Gastronom Marcel Kroll (43) arbeitet jetzt als Fahrer für die Storchenapotheke in Hennigsdorf.
Foto: Bernd Friedel

Er bangt wie viele andere Gastwirte um seine Existenz. Doch statt zu klagen und mit seinem Schicksal zu hadern, hat sich Marcel Kroll (43) einen Nebenjob gesucht. Der Inhaber der Kleinen Philharmonie und des angesagten Tanzlokals Vagabund in Wilmersdorf fährt jetzt für eine Apotheke Medikamente aus.

„Ich bin froh, dass ich wieder arbeiten kann. Wenn ich nur zu Hause rumsitze, mache ich mir zu viele Gedanken“, sagt Marcel Kroll. Dabei hat er jeglichen Grund sich Gedanken zu machen. Seit der Ausgangsbeschränkungen während der Corona-Krise sind auch seine Lokalitäten zwangsläufig still gelegt und er selbst glaubt auch nicht, an eine schnelle Wiedereröffnung. Deshalb musste der Unternehmer einen Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken und die restlichen sieben sogar ganz abmelden.

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„Es schmerzt sehr und ich darf da gar nicht drüber nachdenken, dass der Mai wirtschaftlich betrachtet, einer meiner besten Monate war. Da kommen mir sonst gleich die Tränen“, sagt er. 2009 hat Kroll den Club Vagabund an der Knesebeckstraße übernommen, sieben Jahre später auch die Künstlerkneipe Kleine Philharmonie. Zuvor fuhr der gelernte Bürokaufmann, der in einer Hausverwaltung als Sachbearbeiter angestellt war, lange zweigeleisig und arbeitete parallel abends und nachts in der Berliner Gastro-Szene.

„Ich muss die Ding so nehmen wie sie sind“

Zur Pharmazie kam Kroll über seine Schwester. Sie erzählte ihm, dass die Apotheke, in der sie arbeitet, einen Fahrer auf 450-Euro-Basis sucht. Marcel Kroll zögerte nicht lange und stellte sich bei ihrem Chef in Heiligensee vor. Von 14 bis 19 Uhr an fünf Tagen die Woche bringt der Gastronom jetzt die bestellten Medikamente zu den Kunden nach Hause. „Sie sind sehr dankbar, dass mal jemand bei ihnen vorbei schaut und mit ihnen spricht“, sagt Kroll. Wenngleich ihm das Sprechen und Luftholen unter seiner Atemschutzmaske FFP 3, die er im Dienst tragen muss, schwer fiele.

Doch Marcel Kroll ist niemand, der jammert. Selbst in der Krise denkt er noch an andere. Er sagt: „Das Schlimmste ist, dass ich meine Obdachlosen in der Tee-und Wärmestube Neukölln nicht mehr bekochen kann.“ Einmal die Woche habe er ihnen sonst selbst gemachte Gerichte aus seiner Küche vorbeigebracht. Seit er um seine Existenz bangen muss, „fehle ihm leider das Geld“.  Seinen neuen Aushilfsjob wolle er nicht ewig machen, aber er sagt auch: „Ich muss die Ding so nehmen wie sie sind. Ein weiterer Vorteil ist, ich bin viel an der frischen Luft und kann mich bewegen.“