Das 9-Euro-Ticket wurde schon vor dem offiziellen Start freudig erwartet - doch einige treten auf die Bremse. dpa/Monika Skolimowska

Na, haben Sie sich heute schon geärgert? Ich schon. Das passiert mir manchmal, wenn ich Nachrichten lese – Sie werden es kennen. Dieses Mal war es eine Meldung zum Neun-Euro-Ticket, die mich aus der Fassung brachte. Der Run auf den Billig-Fahrschein war schon im Vorfeld des 1. Juni riesig, ab heute gilt der besondere Fahrschein, der uns allen den Sommer versüßen soll. Und auch ich bin – ich gestehe – heute früh feierlich zum BVG-Automaten marschiert, weil ich mich schon im Vorfeld wirklich freute.

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Ich zog also das Ticket aus dem Automaten ... und es fühlte sich auf seltsame Art und Weise nach Freiheit an. Auf meinem Schreibtisch liegt auch tatsächlich schon eine Liste mit Zielen – Orten in Brandenburg und den Umliegenden Bundesländern, in denen ich mangels Zeit lange nicht mehr oder noch nie war: Wismar, Stralsund, Rostock, Schwerin, Dessau, Magdeburg, Herzberg (Elster), Cottbus.

9-Euro-Ticket: Der Sommer steckt voller Pläne, doch das Glück hält nur kurz

Sogar nach Elsterwerda will ich mal reisen – der Ort fliegt sonst nur draußen vorbei, wenn ich mit dem Zug nach Sachsen fahre, aussteigen konnte ich hier noch nie. Der Sommer steckt also voller Pläne. Und natürlich ist es auch herrlich, nicht eine hohe Summe dafür ausgeben zu müssen, die Öffis in Berlin nutzen zu können. Doch so groß die Freude ist – plötzlich wurde mir der Spaß am Ticket dann doch verdorben.

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) rechnet nämlich mit einem Anstieg der Preise nach dem Auslaufen des Tickets. Grund unter anderem: die Spritkosten. Der Verbandschef gibt sogar an, er glaube nicht, dass mehr Menschen dauerhaft auf Bus und Bahn umsteigen.

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Ja, Herrgott, wie denn auch? Alle jammern über die Öko-Bilanz, die Menschen sollen ihre Autos stehen lassen – und dann werden allen, die darüber nachdenken, solche Aussichten geboten? Das Billig-Ticket ist seit Jahren die erste echte Option, mit der die Menschen bewegt werden könnten, auf Öffis umzusteigen. Und nun das.

Ein dauerhaft günstiges Öffi-Angebot wäre so wichtig für alle

Dabei wäre ein dauerhaft günstiges Angebot so wichtig! Ein persönliches Beispiel: Wenn ich mit dem Zug von Berlin zu meinen Eltern in Sachsen fahren will, muss ich je nach Buchungszeit so viel für ein Ticket zahlen, dass es günstiger ist, wenn mein Vater mich mit dem Auto hier abholt und mich wieder zurückfährt. Vier Autofahrten sind nämlich günstiger als zwei mit dem Zug, trotz der Benzinpreise. Kein Witz!

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Man will etwas für den Klimaschutz tun? Bitteschön, es könnte so einfach sein. Stattdessen wird schon jetzt klargestellt, dass es ja doch nichts bringen wird, auf das Auto zu verzichten, weil die Öffis bald noch teurer werden. Als Mensch, der sich ernsthaft über das Neun-Euro-Ticket freute und es als ersten Schritt in die richtige Richtung sah, komme ich mir bei solchen Aussichten veräppelt vor.