Nach einer angekündigten Preiserhöhung lohnt sich oft ein Tarifwechsel.
Nach einer angekündigten Preiserhöhung lohnt sich oft ein Tarifwechsel. dpa/Hirschberger

Die Strompreise schnellen immer weiter nach oben. In Deutschland flattern weiterhin Ankündigungen zur Erhöhung der Strompreise zum Jahreswechsel ins Haus. Wie Check24 mitteilt, zählte das Portal 608 Preiserhöhungen bei den Tarifen der Stromgrundversorgung. Das Plus beträgt im Schnitt 60,5 Prozent, die Mehrkosten für einen Musterhaushalt liegen im Schnitt bei 960 Euro. Viele fragen sich jetzt: Lohnt sich ein Wechsel des Tarifes? KURIER beantwortet die wichtigsten Fragen.

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Was kostet Strom zurzeit in Berlin?

Der Strompreis für Neuabschlüsse in der Grundversorgung liegt laut stromauskunft.de beim Anbieter Vattenfall Europe Sales GmbH (Berlin Basis Privatstrom) bei 0,36 Euro pro kWh. Beim günstigsten Stromanbieter außerhalb der Grundversorgung (Stromanbieter Vattenfall Sales, Stromtarif Natur12 Strom) beträgt der Strompreis für Neuverträge 0,43 Euro pro kWh. 
Stand: 28.11.2022, Grundlage der Berechnung ist ein Verbrauch von 3500 kWh, die Grundgebühren wurden verrechnet.

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Kann ich in die Grundversorgung wechseln?

Ja, selbst dann, wenn Sie bei Ihrem vorherigen Anbieter selbst gekündigt haben. „Vattenfall versteckt seinen Grundversorgungstarif sehr gut auf seiner Website“, erklärt Benjamin Weigl von finanztip.de. Lösung: Auf der Seite für Strom die PLZ und den Verbrauch eingeben, Tarife berechnen lassen – und dann ganz nach unten scrollen.

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Unter dem letzten angezeigten Stromtarif gibt es einen Button „Weitere Tarife anzeigen“ – dann erscheint der Tarif „Berlin Basis Privatstrom“, die Grundversorgung. Allerdings lässt er sich nicht über die Website abschließen. Im Normalfall reicht eine schriftliche Nachricht an den Anbieter, dass man ab Tag X in den Grundversorgungstarif wechseln möchte.

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Viele Haushalte haben jüngst Mitteilungen über Preiserhöhungen ihrer Stromversorger erreicht – mit teils drastischen Anhebungen.
Viele Haushalte haben jüngst Mitteilungen über Preiserhöhungen ihrer Stromversorger erreicht – mit teils drastischen Anhebungen. dpa/Gollnow

Lohnt es sich, in die Grundversorgung zu wechseln?

„Kunden außerhalb der Grundversorgung sollten bei Preiserhöhungen sogar in Erwägung ziehen, vom Sonderkündigungsrecht Gebrauch zu machen und sich in die Grundversorgung fallen zu lassen“, rät Udo Sieverding, Energieexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Zurzeit ist dieser Tarif auch in Berlin noch viel billiger. Noch. Denn zum 1. Februar erhöhen sich die Preise in der Grundversorgung. Vattenfall langt kräftig zu und erhöht die Preise in der Grundversorgung von 33,12 Cent pro Kilowattstunde auf 41,41 Cent. Dazu kommt, dass auch der monatliche Grundpreis von 7,49 auf 9,50 Euro klettert. Das entspreche insgesamt einer Steigerung von 25 Prozent, so Vattenfall.

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Sollte ich den Tarif bei einer Preiserhöhung wechseln?

Vergleichen Sie auf jeden Fall das Geld, das Sie zahlen müssen, mit alternativen Anbietern. Die finden Sie auf Tarifrechnern wie Verivox, Check24 oder stromauskunft.de. Die durchschnittliche Ersparnis bei einem Anbieterwechsel in Berlin beträgt aktuell laut stromauskunft.de 253,15 EUR inklusive Bonuszahlungen für Neukunden (bei einem Verbrauch von 3500 kWh).

Wer sind aktuell die günstigsten Stromanbieter in Berlin?

Der günstigste Anbieter außerhalb der Grundversorgung ist laut stromauskunft.de Vattenfall Sales mit dem Stromtarif Natur12 Strom. Dort kostet Strom für Neukunden mit einem Jahresverbrauch von 3500 kWh 1510,75 EUR im ersten Jahr oder umgerechnet 0,43 Euro pro kWh – inkl. 45 Euro Sofortbonus, 272 Euro Neukundenbonus, zwölfmonatiger Preisgarantie sowie einer Vertragslaufzeit von einem Jahr.

Dahinter folgen Fuxx mit dem Tarif Spar-Fuxx optimal (1527,41 Euro pro Jahr), eprimo mit dem Tarif eprimoStrom PrimaKlima (1608,26 Euro), goldgas mit dem Tarif goldgas natürlich12 Strom (1612,73 Euro) und ElVeBe mit dem Tarif Elektrizität Berlin (1617,36 Euro). Dass sich ein Wechsel lohnen kann, sieht man daran, dass es auch Tarife in Berlin gibt, für die man 2680 Euro und mehr pro Jahr zahlt.

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Was bringt mir die Strompreisbremse?

Die Belastungen durch die hohen Strompreise soll die Strompreisbremse dämpfen, die am Freitag vom Bundeskabinett beschlossen wurde. Dabei soll bei Haushalten und kleineren Unternehmen für 80 Prozent des Vorjahresverbrauchs der Preis gedeckelt werden, und zwar auf 40 Cent je Kilowattstunde. Verbraucht der Kunde mehr, zahlt er den normalen Vertragspreis. Dies soll einen Sparanreiz geben. Die Versorger sollen die Strompreisbremse ab März in den Abschlägen berücksichtigen. Rückwirkend soll die Bremse dann auch für Januar und Februar gelten. Der Gesetzentwurf geht nun in die parlamentarische Beratung.

Verbraucherschützer Udo Sieverding befürchtet auch Missbrauch. „Wir schließen nicht aus, dass das ein oder andere Unternehmen die Preisbremsen auch nutzt, um mehr zu erhöhen als unbedingt nötig.“ Zwar gebe es das Missverbrauchsverbot im Gesetzentwurf. „Aber wer soll das ernsthaft überprüfen? Und außerdem konnten die Anbieter ja nun schon zum Januar erhöhen, bevor das Gesetz in Kraft tritt.“

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Und wie geht es mit den Strompreisen weiter?

Der Strommarkt-Experte Mirko Schlossarczyk vom Beratungsunternehmen Enervis geht nicht davon aus, dass die Strompreise für Haushalte in den kommenden Jahren wieder auf das Niveau vor dem Ukraine-Krieg sinken werden. Er rechnet damit, dass die Verbraucherpreise 2023 und 2024 im Schnitt deutlich über 40 Cent je Kilowattstunde brutto betragen werden. Auch in den Jahren danach würden 40 Cent wohl nicht unterschritten, vereinzelt seien sogar 50 Cent möglich, sagt er.