Ursula (76) und Jürgen (79) Sander harken schon emsig. Foto: Sabine Gudath

Harke, Spaten, Heckenschere – in Berlins Lauben-Paradiesen geht die arbeitsreiche Zeit wieder los. Kein Wunder: Der Frühling nahm in der vergehenden Woche auch Berlin immer mehr ein, die Temperaturanzeige kletterte in für den Februar ungewöhnliche Höhen. Das zog auch die Hobby-Gärtner nach draußen. KURIER sah sich in der Kleingartenanlage Wuhlheide-Lichtenberg um – und stieß auf Datschen-Fans im Arbeitsrausch!

Die Sonne scheint, die Temperatur lässt schon das Rackern im T-Shirt zu – und noch immer ist Lockdown – kein Wunder, dass es nicht lange dauert, bis die ersten arbeitenden Kleingärtner gefunden sind! Überall wird gehämmert, geharkt, gebuddelt. Nur pflanzen will momentan noch niemand. „Es ist ja Februar – es kann natürlich immer sein, dass es noch mal kalt wird“, sagt Kurt Müller (83).

Das Laubengrundstück ist seit 46 Jahren in Familienbesitz

Und trotzdem laufen in seinem Garten inmitten der idyllischen Kleingartenanlage Wuhlheide-Lichtenberg, gelegen zwischen Karlshorst und Biesdorf, die Vorbereitungen auf Hochtouren. Seit 46 Jahren ist sein Laubengrundstück in Familienbesitz, seine Mutter gehörte zu den ersten Pächtern auf der Anlage. Müller übernahm die Parzelle später von ihr. „Ich bin für den Rasen zuständig, die Rosen und die Tulpen, habe auch schon das Laub geharkt“, sagt er. „Und meine Lebenspartnerin hat die ersten Beete umgegraben.“

Karin Nawrocki (79) und Kurt Müller (83) graben Beete um. Foto: Sabine Gudath

Tatsächlich greift Katrin Nawrocki (79) nach einer kurzen Ruhepause auf der Gartenbank wieder zum Spaten. „Wir pflanzen jedes Jahr Tomaten, Gurken, Kartoffeln, Kürbisse, Kohlrabi, Petersilie, Dill und Bohnen – alles, was man sich vorstellen kann“, sagt sie. „Gemüse müssen wir gar keins kaufen.“ Dass der Frühling beginnt, freut die beiden umso mehr. „Es fliegen sogar schon die Zitronenfalter herum. Und wir freuen uns schon jetzt auf unsere Grillabende“, sagt Müller.

Bei Marian wachsen Kirschen, Bohnen, Kartoffeln und Tomaten

Gärtner Marian (63) hat ebenfalls eine Parzelle in der Anlage, teilt sie sich mit der Familie. „Das Grundstück gehörte mal meinen Schwiegereltern, sie gehörten zu den ersten Gärtnern auf dem Gelände“, sagt er. „Früher waren hier Spargelfelder – und noch heute finden wir beim Umgraben manchmal Spargelpflanzen.“ Heute werden hauptsächlich Kirschen, Bohnen, Kartoffeln, Kürbisse, Erdbeeren und Tomaten geerntet – und der Berliner kümmert sich um seinen Komposthaufen. „Für den wurde ich sogar schon ausgezeichnet.“

Ron (55) stutzt auf seinem Grundstück in der Kleingartenanlage Wuhlheide-Lichtenberg schon die Bäume. Foto: Sabine Gudath

Auch um die Ecke wird bereits fleißig geackert – bei den Sanders. „Wir bringen alles in Ordnung, auch wenn der Garten gar nicht uns gehört, sondern unseren Kindern“, sagt Ursula Sander (76). „Früher hatten wir mal ein eigenes Lauben-Grundstück in Hohenschönhausen, aber das haben wir aus Altersgründen aufgegeben, deshalb bereiten wir jetzt hier alles für den Sommer vor.“

Schnipp! Marian (63) schneidet die Hecke. Foto: Sabine Gudath

Der gemeinsame Sohn hat das Grundstück an der Wuhlheide seit 17 Jahren – und wie in jedem Jahr müssen jetzt Bäume verschnitten und Beete vorbereitet werden. Jürgen Sander (79) harkt gerade das Laub. „Spätestens Ostern wollen wir hier sitzen mit der ganzen Familie“, sagt er. Und im Laufe des Jahres sollen dann Bohnen, Kirschen und Äpfel wachsen. Doch die Pflanzen schon auszusetzen – das trauen sich die Hobby-Gärtner nicht.

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Dabei sieht es gut aus für Berlins Laubenpieper: Am Wochenende sollte es laut Wetterprognosen noch etwas frostig werden, doch diese Woche rauscht erneut viel warme Luft aus afrikanischer Richtung über Spanien und Frankreich nach Deutschland. Ergebnis: Es gibt einen neuen „Wärme-Berg“, der am Mittwoch seinen Höhepunkt erreicht, sagt Wetter-Experte Dominik Jung von wetter.net. Bis zu 15 Grad sollen es dann werden. Dass es noch einen Wintereinbruch gibt, sei nicht ausgeschlossen, aber zumindest für die ersten beiden Märzwochen nicht zu erkennen.