Frank Seibt (77) bringt alljährlich eine Entenfamilie von seinem Vordach im Weidenkorb ans Wasser. Foto: Berliner KURIER / Markus Wächter

Ende gut, alles gut? Im Fall von Frank Seibt aus Friedrichshagen könnte man auch sagen: Ente gut, alles gut! Seit Jahren nistet sich alljährlich eine Ente auf dem Vordach des 77-Jährigen ein, um zu brüten – und jedes Jahr bringt Seibt die Küken, wenn sie geschlüpft sind, sicher ans Wasser. Dem KURIER erzählte er von den besonderen Rettungsaktionen.

Zugegeben: Ob es die gleiche Ente ist, die alljährlich auf seinem Vordach ihre Eier ausbrütet, kann Frank Seibt nicht sagen. Fakt ist aber: Die Tiere scheinen sich bei dem 77-Jährigen pudelwohl zu fühlen. „Seit vier Jahren habe ich jedes Jahr eine Ente zu Besuch, die sich bei mir einen sicheres Plätzchen sucht“, erzählt Seibt dem KURIER. „Eigentlich leben die Vögel am Wasser – aber das liegt nur 250 Meter Luftlinie entfernt.“

Ente Selma brütet unterhalb des Balkons von Seibt. Foto: zVg/Frank Seibt

Auch in diesem Jahr baute sich eine Ente ihr Nest – auf dem Vordach gleich unterhalb seines Balkons, gut versteckt zwischen Blumenkübeln. Sicher vor Wind und Wetter, Füchsen und Hunden, die sich auch am Spreeufer aufhalten. Er taufte den Vogel auf den Namen Selma. „Wenn Selma ihren Brutplatz zwischen den Blumenkübeln eingenommen hat, beobachte ich sie jeden Tag heimlich von oben, ohne sie zu stören“, erzählt er. „Manchmal kann ich unter ihren Federn die Eier erkennen. Selma verhält sich ganz ruhig und lässt sich nicht von mir stören.“

Irgendwann erblickten die Küken das Licht der Welt, acht Stück insgesamt. Ein neuer Rekord – und eine Aufgabe für Seibt: Jedes Jahr hilft der Rentner der Enten-Mutter und ihren Kids, zurück ans Wasser zu gelangen. „Die kleinen Küken können ja allein noch nicht so gut fliegen – ohne Hilfe kommen sie gar nicht vom Dach“, sagt Seibt.

Die acht Entenküken in einer Ecke des Vordachs. Foto: zVg/Frank Seibt

Also holte der 77-Jährige auch in diesem Jahr seinen Weidenkorb, band ein Seil daran. Dann ging er, gemeinsam mit Freundin Anne Jahn (72), auf Enten-Jagd. „Selma rannte mit den Küken in die äußerste Ecke des Daches, und es gelang uns, unter großem Geschnatter von Selma, sieben Küken in den Korb zu legen. Ein Küken rannte quer über das Dach und versteckte sich am Rande unter hohem Unkraut.“

Doch die Enten-Mutter rief es zurück, die Familie war wieder vereint. Dann ließen Seibt und Jahn den Korb mit den Entenküken hinunter auf die Straße und brachten ihn ans Spreeufer, Selma blieb immer in der Nähe. „Vom Steg des Rudervereins habe ich die acht Küken in das Wasser gehoben und alle schwammen sofort zu ihrer Mutter Selma, die sie in Empfang nahm. Die ganze Enten-Familie schwamm, wieder vereint, über die Spree davon.“

Im Weidenkorb ließ Seibt die Küken vom Dach hinab auf die Straße. Foto: zVg/Frank Seibt

Zurück bleibt das Nest, das Selma hinterlassen hat – für Seibt eine Erinnerung und ein Grund, sich schon jetzt auf den nächsten Besuch zu freuen. Und er hat noch besondere Pläne, um die Ente und ihren Nachwuchs zu würdigen: „Einer meiner Nachbarn ist Illustrator. Vielleicht werden wir unseren Besuchern und unserer alljährlichen Rettungsaktion mal ein kleines Kinderbuch widmen“, sagt Seibt.