Der rasende Rotschopf muss pusten.  Foto: Morris Pudwell

Eine Frau in Rot fährt blau Auto. Sie sitzt mit Cola-Rum im Blut auf einem roten Sitz hinter dem Lenkrad ihres silbergrauen Cabrios und hält mehr als eine Stunde mehrere Streifenbesatzungen der Polizei aus Treptow-Köpenick in Atem. Sie wollen die Frau stoppen. Sie hält aber nicht an und entwischt den Beamten, die sich am Anfang schwarz ärgern und gelb vor Neid wegen ihres Erfolgs sind. Schließlich verliert die Frau die Verfolgungsfahrt – und ihren Führerschein vorerst auch.

Aber von vorn: Gegen Mitternacht meldet sich ein Autofahrer über den Notruf 110 bei der Polizei und berichtet von einem silbergrauen Auto, das auffällig unterwegs ist. Es fahre in Schlängellinien und dazu noch äußerst holprig, so der Zeuge. Am Steuer, so der Mann, sitze eine Frau mit rotem Haar. Eine Streife des Abschnitts 66 macht sich auf den Weg.

In der Oberspreestraße entdecken die Polizisten das Auto und wollen es stoppen. Das misslingt. Die Frau ist schneller. Die Beamten bitten Kollegen um Mithilfe. Gemeinsam versuchen sie, das Fluchtauto einzukeilen. Doch die Frau schlüpft durch die kleinste Lücke. An der Südostallee verlässt sie kurz das Glück. Mehrere Streifenwagen stoppen das Cabrio und klemmen es ein. Die Polizisten ziehen ihre Pistolen und versuchen, die Fahrerin von ihrem roten Sitz zu ziehen. Das klappt aber nicht so recht.

Raserin reagiert nicht auf Anweisungen

Die Türen hat die Frau verriegelt. Sie reagiert nicht auf die Anweisungen der Polizisten. Auch die Seitenscheiben des Renaults bleiben trotz aller Versuche der Beamten, sie einzuschlagen, zunächst heil. Die Frau lässt nicht mit sich reden. In einem günstigen Moment gibt sie Gas und rast in Richtung Stadtautobahn davon. Die erreicht sie aber nicht, weil die Polizei ihr an den Auffahrten den Weg versperrt. Sie wird gestellt und schließlich aus dem Auto geholt und gefesselt.

Jetzt wird auch klar, dass die Frau nicht nur bei der Haarpracht voll auf Rot steht. Sie trägt eine weinrote Hose, knöchelhohe Stiefeletten in derselben Farbe, ihre Lippen sind rot geschminkt. Die Fingernägel rot lackiert. Sie verstehe die ganze Aufregung nicht, sagt die Frau den Beamten, kurz bevor sie pusten muss. Erst beim dritten Versuch gelingt eine Messung. In ihrem Atem werden 1,5 Promille festgestellt. Die Polizisten konfiszieren eine leere Rum-Flasche, die auf dem Beifahrersitz des Autos liegt, und mehrere leere Cola-Dosen. Dann kommt die Fahrerin zur Befragung in Gewahrsam. Rot vor Scham ist sie nicht geworden.