Auf Großflächen-Plakaten werben die Berliner CDU mit dem Landesvorsitzenden Kai Wegner (l.) und die Berliner SPD-Spitzenkandidatin Franziska Giffey für die Abgeordnetenhauswahl.  Foto: dpa

Kaum beginnt die heiße Phase des Wahlkampfes für das Abgeordnetenhaus und den Bundestag, schon geht es auf Berlins Straßen drunter und drüber: In Staaken, Spandau, Wilmersdorf und Rudow wurden am Sonnabendabend Wahlhelfer verschiedener Parteien angegriffen. Derweil bezichtigen sich in den sozialen Medien Anhänger verschiedener Parteien, sich beim Plakatieren nicht an die Gesetze zu halten. Denn das Plakatieren war erst ab Mitternacht erlaubt.

Mehrere Plakatverteiler wurden bei der Arbeit angegriffen

Wie die Polizei mitteilte, wollten zwei 35 und 23 Jahre alte Männer gegen 19.15 Uhr im Magistratsweg an einer Laterne ein Plakat für die Linke aufhängen. Plötzlich entriss ihnen ein Unbekannter das Plakat und warf es weg. Er beleidigte die Wahlhelfer und schubste einen von ihnen.

In der Straße Freiheit in Spandau griff ein Unbekannter gegen 20.45 Uhr eine 56-jährige Frau an, als sie mit zwei Helfern FDP-Plakate aufstellte. Der Angreifer schlug die Frau und verletzte sie leicht. Dann entkam er auf einem Fahrrad. Gegen 22.20 Uhr hingen fünf Wahlhelfer in der Mecklenburgischen Straße Plakate der AfD auf, als ein Mann sie beleidigte. Es kam zur Prügelei, bei der der 36-jährige Angreifer eine Kopfplatzwunde, Abschürfungen und eine Augenreizung erlitt, weil sich ein Wahlhelfer mit Pfefferspray wehrte.

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Kurz nach 23 Uhr brachte dann in der Neuköllner Straße ein 24-Jähriger AfD-Plakate an Laternen an, als ein Autofahrer neben ihm hielt, ihn bedrohte und Personen in der Nähe aufforderte, den Mann von der Leiter zu holen und zu verprügeln. Anschließend entkam er unerkannt.

Unterdessen streiten sich auf Twitter Funktionäre unterschiedlicher Parteien über unfaire Methoden. Denn plakatiert werden durfte erst seit Sonntag, 0 Uhr. „Ab Mitternacht dürfen Wahlplakate gehängt werden. Für die @cduberlin gelten die Gesetze in Treptow-Köpenick wohl nicht?“, beschwerte sich der Köpenicker SPD-Abgeordnete Tom Schreiber am Sonnabendabend auf Twitter und lieferte ein Beweisfoto.

„Legal, illegal, scheißegal?“: Streit um den richtigen Termin

Laut Stefan Förster von der Köpenicker FDP verstieß auch die Linke gegen die Regeln: Deren Abgeordneter Uwe Döring habe am Müggelschlösschenweg Gregor Gysi an die Laternen gebracht. Gesetze gälten für alle, so Förster auf Twitter. „Legal, illegal, scheißegal?“ In Wedding hätten Linke-Plakate schon um 18.30 Uhr gehangen. Uwe Döring wiederum verweist auf die CDU, die auch schon vor 24 Uhr plakatiert habe.

Und dann bekam es Tom Schreiber zurück: Stefan Evers, ein CDU-Abgeordneter, warnt in Richtung Tom Schreiber: „Vorsicht Glashaus … das da war eine Mittagsbegegnung gestern“. Das Foto, das er auf Twitter verbreitete, zeigt SPD-Spitzenkandidatin Franziska Giffey.

Ein Twitterer verbreitete das Foto eines Wahlplakats für SPD-Spitzenkandidat Olaf Scholz, das bereits an der Prenzlauer Allee aufgehängt war. Auch in Charlottenburg hing bereits in der Abenddämmerung ein SPD-Plakat an einer Laterne ganz oben, als Wahlhelfer der CDU darunter ein Plakat für zwei CDU-Kandidaten anbrachten, wie ein Twitter-Foto beweist.

Die Ordnungsämter hatten offenbar schon Feierabend, als die Wahlhelfer mit ihren Plakaten bereits vor der erlaubten Zeit ausrückten. Denn beim Plakatwettbewerb geht es vor allem um eines: um die Position ganz oben. Wer von ganz oben herab die Menschen anlächelt, wird am besten gesehen und ist nahezu unverwundbar.