Sarah und Patrick aus München gehörten zu den ersten Besuchern des neuen Mauerparks. Foto: Berliner KURIER / Sabine Gudath

Sarah (28) und Patrick (29) lassen sich gerne vom Rasensprenger nass machen. Es sind schließlich gut 30 Grad plus. Das Paar aus München ist für einen Kurzurlaub nach Berlin gekommen. „Wegen der Geschichte der Stadt, auch wegen der Mauer“, sagt Patrick und wringt sein T-Shirt aus. Genau dort, wo vor 31 Jahren die Grenze war und noch der Schießbefehl galt, steht jetzt das Münchener Paar. Der Mauerpark ist in den letzten vier Jahren nach Westen erweitert und neu gestaltet worden. Jetzt ist er fast doppelt so groß wie vorher: 15 Hektar, etwa 20 Fußballfelder, verbunden mit dem Ortsteil Gesundbrunnen. Kosten: 14,1 Millionen Euro.

Seit Freitagabend ist er geöffnet und Sarah und Patrick gehören einen Tag später zu den ersten Besuchern. Neue und alte Parkfläche liegen der Länge nach nebeneinander, der Kontrast könnte größer nicht sein. Auf der alten Fläche die runtergetrampelte Wiese, die Amphitheater-Stufen und die vielen Graffiti im Schatten des Jahn-Sportparks. Auf der neuen Fläche leuchtet der Rasen grün. 200 Bäume wurden  hier gepflanzt und stehen im frischen Rindenmulch. Ein fast ungenutzter Spielplatz mit Metall-Klettergerüsten strahlt in der Sonne. Im Norden wurde ein Kreisel mit einer Sitzecke mit Steinbänken angelegt. Im Süden des Areal soll dann der Flohmarkt stattfinden, erstmals am 5. Juli.

Fitore Kamberaj (29) beobachtete die Bauarbeiten lange. Foto: Berliner KURIER / Sabine Gudath

Schon lange hatte man die Idee, den Mauerpark zu erweitern. Die Pläne gehen auf den Landschaftsarchitekten Gustav Lange aus den frühen 90er-Jahren zurück. Bürgerinitiativen hatten für den Erhalt und die Erweiterung des Mauerparks gekämpft, der Senat zog schließlich mit.  Nun haben Berliner, Touristen, Flohmarkt und Karaoke-Party mehr Platz. Altes Industriegebiet aus der Wendezeit wurde erschlossen. 

„Ist doch gut geworden“, sagt Fitore Kamberaj (29) aus dem Wedding.  Sie hat ihr Fahrrad in Prenzlauer Berg zur Reparatur gebracht und geht jetzt zur ihrer Wohnung. Die Bauarbeiten hat die junge Frau lange beobachtet. „Das ist sehr viel Platz und sehr viel Grün“, sagt sie. Tatsächlich ist neue Mauerpark relativ leer. Doch das wird sich zum Nachmittag ändern. „Ich finde es gut, dass nicht alles mit Wohnungen zugebaut worden ist“, sagt Kamberaj.

Kathi Mittler (22) besucht mit ihrer Hündin Molli den Park. Foto: Berliner KURIER / Sabine Gudath

Es fällt auf, dass die neue Fläche offen wirkt: Menschen aus Gesundbrunnen, Prenzlauer Berg und Mitte begegnen sich. Das findet auch Sportstudentin Kathi Mittler (22). Sie führt Hund Molli spazieren. „Das macht einen sehr familienfreundlichen, sauberen Eindruck. Mal gucken, wie lang das so neu bleibt und wann die ersten Graffiti hier auftauchen“, sagt sie. Die Partys im alten Park seien schließlich berüchtigt gewesen. Mal gucken, wie es jetzt wird.

Anwohnerin Luzie Hahn (35) kennt das Areal noch als Kind aus der Wendezeit. „Das war alles so grau. Brachland. Hier wollte ich damals nie sein“, sagt sie. Später wurde der Park durch Flohmarkt und Karaoke immer bekannter. Es wurde eng und ein bisschen nervig, erklärt Luzie Hahn.

Luzie und Patrick Hahn (35 und 34) mit Cornelia (36) und Mathias Gabler (36) und Nachwuchs. Foto: Berliner KURIER / Sabine Gudath

Bis jetzt. Mit ihrem Mann Patrick und den neugeborenen Zwillingen Lutz und Lilien hat sie einen schattigen Platz unter einem der Bäume gefunden. Die beiden größeren Kinder Lana (6) und Lene (4) testen die neuen Schaukeln aus. Sie waren mit einem befreundeten Pärchen durch Zufall hier vorbeigekommen und  wusste gar nicht, dass hier gebaut wird. „Alles so neu hier, das passt gar nicht zu Berlin“, staunt Luzie Hahn. „Wir werden häufiger hierherkommen.“  Allen ist nicht neu, dass es in Berlin viele Grünflächen gibt. „Doch in Friedrichshain und Kreuzberg, wo wir vorher häufig waren, ist alles überlaufen gewesen, nicht so weitläufig wie hier“, so Luzie Hahn und blickt Richtung Fernsehturm.

Die Touristen Sarah und Patrick auch München wollen vielleicht noch den Görli besuchen. Denn kennt irgendwie jeder. Der Rasensprenger im Mauerpark steht noch in keinem Reiseführer.