Starker Regen und Hagel überfluteten die Straßen im Nordosten der Stadt. Lokale Fallböen brachten Bäume zum Umstürzen und deckten Häuser ab. Foto: imago images/Spicker

Es dauerte nicht einmal 30 Minuten, doch die hatten es in sich. Ein zerstörerischer Blitzsturm sorgte am Montag im Nordosten der Stadt für massive Schäden. Ein Metereologe erklärt jetzt, wie sich eine solche Gefahr am Himmel entwickelt.

So schnell wie das Unwetter gegen 15 Uhr kam, so schnell war es eine halbe Stunde später wieder verschwunden. Wassermassen prasselten vom Himmel, die von starken Windböen umhergewirbelt wurden. Die Sichtweite betrug teilweise nur noch wenige Meter im Nordosten der Stadt. Bäume stürzten um, Häuser wurden abgedeckt, Keller liefen mit Wasser voll. Die Feuerwehr musste allein wegen dem Unwetter über 300 Mal ausrücken. Ein Autofahrer wurde verletzt, als ein Baum auf sein Fahrzeug krachte. 

Viele Berliner fragen sich, wie es zu einem solch unfassbar schnellen Wetterumsturz kommt. Und handelte es sich sogar um einen Tornado? „Nach Auswertung der Wetterdaten und einiger Zeugenvideos ist klar, dass es letztendlich kein Tornado war“, erklärt Andreas Friedrich, Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Der Experte ist sich sicher, dass eine sogenannte Gewitter-Fallböe für das Chaos in der Stadt verantwortlich war. Friedrich zum KURIER: „Dieses Phänomen kommt im Sommer sehr häufig vor. In ganz Deutschland gibt es jährlich hochgerechnet etwa 100 solcher Fallböen. Sie treten allerdings nur sehr selten an einem Ort auf. Deshalb haben es die wenigsten Berliner schon einmal erlebt.“

Orkanartige Windgeschwindigkeiten von bis zu 200 km

Laut dem Wetterexperten entsteht eine Gewitter-Fallböe, wenn sich Gewitterwolken in großer Höhe ansammeln – so wie am Montag über dem Nordosten Berlins. Diese Art der Gewitterwolken kann bis zu zehn Kilometer hoch sein. „Wenn dann wie über Berlin Regen und Hagel vom Himmel stürzen, wird dadurch extrem viel Wind mit nach unten gerissen. Der Wind breitet sich dann am Boden in Zugrichtung des Gewitters horizontal aus“, so Friedrich. Es kann dann zu orkanartigen Windgeschwindigkeiten von bis zu 200 km/h kommen. Durch Düseneffekte und Häuserschluchten entstehen massive Schäden in der Stadt. 

Diese lokalen Fallböen werden laut Friedrich oft mit Tornados verwechselt, die durchschnittlich 20 bis 60 Mal im Jahr in Deutschland auftreten. Der Wind bei Tornados dreht sich allerdings um eine Achse, ähnlich wie bei einem Staubsauger. Fallböen breiten sich dagegen geradlinig aus.

Im Lagedienstes der Berliner Feuerwehr wurde das Ausmaß des Gewitters über Satellitenbilder beobachtet. „Das sah schon faszinierend aus. Wie mit einem Lineal gezogen, hatte sich ein etwa fünf Kilometer breiter Gürtel vom Flughafen Tegel bis nach Marzahn gezogen“, berichtet ein Mitarbeiter des Lagezentrums. 

Die meisten Schäden in der Stadt sind noch nicht behoben. Der Bezirk Mitte warnt vor dem Betreten des Volksparks Humboldthain. Dort könnten immer noch Äste abbrechen oder Bäume umstürzen, so die Mitteilung am Dienstag. Andere Parks sind ebenfalls betroffen, dort seien die Schäden aber geringer. Die Beseitigung der Schäden im Volkspark werde voraussichtlich mehrere Tage dauern.