Fünf Tage ist die S-Bahn vom Streik betroffen. Imago/Snapshot

Der dritte Streik im laufenden Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn wird mehr als fünf Tage dauern. Im Personenverkehr sollen von diesem Donnerstag, 2 Uhr, bis Dienstag kommender Woche, 2 Uhr, Züge stillstehen. Im Güterverkehr hat die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) bereits seit Mittwoch um 17 Uhr zum Arbeitskampf aufgerufen. Hat GDL-Chef Claus Weselsky überzogen?

Es gibt viele kritische Reaktionen. Vielen Fahrgästen reiße der Geduldsfaden, so der Fahrgastverband Pro Bahn. „Gerade jetzt, wo viele nach längerer pandemiebedingter Unterbrechung wieder zur Bahn zurückfinden wollen, erzeugt die Auseinandersetzung bei vielen nur noch Unverständnis“, sagt Lukas Iffländer, stellvertretender Bundesvorsitzender. Durch die lange Streikdauer werde es für viele Fahrgäste nicht möglich sein, auf andere Reisetage auszuweichen.

Berliner Fahrgastverband fordert Entschädigung für Stammkunden mit Monatskarten

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Jens Wieseke vom Berliner Fahrgastverband IGEB forderte die Verantwortlichen dazu auf, über eine Entschädigung für Stammfahrgäste nachzudenken. „Wenn der Streik immer länger dauert, müsste man langsam über Entschädigungszahlungen für Fahrgäste mit Monatskarten nachdenken“, sagte er dem KURIER.

„Die angekündigte Dauer des Streiks empfinde ich als unverhältnismäßig“, sagte der Berliner SPD-Politiker Tino Schopf. „Das Angebot der Bahn und die Forderungen der GDL liegen aus meiner Sicht nicht so weit auseinander, als dass es für beide Seiten keine gesichtswahrende Lösung gäbe.“ In einer Zeit, in der der öffentliche Verkehr langsam durch Corona zerstörtes Vertrauen wiedergewinnt, sei der lange Streik fatal. „Denn was wird passieren? Die Menschen werden erneut auf ihr Auto zurückgreifen. Alles andere als begrüßenswert", so der Politiker zum KURIER.

„Wenn schon gestreikt werden muss, empfinde ich den neuerlichen Ausstand von fünf Tagen als zu lange“, sagte Oliver Friederici, verkehrspolitischer Sprecher der Berliner CDU-Fraktion, am Dienstag dem Berliner KURIER. „Denn es wird bedeuten, dass die Menschen, die auf den ÖPNV in Berlin und Brandenburg angewiesen sind, sich in vollere BVG-Fahrzeuge begeben müssen. Damit steigt für alle die Corona-Ansteckungsgefahr.“ Vor allem für Pendler von und nach Brandenburg erwartet Friederici wieder besonders negative Auswirkungen. „Sie werden auf das Auto ausweichen, andere Mobilitätsformen sind schwierig, da der Radverkehr keine Alternative aus Brandenburg in die Innenstadt darstellen wird.“

Viele Berliner fragen sich jetzt: Wie komme ich trotz des Streiks ans Ziel? Na, klar, die BVG fährt noch. S-Bahn und Regioverkehr bieten aber nur ein eingeschränktes Angebot.

Weil ein Teil des Fahrpersonals trotz des Streikaufrufs zum Dienst kam, konnte das DB-Tochterunternehmen während der ersten beiden Arbeitskämpfe mehr als ein Drittel des Verkehrs sicherstellen. Bei der S-Bahn geht man davon aus, dass dies auch während des jetzigen Streiks, der von Donnerstag 2 Uhr bis Dienstag 2 Uhr dauert, der Fall sein wird. Wieder gibt es Ersatzfahrpläne, die für einen großen Teil des S-Bahn-Netzes tagsüber einen 20-Minuten-Takt vorsehen. Allerdings wird es erneut Linien geben, die komplett ausfallen. Dabei handelt es sich um die Ringlinien S41 und S42 sowie die S45, S47 und S75. Teile der Ringbahn sind damit während des Streiks ohne S-Bahn-Verkehr. Auch nach Spandau, Wartenberg, Spindlersfeld sowie zwischen Westkreuz und Nikolassee fahren keine S-Bahnen. Achtung: Bei diesem Streik gilt am Wochenende wegen Bauarbeiten ein anderer Streikfahrplan, der für einige Streckenabschnitte Schienenersatzverkehr vorsieht.

