Einkaufszentren wie das Eastgate müssen wohl bald schließen. Foto: imago images

Derzeit bleibt zu hoffen, dass jeder genug Puzzles, Bücher und andere Beschäftigungsmöglichkeiten zu Hause hat – denn Deutschland rückt immer näher an den vollständigen Shutdown! Seit diesen Montag gibt es ein neues Maßnahmenpaket von Bund und Ländern gegen das Coronavirus.„Das sind Maßnahmen, die es so in unserem Lande noch nicht gegeben hat“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

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Auch für Berlin gilt: Tritt es in Kraft, wird die Stadt nicht mehr dieselbe sein. Denn dann liegt ein weiteres Stück des öffentlichen Lebens lahm. So sollen Freizeit- und Tierparks, Fitnessstudios, Volkshochschulen, Musikschulen und zahlreiche Verkaufsstellen des Einzelhandels schließen.

Nach einer Krisensitzung im Roten Rathaus am späten Montagabend sagte Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer beim Handelsverband Berlin-Brandenburg, dem Berliner KURIER: „Morgen werden wir unsere normalen Öffnungszeiten einhalten können, davon gehen wir fest aus.“ Man rechne damit, dass die neuen Leitlinien am Mittwoch, spätestens aber am Donnerstag, umgesetzt würden.

Wochenmärkte und Frisöre haben geöffnet

Zudem gibt es Empfehlungen, mit deren Hilfe Zusammenkünfte von Menschen vermieden werden sollen. Dazu gehört ein Verbot aller Gottesdienste in Kirchen, Moscheen und Synagogen. Vereinstreffen darf es nicht mehr geben. Restaurants, Mensen und Gasthäuser dürfen nur unter Berücksichtigung von Besucherzahlen, Tischabständen und Hygienemaßnahmen von 6 bis 18 Uhr öffnen.

Menschen, die sich in Risikogebieten aufgehalten haben, soll es verboten sein, Unis, Schulen und Kindergärten zu betreten. Auch Spielplätze sollen dichtgemacht werden. Es sei schließlich sinnlos, eine Schule zu schließen, wenn sich die gleichen Schüler dann woanders träfen, so die Kanzlerin.

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Der Beschluss sieht weiterhin vor, dass Übernachtungsangebote nur noch zu „notwendigen und ausdrücklich nicht zu touristischen Zwecken“ genutzt werden sollen. Von Reisen ins Ausland riet Merkel ebenso ab.

Geöffnet bleiben sollen nur Lebens- und Futtermittelhandlungen, Apotheken, Drogerien, Tankstellen, Banken, Postfilialen und Zeitungsläden – das dann auch am Sonntag. Ebenso offen bleiben Waschsalons, Wochenmärkte und Frisöre.

Auf „grundlegende Versorgung“ herunterfahren

Bis zur Umsetzung wird es in Berlin nicht lange dauern. Das bestätigen Quellen aus Senats- und Verwaltungskreisen dem KURIER. Es gelte, Infektions-Hotspots zu verhindern, hieß es, und das öffentliche Leben bis auf die „grundlegende Versorgung“ herunterzufahren.

Am Dienstag sollen in der Sitzung des Senats entsprechende Beschlüsse gefasst werden. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller stehe in engem Kontakt mit allen anderen Landeschefs sowie der Bundesebene, telefoniere mit der Bundeskanzlerin selbst, hieß es aus der Senatskanzlei. „Alle arbeiten auf Anschlag“, sagte Senatssprecherin Melanie Reinsch.

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Auf soziale Kontakte verzichten

Am Abend wandte sich Michael Müller im RBB direkt an die Berliner Bevölkerung: „Wir alle werden mit harten Einschnitten leben müssen. (...) Unsere Maßnahmen können nur wirken, wenn wir auf so viele soziale Kontakte wie möglich verzichten“, warb der Regierende um Verständnis.

Auch Brandenburg fährt das öffentliche Leben zum Schutz vor einer schnellen Ausbreitung des Coronavirus drastisch herunter. Das kündigte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) gestern an. „Wir brauchen dafür das Verständnis und die Mitwirkung jedes Einzelnen“, so Woidke.