Blick aus einem Hochhaus auf die Straße Alt-Friedrichsfelde in Lichtenberg .
Blick aus einem Hochhaus auf die Straße Alt-Friedrichsfelde in Lichtenberg . Jens Kalaene/dpa

Der Deutsche Mieterbund und die Baugewerkschaft IG BAU haben vor drastischen Verwerfungen am deutschen Wohnungsmarkt gewarnt. „So laut wie jetzt haben die Alarmglocken des Wohnungsmangels lange nicht mehr geschrillt: Die Situation auf dem Wohnungsmarkt wird immer dramatischer“, sagte Mieterbundpräsident Lukas Siebenkotten den Zeitungen der „Funke Mediengruppe“ (Donnerstag).

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„Vor allem beim Angebot an geförderten bezahlbaren Wohnungen werden wir einen heftigen Einbruch erleben“. Bund und Länder müssten das Ruder jetzt herumreißen. „Oder wir erleben ein ungeahntes Desaster auf dem Wohnungsmarkt“, so Siebenkotten weiter.

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Wohnungsmangel so schlimm wie seit 30 Jahren nicht 

Laut einer aktuellen Studie, aus der die Funke-Blätter zitieren, ist der Wohnungsmangel in Deutschland so hoch wie seit 30 Jahren nicht mehr. Bundesweit habe das Wohnungsdefizit zum Jahresende 2022 die Größe von rund 700.000 Wohnungen erreicht, heißt es demnach in der Studie des Hannoveraner Pestel-Instituts sowie des schleswig-holsteinischen Instituts Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen Kiel (Arge). Dies sei „mehr als die doppelte Jahresproduktion an Wohnungen“.

 Lukas Siebenkotten, Direktor des Deutschen Mieterbundes (DMB).
 Lukas Siebenkotten, Direktor des Deutschen Mieterbundes (DMB). Christoph Soeder/dpa

Die starke Zuwanderung, insbesondere von Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine, hat zuletzt für Druck auf den Immobilienmarkt in Deutschland gesorgt, wo Wohnraum ohnehin knapp ist. Zudem stockt der Wohnungsbau, weil sich viele Menschen das Bauen angesichts gestiegener Zinsen und teurer Materialien nicht mehr leisten können. Bundesbauministerin Klara Geywitz hat bereits eingeräumt, dass die Ampel-Koalition ihr Ziel von 400 000 neuen Wohnungen im Jahr verfehlen wird.

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Wohnungsbau als Schlüssel für funktionierende Wirtschaft 

Harald Schaum, stellvertretender Bundesvorsitzender der IG BAU, sprach angesichts des Wohnraummangels von einem Konflikt hinsichtlich der Fachkräftestrategie der Bundesregierung. „Wohnen und Arbeiten – das gehört zusammen. Keiner wird kommen, wenn er hier nicht oder nur zu horrend hohen Mieten wohnen kann“, sagte Schaum den Funke-Zeitungen. „Es gibt ein gewaltiges Dilemma: Der Wohnungsbau ist ein ganz wesentlicher Schlüssel für die Beschäftigungssituation und damit für das Funktionieren der Wirtschaft in Deutschland.“

Das  Bündnis aus Mieterbund, Baugewerkschaft sowie Sozial- und Branchenverbänden fordert angesichts der Wohnungskrise ein Sondervermögen in Höhe von 50 Milliarden Euro für den sozialen Wohnungsbau. Mit den Mitteln solle der zu erwartende „Kollaps auf dem sozialen Wohnungsmarkt“ abgewendet werden, teilte die Initiative am Donnerstag mit. Rund drei Viertel der Summe sollte der Bund aufbringen, den Rest die Länder. „Und das möglichst rasch“, hieß es.