S-Bahn-Streikfahrplan  am Donnerstag, Freitag und Montag

Die Linie S1 verkehrt zwischen Potsdam, Wannsee und Oranienburg. Auf der Linie S2 rollen Züge zwischen Blankenfelde und Lichtenrade sowie zwischen Lichtenrade und Bernau. Die S25 fährt zwischen Teltow Stadt und Hennigsdorf. Die S3 verbindet Erkner mit dem Ostbahnhof. Die S46 wird ebenfalls verkürzt, sie pendelt zwischen Königs Wusterhausen und Schöneberg. Die S5 bedient die Strecke Strausberg Nord–Charlottenburg. Die S7 fährt Ahrensfelde–Friedrichstraße. Die S8 beschränkt sich auf Birkenwerder–Schönhauser Allee. Die S9 schließt sich an. Sie rollt zwischen Pankow, Ostkreuz und dem Flughafen BER.

S-Bahn-Streikfahrplan am Sonnabend und Sonntag

Die Züge der Linie S1 verbinden auch am Wochenende Potsdam, Wannsee und Oranienburg. Weil aber zwischen Gesundbrunnen und Waidmannslust gebaut wird, leitet die S-Bahn die S1 über Pankow und Blankenburg um. Um Frohnau und andere Stationen im Norden Berlins anzuschließen, gibt es am Wochenende einen zweiten S1-Ast, der Birkenwerder und Waidmannslust verbindet. Auf der Linie S2 rollen Züge zwischen Blankenfelde und Lichtenrade sowie zwischen Lichtenrade und Bernau. Wegen Bauarbeiten verkehrt die S25 nur zwischen Teltow Stadt und Gesundbrunnen. Die S3 verbindet Erkner mit dem Ostbahnhof. Die S46 pendelt zwischen Königs Wusterhausen und Schöneberg. Weil auch im Osten Berlins gebaut wird, beschränkt sich die S5 am Wochenende auf die Teilstrecke zwischen Strausberg Nord und Wuhletal. Von dort fährt die U5 in die Stadt. Der zweite Teil der Linie S5 sichert den Zugbetrieb zwischen Ost- und Westkreuz. Auch die S7 ist betroffen. Sie wird ebenfalls geteilt. Im Nordosten fahren die Züge zwischen Ahrensfelde und Springpfuhl. In Lichtenberg setzt die S7 wieder ein und verkehrt von dort bis Friedrichstraße. Die S9 verkehrt zwischen Pankow, Ostkreuz und dem Flughafen BER.

Regionalzugverkehr

Für neun stark frequentierte Regionalverkehrslinien hat die DB einen Ersatzfahrplan vorbereitet, der einen reduzierten Zug- oder Busverkehr vorsieht – zum Teil nur auf Teilstrecken. Dazu gehören die Linien RE1, RE3, RE5, RE6, RE7 und RB24. Auf mehr als einem Dutzend Linien wird es dagegen keinen Verkehr geben. So fällt der Flughafen-Express (FEX) zum BER aus. Das gilt auch für die Züge auf den Linien RB10/14, RB13, RB20, RB21, RB 55 und RE/RB 66.

Fernverkehr

Im ICE- und Intercityverkehr wird das bundesweite Angebot auf rund ein Viertel reduziert. Priorität haben die besonders stark genutzten Verbindungen, so zwischen Berlin und der Rhein-/Ruhr-Region, zwischen Hamburg und Frankfurt (Main) sowie die Anbindung wichtiger Bahnhöfe und Flughäfen.