Ab Mittwoch müssen die meisten Einzelhandelsgeschäfte schließen. Foto: Gudath

In einem offenen Brief an die Bundesregierung haben 28 deutsche Einzelhändler gewarnt, dass ein Großteil der Geschäfte in Innenstädten einen frühen harten Lockdown nicht überstehen würde. Ein harter Lockdown schon diese Woche „wäre das Ende der Innenstädte wie wir sie heute kennen“, heißt es in dem Brief.

Generell wird der Einzelhandel vom Mittwoch bis zum 10. Januar geschlossen. Ausnahmen gelten etwa für Lebensmittelmärkte, Abhol- und Lieferdienste auch der Gastronomie, Apotheken, Drogerien, Optiker, Tankstellen, Autowerkstätten, Banken, Post, Reinigungen und Weihnachtsbaumhändler. Der Verkauf von Produkten abseits von Lebensmitteln in Märkten kann eingeschränkt werden.

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„Man darf jetzt keinesfalls das gesamte Weihnachtsgeschäft ausschließlich den Online-Giganten überlassen“, schreiben die Unterzeichner, zu denen zahlreiche aus Fußgängerzonen bekannte Unternehmen wie die Modehändler New Yorker, Jeans Fritz und NKD sowie Woolworth, Depot oder Tedi gehören.

„Bei einem erneuten Lockdown droht dem Handel eine Erosion, die menschlich, kulturell und auch wirtschaftlich nicht nur desaströse Folgen, sondern irreparable wirtschaftliche Auswirkungen nach sich zieht“, warnen die Händler.

Zwei Tage bleiben noch zum Geschenkekauf vor Ort. Foto: imago images/Zeitz

Der Handel habe gute Hygienekonzepte entwickelt, die sich bewährt hätten. „Dezember ist der mit Abstand wichtigste Monat für den Handel: 103,9 Milliarden Euro werden im Weihnachtsgeschäft umgesetzt“, heißt es in dem Schreiben. Im Frühjahr könnten keine Winterpullover mehr verkauft werden.

Sollte der harte Lockdown kommen, „dann beschließen Sie auch unwiderruflich die Insolvenz tausender Händler und somit die Arbeitslosigkeit von Millionen Menschen, unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern“, warnen die Unternehmen. „Und Sie beschließen die Verödung von Deutschlands Innenstädten.“ Einen harten Lockdown würde ein Großteil des Handels definitiv nicht überstehen. Während andere Branchen in der Corona-Krise mit Milliarden Euro unterstützt würden, stünde der Handel vor dem wirtschaftlichen Ruin.

Ikea, Media Markt und Saturn fordern angesichts des bevorstehenden harten Lockdowns, dass ihr Abholservice weiter erlaubt bleibt. „In der aktuellen Situation halten wir es für dringend geboten, dem von Geschäftsschließungen betroffenen Einzelhandel weiterhin einen Abholservice mit kontaktloser Übergabe flächendeckend möglich zu machen“, sagte eine Ikea-Sprecherin dem Nachrichtenportal watson.

Auch bei Saturn und Media Markt hofft man, nicht gänzlich auf reinen Online-Handel umsteigen zu müssen. „Wir stehen aktuell mit den politischen Entscheidungsträgern auf Bundes- und Landesebene im Austausch, um die Möglichkeit von Click & Collect, der Abholung online bestellter Waren an separaten Abholstationen an unseren Märkten, weiterhin zu ermöglichen“, zitiert das Portal eine Sprecherin der Elektronik-Ketten.

Schon während des ersten Lockdowns im April waren die Geschäfte in Einkaufscentern geschlossen. Foto: imago images/Eckel

Die wegen des harten Lockdowns ausgeweiteten Corona-Finanzhilfen für betroffene Unternehmen sind aus Sicht des Einzelhandels noch immer zu gering. „Die bisher vorgesehenen Gelder reichen bei weitem nicht aus, um eine Pleitewelle in den Innenstädten zu verhindern“, kritisiert der Handelsverband Deutschland (HDE) die jüngsten Beschlüsse von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten der Länder. Der HDE fordert für den Dezember die gleiche Unterstützung, die bereits die seit Anfang November geschlossene Gastronomie erhält. Die Überbrückungshilfen alleine reichten nicht aus, um die betroffenen Handelsunternehmen zu retten.

Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg, sieht schwere Folgen für den Einzelhandel. Zu den finanziellen Ausgleichsmaßnahmen erklärte er dem Berliner KURIER: „Das reicht definitiv nicht.“ Der Handel verlangt keine Extrawurst, aber eine Gleichbehandlung sei das Gebot der Stunde.

Angesichts des harten Lockdowns ab Mittwoch kündigte die Bundesregierung am Sonntag eine umfassende Ausweitung der Corona-Finanzhilfen für Unternehmen an. Konkret soll bei der Überbrückungshilfe III, die ab Januar gilt, der Höchstbetrag von 200 000 Euro auf 500 000 Euro erhöht werden. Der maximale Zuschuss ist demnach geplant für direkt und indirekt von Schließungen betroffene Unternehmen. Die Kosten der erweiterten Überbrückungshilfe III werden während eines Monats mit angeordneten Schließungen auf mehr als 11 Milliarden Euro geschätzt. Der seit Wochen weitgehend geschlossenen Gastronomie sollen 75 Prozent des entgangenen Umsatzes erstattet werden.