Der Blick von Süden über die „Plaza“: Links das neue Jahnstadion, im Hintergrund die versetzten Flutlichtmasten des alten.
Der Blick von Süden über die „Plaza“: Links das neue Jahnstadion, im Hintergrund die versetzten Flutlichtmasten des alten. O+M Architekten

Das Urteil ist gesprochen: Das alte Jahnstadion in Prenzlauer Berg, das nur noch mit jährlichen Ausnahmegenehmigungen betrieben werden darf, wird abgerissen und durch ein neues Stadion ersetzt. Es soll optisch durch eine rot verglaste oberste Etage („Skywalk“) hervorstechen, die der jetzigen Farbgebung der Haupttribüne nachempfunden ist. Vor allem soll das Stadioninnere aber über Rampen ohne jedwede Barriere für Behinderte erreichbar sein.

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An das alte Stadion, in dem in grauer Vorzeit mal Hertha BSC übte, später der BFC Dynamo Hauptnutzer war und der 1. FC Union kickte, werden neben der Farbe drei Flutlichtmasten erinnern: Sie werden an die zentrale Nord-Süd-Achse („Plaza“) zwischen Eberswalder und Gaudystraße versetzt. Daneben werden auf dem 22 Hektar großen Gelände weitere Gebäude wie zum Beispiel eine Mehrzweckhalle errichtet.

15 Entwürfe für  Jahnsportpark und  Jahnstadion standen zur Wahl

Eine Jury hatte nach zwei Tagen Debatte am Mittwochabend den Entwurf des Dresdner Büros O+M aus 15 Vorschlägen ausgewählt, was für die Architekten Carsten Otto (48) und Christian Müller (50) sowie ein Büro von Landschaftsarchitekten ein Preisgeld von insgesamt 180.000 Euro bedeutet.

Der Architekt Professor Uwe Schröder als einer der Jury-Vorsitzenden sagte zu der Entscheidung eines kompletten Neubaus, die drei Entwürfe, bei denen etwas vom jetzigen Stadion erhalten werden sollte, hätten die Bedingungen der barrierefreien Inklusion nicht erfüllt.

Der Bau des Stadions, das keine Ränge haben wird, soll den Trümmerwall zum Mauerpark hin weitgehend erhalten, sagte Wettbewerbsgewinner Carsten Otto. Im Erdgeschoss zur Plaza hin wird es Kioske und Kassen geben, die Fassade wird hier begrünt. Auf der Westseite wird die zweite Ebene wegen des Walls zum Erdgeschoss.

Nach ihren Plänen sollen das Jahnstadion neu und der Jahnsportpark umgestaltet werden: Carsten Otto (l.) und Christian Müller von O+M Architekten am Modell.
Nach ihren Plänen sollen das Jahnstadion neu und der Jahnsportpark umgestaltet werden: Carsten Otto (l.) und Christian Müller von O+M Architekten am Modell. Volkmar Otto

2023 wird die Asbestbeseitigung im vorhandenen Stadion beginnen, gefolgt vom Abriss. Parallel ist vorgesehen, die Umgestaltung des Sportparks zu starten. Ende 2024 soll dann der Stadionbau in Angriff genommen werden, der nach zweieinhalb bis drei Jahren abgeschlossen sein wird. So hofft jedenfalls Hermann-Josef Pohlmann, in der Senatsbauverwaltung für den öffentlichen Hochbau verantwortlich.

Ursprünglich war gedacht, dass das Stadion bereits 2023 fertig und bei den Weltspielen der Special Olympics in Berlin der zentrale Ort sein sollte. Diese Idee musste beerdigt werden, das Olympiastadion wird der zentrale Ort für die Weltspiele wird.

97 Millionen Euro für Jahnstadion und Jahnsportpark

Nach Preisen von 2019 sind Gesamtkosten für Stadion und Sportpark von 97 Millionen Euro vorgesehen – Bau-Staatssekretär Christian Gaebler geht allerdings davon aus, das es angesichts der Baupreisentwicklung mehr werden wird.

Das gegenwärtige Jahnstadion, bei dem nur die Haupttribüne überdacht ist.
Das gegenwärtige Jahnstadion, bei dem nur die Haupttribüne überdacht ist. Wikipedia/Alexander Puell

Das Stadion wird  für Spiele der 2. und 3. Fußball-Bundesliga tauglich sein, falls ein Berliner Verein entsprechend auf- oder absteigt. Daneben für Schüler- und Behindertenwettbewerbe, gegebenenfalls für Rugby oder American Football, erklärte Sport-Staatssekretärin Nicola Böcker-Giannini. Leichtathleten werden auf acht Bahnen ihre Runden drehen können, Sprinter auf neun Bahnen.

Solar- und Grünanlagen auf dem Dach des neuen Jahnstadions

In dem Entwurf steckt mehr, als man auf den ersten Blick auf das Modell sieht. So wird das 20 Meter über alle 20.000 Sitze (bislang 24.000) ragende Holzdach innen Solarmodule tragen, außen wird es bepflanzt. Das Spielfeld wird von einem Lichtring am Innenrand des Dachs beleuchtet. Als Nebeneffekt soll das Dach auch noch als Lärm-Bremse dienen.

Die sogenannte Sportachse von der Cantianstraße zum Stadion hin wird das Pappelwäldchen umfassen, ein Blinden-Fußballfeld und ein Beachvolleyball-Feld mit vier Plätzen innen, vier auf dem Dach und einem daneben.

Der Lageplan des neuen Jahnsportparks. Über dem Stadion die Max-Schmeling-Halle, rechts davon ein Sportfeld mit der angrenzenden Wiese. Rechts vom Stadion die künftige Mehrzweckhalle, darüber die Sportachse, die Tennishalle und das kleine Klötzchen des Begegnungszentrums.
Der Lageplan des neuen Jahnsportparks. Über dem Stadion die Max-Schmeling-Halle, rechts davon ein Sportfeld mit der angrenzenden Wiese. Rechts vom Stadion die künftige Mehrzweckhalle, darüber die Sportachse, die Tennishalle und das kleine Klötzchen des Begegnungszentrums. O+M Architekten

Um die Sportachse herum wird ein ganz besonderer Joggingpfad gebaut, den Blinde nutzen können: Noppen am Boden weisen ihnen den Weg, außerdem wird es Bluetooth-Signale geben. Sie melden an Kopfhörer der Läufer, wenn sie dabei sind, den Laufweg zu verlassen.

Nördlich der Sportachse sind ein etwas höheres Gebäude als „Begegnungszentrum“ für die Vereine inklusive Gastronomie sowie eine Tennishalle vorgesehen – mit vier Plätzen innen, vier auf dem Dach und einem nebenan.

Tiefgarage unter einer neuen Mehrzweckhalle

Die Multifunktionshalle soll neben Sportplätzen, Duschen und Toiletten auch Autos beherbergen: Im Untergeschoss wird es ein Parkdeck geben. Wie genau die Halle innen aussehen wird, ist noch nicht geklärt.

Die Sportplätze werden von Vereinen und für den „Breitensport“ genutzt werden können. Wie die meisten alten Bäume auf dem Gelände bleibt die „Sportwiese“ im Norden zur Gaudystraße hin erhalten. Anwohner hatten sehr darauf hatte gedrungen.

Die Max-Schmeling-Halle nördlich neben dem Stadion ist von den Bauplanungen nicht betroffen.