Klimaaktivisten der Gruppe „Aufstand der letzten Generation“ sitzen auf der Fahrbahn der Autobahn A100 vor der Ausfahrt Beusselstraße, um gegen Lebensmittelverschwendung zu protestieren. dpa/Koall

Ein paar Demonstranten sorgten am Freitag morgen für kilometerlange Staus. Einige Dutzend Klimaaktivisten blockierten an mehreren Stellen kurzzeitig die Berliner Stadtautobahn. Die Protestaktionen der Kampagne „Essen retten - Leben retten“ spielten sich vor allem im Nordwesten Berlins ab, unter anderem in Charlottenburg an der Seestraße, am Jakob-Kaiser-Platz und am Kaiserdamm.

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Ein dpa-Reporter der Deutschen Presse-Agentur berichtete von Staus, wütenden Autofahrern und Gehupe. Die Verkehrsinformationszentrale (VIZ) twitterte mehrfach von Staus, die teilweise bis zu 40 Minuten dauerten. „Weiterhin ist mit überraschenden Blockaden zu rechnen“, hieß es. Nach Angaben der Polizei waren die meisten Autobahnabschnitte am frühen Vormittag wieder frei. Zuletzt gab es noch am Kaiserdamm Einschränkungen. Ob die Polizei Demonstranten festnahm, war noch nicht bekannt. Es würden aber Personalien festgestellt, hieß es.

50 Demonstranten legten die A100 lahm

Die Klimaaktivisten, die sich „Letzte Generation“ nennen, sprachen von insgesamt rund 50 Menschen an den verschiedenen Stellen auf der Stadtautobahn. Auf einem Video war zu sehen, wie Lebensmittel auf der Fahrbahn lagen und von Polizisten weggefegt wurden. Es handele sich um Lebensmittel, die von Supermärkten weggeworfen worden seien, teilt die Kampagne mit. Jährlich würden in Deutschland 18 Millionen Tonnen Nahrung entsorgt.

Freitagmorgen auf der Stadtautobahn: Festgeklebte Aktivisten, verschüttete Lebensmittel und ein kilometerlanger Stau dpa/Koall

Fotos zeigten, wie Blockierer am frühen Morgen auf den Fahrbahnen saßen. Auf der Autobahn Richtung Seestraße klebten sich nach Angaben der Polizei vier Demonstranten fest. Auch am Jakob-Kaiser-Platz hätten sich zwei Menschen an die Fahrbahn geklebt und zwei weitere angekettet. „Der Verkehr steht massiv“, sagte eine Sprecherin der Gruppe während der Blockade.

Seit einer Woche wird die Stadtautobahn immer wieder blockiert

Die Aktivisten hatten seit voriger Woche schon mehrfach Straßen und Autobahnen blockiert – zuerst in Berlin, am Montag dann auch in Hamburg und Stuttgart. Sie fordern ein Gesetz gegen Lebensmittelverschwendung und eine sofortige Agrarwende, um Klimagase aus der Landwirtschaft zu mindern.

Ein Polizist fegt mit Lebensmittel von der Straße, während Klimaaktivisten auf der Fahrbahn vor der Ausfahrt Beusselstraße gegen Lebensmittelverschwendung protestieren. dpa/Koall

Am Dienstag unterbrach die Protestgruppe ihre Blockadeaktionen vor dem Hintergrund der Ermordung von zwei Polizisten in Rheinland-Pfalz aus Solidarität mit den Opfern. Nach allem, was bekannt ist, steht die Gewalttat vom Montag in keinem Zusammenhang mit den Straßenblockaden der Klimaaktivisten. Die Polizei in ganz Deutschland erinnerte am Freitag um 10 Uhr mit einer Schweigeminute an die Tat.

Am Nachmittag legten Klimaaktivisten und Autobahngegner nach – mit einer Abseilaktion in Berlin-Steglitz. Und wieder musste ein Autobahnabschnitt gesperrt werden. Diesmal auf der A103.

Eine Frau und ein Mann ließen sich von der Friedenauer Brücke auf die A103 hinabgleiten. Dabei zeigten sie ein großes Transparent mit der Aufschrift „Abhängen ist kein Verbrechen“. Die angemeldete Aktion auf der Saarstraße wurde von der Polizei abgesichert. Rund 70 Einsatzkräfte waren nach Angaben eines Sprechers im Einsatz. Aus Sicherheitsgründen wurde der Autobahnabschnitt rund um den Steglitz-Zugringer abgesperrt.

An der Aktion unter dem Motto „Für Klimaschutz & Verkehrswende statt Kriminalisierung von Aktivist*innen“ beteiligten sich nach Angaben der Veranstalter die Organisationen Bund Jugend, Sand im Getriebe, A100 stoppen. Die rund ein Dutzend jungen Menschen zeigten Transparente auf denen etwa stand: „Mit Ach und Krach in die Klimakrise - #bittewenden #A100stoppen“.