Uwe Hohn tritt 1984 bei den DDR-Meisterschaften in Erfurt an und gewinnt mit 93,80 Meter.
Uwe Hohn tritt 1984 bei den DDR-Meisterschaften in Erfurt an und gewinnt mit 93,80 Meter. Imago/Schulze

Er hat Großes geleistet und viel Pech in seiner Karriere gehabt. Er hat den Speer so weit geworfen wie kein Athlet nach ihm, doch bei Olympia konnte (und durfte) er nie starten: Die Potsdamer Leichtathletik-Legende Uwe Hohn wird am Sonnabend 60 Jahre alt.

Jetzt lesen: Freizeitpark-Sensation enthüllt! Kein Scherz: Berlin bekommt einen neuen „Bibi und Tina“-Freizeitpark – KURIER verrät, wer ihn plant und wo er entstehen soll >>

Mit einem Wurf ist Uwe Hohn in die Leichtathletik-Geschichte eingegangen. Der 20. Juli 1984, der Ludwig-Jahn-Sportpark in Prenzlauer Berg. Uwe Hohn, damals gerade 22 Jahre alt geworden, 1,98 Meter groß und rund 116 Kilogramm schwer. In blau-weißem DDR-Dress steht er auf der Tartanbahn, trippelt, läuft an, 18 Schritte, er streckt den Arm durch und lässt den schweren Speer mit brachialer Kraft aus seiner Hand schnellen. Der 800 Gramm schwere Speer steigt im idealen Winkel. Schon nach wenigen Augenblicken reißt Hohn die Arme hoch – er ahnt wohl sofort, was ihm für ein Wurf gelungen ist, wohin der Speer unterwegs ist.

Lesen Sie auch: Plötzensee, Fischerpinte: Ein Paradies auf Abruf. Wenn der Pächter stirbt, stirbt auch diese Altberliner Idylle>>

Lesen Sie auch: Achtung Autofahrer: Für viele Geburtsjahrgänge läuft am Dienstag die Frist für den Umtausch alter Führerscheine ab – und DIESE Strafen drohen!>>

Nach dem Weltrekordwurf: Auf der Anzeigetafel steht nur 04,80

Er fliegt und fliegt. Erst kurz vor dem Beginn der Tartanbahn auf der anderen Seite des Stadions bohrt sich das Wurfgeschoss in den Rasen. Jubel im Stadion, ungläubiges Staunen vor den Fernsehern. Der erste Speer, der über 100 Meter geflogen ist. Und das gleich bis auf 104,80 Meter. Als sich Uwe Hohn für das Weltrekordfoto neben die Anzeigetafel stellt, steht da: 04,80. Eine dreistellige Weite hatte keiner vorausgesehen.

Lesen Sie auch: Ganz einfach und sooo lecker: So gelingt Ihnen der perfekte Streuselkuchen – nach Omas Rezept!

Auf der Anzeigetafel steht nur 04,80. Für die 1 war kein Platz mehr.
Auf der Anzeigetafel steht nur 04,80. Für die 1 war kein Platz mehr. Imago/Schulze

Uwe Hohn vom ASK Vorwärts Potsdam ist in der Form seines Lebens. Nach einjähriger Verletzungspause. Schon kurz vor dem Wurf im Jahnsportpark hatte der Athlet in Potsdam den Europarekord auf 99,52 Meter verbessert. Uwe Hohn war bereit für die Olympischen Spiele, die acht Tage später in Los Angeles begannen.

Wegen des Ostblock-Boykotts verpasst Uwe Hohn die Olympischen Spiele in Los Angeles

Er war bereit, aber er durfte nicht hin. Wie alle anderen Sportler aus der DDR, aus Polen oder Ungarn. Die DDR hatte sich dem Boykott von Ostblockstaaten im Gefolge der früheren Sowjetunion angeschlossen. Vier Jahre zuvor hatten westliche Länder die Sommerspiele in Moskau wegen des Einmarsches der Sowjetunion in Afghanistan boykottiert. Ein politischer Boykott, doch leiden mussten die Sportler.

Lesen Sie auch: Andauernde Autobahn-Blockaden: Berlins Justizsenatorin will nicht eingreifen>>

Uwe Hohn durfte nur bei den als Ersatz ausgetragenen Wettkämpfen der Freundschaft in Moskau antreten und gewann mit 94,44 Meter – über sieben Meter weiter als der Olympiasieger von Los Angeles.

1985 siegte Uwe Hohn noch beim Europa- und Weltcup, ein Jahr später wurde der Schwerpunkt des Männerspeers verändert, um solche weiten Würfe unmöglich zu machen. Wie weit Uwe Hohn den neuen Speer hätte werfen können? Das konnte er nicht mehr herausfinden. Nach mehreren Operationen aufgrund eines Bandscheibenschadens musste Hohn 1987 seine aktive Laufbahn beenden – ein Jahr vor den Olympischen Spielen in Seoul, die er damit wieder verpasste.

1984 wurden Uwe Hohn und Katharina Witt DDR-Sportler des Jahres.
1984 wurden Uwe Hohn und Katharina Witt DDR-Sportler des Jahres. Imago/Schulze

Über seinen Jahrhundertwurf wollte Hohn „am liebsten“ nicht mehr gern reden, wie der Europameister von 1982 einmal dem Tagesspiegel sagte – auch wegen der Doping-Enthüllungen nach dem Mauerfall und dem Ende der DDR.

Nach seiner Karriere arbeitete Uwe Hohn zunächst als Assistenztrainer. Als sich sein körperlicher Zustand weiter verschlechterte war er zeitweise sogar Invalidenrentner. Der Erfolg als Trainer kam erst bei seinen Jobs im Ausland. Er trainierte in Katar, Australien und China. Und einer seiner Sportler holte dann den Erfolg, von dem er selbst einstmals träumte.

Als Trainer kommt Uwe Hohn zu Olympia: Sein Sportler Neeraj Chopra gewinnt Gold in Tokio

In Tokio 2021 gewann der von ihm in Tokio betreute Inder Neeraj Chopra Olympia-Gold – eine späte Genugtuung auch für den gebürtigen Neuruppiner, der an diesem Sonnabend 60 Jahre alt wird.

Den Triumph von Chopra hatte er unmittelbar nach dem Medaillenkampf in Tokio als „schönen Schock“ bezeichnet. Nun teilte Hohn auf eine Anfrage der Deutschen Presse-Agentur per Mail mit: „Ich habe nichts mehr mit N. Chopra zu tun.“ Außerdem spreche er nicht mehr mit deutschen Medien. Chopra zählt bei der WM in Eugene in den USA, die an diesem Freitag beginnt, erneut zu den Titelkandidaten.

Lesen Sie auch: Krasser Fall von Cancel Culture oder verständlicher Protest? Umstrittener Gender-Vortrag an der Humboldt-Uni wird am Donnerstag nachgeholt>>

Die Speerwurf-Rekorde mit dem alten Gerät sind gelöscht und eine neue Bestenliste eingeführt worden. Mit dem neuen Speer haben sich bisher vor allem zwei Werfer wieder der 100-Meter-Marke angenähert. Der Tscheche Jan Zelezny, der 1996 in Jena den noch gültigen Weltrekord von 98,48 Meter warf. Vor zwei Jahren schaffte der Offenburger Johannes Vetter im polnischen Chorzow mit 97,76 Metern den zweitweitesten Wurf.

Lesen Sie hier mehr Sport-News >>