Die Wiese im Mauerpark ist ganz gut gefüllt. Aber alle sitzen vorschriftsgemäß in Zweiergruppen. Foto: Sabine Gudath

Den Lauf der Zeiten kann auch das Corona-Virus nicht aufhalten. Der Frühling nimmt keine Rücksicht auf den verhängten Hausarrest. So beginnt am Sonntag, wie jedes Jahr, mit der Uhrumstellung die Sommerzeit. Viele Berliner ließen sich auch am Sonnabend schon zu Parkbesuchen verlocken, unter den Augen der Polizei. Beamte überprüften die Einhaltung der Corona-Regeln – und sperrten den Boxi wegen Überfüllung.  

Die Sonne lacht, die Temperaturen sind angenehm, nichts mehr zu spüren von der eisigen Kälte der vorigen Woche. Also endlich raus aus den vier Wänden, die in Zeiten von Homeoffice und häuslicher Isolierung zu eng geworden sind. Nichts wie ab ins Grüne? Eigentlich nein, wenn es nach der Berliner Corona-Verordnung geht. Dort heißt es: „Die Bürgerinnen und Bürger haben sich grundsätzlich in ihrer Wohnung oder Unterkunft aufzuhalten.“ Aber jede Regel kennt Ausnahmen!

Kurzes Verweilen in Parks erlaubt

Beim Spaziergang durch den Mauerpark und den Humboldthain beobachten die KURIER-Reporter, wie die Berliner die komplizierten Ausnahmen auslegen. Überall auf den Wiesen sitzen – total vorschriftsgemäß – Zweiergrüppchen, viele sind mit ihren Fahrrädern gekommen. Es gilt: Kurzes Verweilen in Parks bleibt erlaubt. Aber das Niederlassen auf Decken, das Sonnen und längere Sitzen an einer Stelle im Freien sind verboten. Spaziergänger müssen mindestens 1,5 Meter Abstand zueinander halten.  

Caro, ihre Schwester Johanna und Jana genießen dastolle Wetter im Humboldthain. Foto: Sabine Gudath

Manche Parkbesucher spielen Ball, einige machen tatsächlich Sport wie Kaja (23) und Paul (27). Die beiden passionierten Kletterer haben im Humboldthain Seile über einen dicken Ast geworfen und turnen daran. Auch das ist erlaubt. Weniger vorbildlich verhalten sich – womöglich – Jana (30), Johanna (31) und Caro (29), die ein paar Meter weiter lagern. Dauerhafte Aufenthalte und Picknicks sind jetzt tabu.

Gitarrespielen gegen den Homeoffice-Koller

Zwei Wiesen weiter treffen die KURIER-Reporter auf Antje (27), Kinderärztin an der Charité. Allein, aber mit einer Kanne Kamille-Pfefferminz-Tee. Ist das jetzt etwa schon ein Picknick? Vielleicht. Eine Gitarre hat Antje mitgenommen. Nachher wolle sie ein wenig spielen, endlich würde sie ihren Mitbewohner nicht mehr stören, der im Homeoffice sei. „Unsere Wände sind so dünn“, beschreibt Antje ihr Problem.

Durch diese Szenerie fährt immer wieder die Berliner Polizei. Beanstandet wird bei dem rund zweistündigen KURIER-Spaziergang allerdings nichts. Zumindest nicht in Humboldthain und Mauerpark. Im Volkspark Friedrichshain hingegen wird es der Polizei am Nachmittag zu bunt: Beamte fordern die Leute, die an verschiedenen Stellen einer Wiese sitzen, zum Aufstehen auf. Sie sollen spazieren gehen. „Längeres Verweilen“ ist ja verboten. Doch ab wann beginnt das eigentlich?   

Polizei räumt und sperrt Boxhagener Platz

Ganz klar zu viel verweilt wird am Boxhagener Platz in Friedrichshain. Dort halten sich am Nachmittag rund 150 Menschen auf – zu viele. Von den Mahnungen der Polizei wollen sie nichts hören. Auch drei Lautsprecherdurchsagen mit der Aufforderung, den Platz zu verlassen, bringen nicht den gewünschten Erfolg. Die Polizei muss die Grünfläche des Platzes schließlich sperren. Unklar bleibt, ob es auch zu Festnahmen kommt.

Kinderärztin Antje hat es sich im Humboldthain bequem gemacht und spielt Gitarre. Sie musiziert draußen, denn sie will ihren Mitbewohner nicht nerven. Der sitzt im Homeoffice. Foto: Sabine Gudath

Schon Freitagabend und in der Nacht zu Sonnabend waren rund 400 Beamte in den Corona-Einsatz ausgerückt. Sie kontrollierten nach Polizeiangaben zwischen 18 Uhr und 6 Uhr in 647 Fällen die Einhaltung der geltenden Regeln. Dabei schrieben sie 43 Strafanzeigen und 129 Anzeigen wegen Ordnungswidrigkeiten.

Betrunkener pöbelt und hustet Polizisten an

Bei der Kontrolle von drei Betrunkenen in Prenzlauer Berg habe sich ein 18-Jähriger den Polizisten gegenüber sofort aggressiv verhalten. Den Angaben zufolge behauptete er, an Corona erkrankt zu sein und habe dann zwei Polizisten absichtlich angehustet. Später soll er seine Corona-Behauptung wieder zurückgezogen haben.

Wie viele Berliner am Sonnabend von insgesamt 350 Beamten kontrolliert und womöglich bestraft wurden, will die Polizei am Sonntag mitteilen. Einige haben sicher zu lange „verweilt“.