwartet, gilt das als großes Manko.

Das Land und der Verkehrsverbund Mittelsachsen hatten deswegen eine Finanzierungsvereinbarung unterzeichnet, wonach ab diesem Sommer Fernzüge zwischen Berlin und dem Flughafen BER nach Chemnitz rollen sollen. Den Angaben zufolge kostet die Verbindung jährlich rund 2,5 Millionen Euro. Der Vertrag läuft über sechseinhalb Jahre mit Option auf jährliche Verlängerungen bis Juni 2032.

Direktverbindung auch zum BER

Der Chemnitzer Oberbürgermeister Sven Schulze (SPD) nannte es einen Grund zum Feiern, dass Chemnitz wieder auf der Landkarte der Deutschen Bahn erscheine. Es sei aber kein Grund zum Ausruhen: „Trotz der Bedeutung kann dies nur ein erster Schritt sein. Wer die Bahn als attraktives und ökologisches Verkehrsmittel etablieren möchte, braucht weitere Verbindungen über Leipzig in den Westen und auch in den Süden Deutschlands.“

Der Fahrgastverband Pro Bahn bemängelte, dass die Verbindung nach Berlin sogar einige Minuten länger brauche als die bestehende. „Es wird ein paar Kunden geben, die den Zug nutzen, vor allem zum Flughafen BER“, sagte der stellvertretende Bundesvorsitzende Lukas Iffländer. Voll ausgelastet würden die Züge jedoch voraussichtlich nicht. „Wir sehen die Gefahr, dass es dann heißt, Chemnitz brauche den Fernbahn-Anschluss nicht.“

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Unklar ist laut VMS-Angaben derzeit noch, ob für die IC-Verbindung Regionalbahnen zwischen Chemnitz und Dresden gestrichen werden. Aus Sicht der Bahninitiative Chemnitz wäre das eine Verschlechterung für die Menschen in Zwickau und Plauen. „Sie wären dann abgekoppelt von einer direkten Verbindung nach Dresden und müssten in Chemnitz umsteigen“, sagte der Sprecher Sebastian Drechsler.