Das Ernst-Thälmann-Denkmal an der Greifswalder Straße in Berlin-Prenzlauer Berg erinnert an den KPD-Führer Ernst Thälmann. Es stammt vom sowjetischen Bildhauer Lew Kerbel und wurde 1986 im Beisein von Honecker und Gorbatschow eingeweiht. Imago/Volker Hohlfeld

Seit 1986 steht er da im gleichnamigen Park. Ernst Thälmann - in monumentaler Größe. 14 Meter hoch, 50 Tonnen schwer. Schon öfter ist über den Abriss dieses, mindestens aus der Zeit gefallenen Denkmals für den ehemaligen deutschen Kommunistenführer Ernst Thälmann debattiert worden. „Das Denkmal steht auf ukrainischem Marmor. Gestaltet hat es ein sowjetischer Bildhauer. Es ist einem Deutschen gewidmet, der Stalin treu war, als Hitlers Gefangener ermordet wurde und auf dieser Skulptur aussieht wie Lenin, von dem Putin behauptet, er hätte die Ukraine erfunden“, schreibt die Welt. Na das kann ja heiter werden.

Den Krieg Russlands in der Ukraine nimmt jedenfalls die Pankower CDU nun zum Anlass, erneut den Abbau des Kolosses im Stadtteil Prenzlauer Berg zu fordern. Die CDU-Fraktion will in der Pankower BVV einen Antrag mit dem Titel  „Keine Ehrung für Demokratiefeinde – Ernst-Thälmann-Denkmal abbauen!“ einbringen.

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„Es ist bedenklich, dass wir im Herzen Berlins einen Menschen ehren, der ein Antidemokrat war“,  sagen CDU-Mann David Paul, und die Pankower CDU und verweisen auf Thälmanns Führungsrolle in der KPD. Einer Partei, deren Ziele nicht mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung vereinbar seien.

Thälmann-Denkmal im Thälmann-Park ist umstritten

Die Bronze soll, wenn es nach den Pankower Abgeordneten geht,  eingeschmolzen und der Erlös an die Ukraine gespendet  werden. Gar nicht mal so wenig käme da zusammen, ein Kilo Bronze kostet zwischen 30 und 40 Euro. Anderthalb bis zwei Millionen Euro ist das umstrittene Kunstwerk also wer, wenn es denn gelänge, es abzumontieren.

Von „populistisch“ bis „gute Idee, aber“ reichen die Reaktionen auf den erneuten Vorstoß in Pankow. 50 Tonnen wiegt der metallene Thälmann, sein Vermächtnis aber wiegt noch schwerer.

Kritik an Thälmann, der in DDR verehrt wurde, gibt es genug. Der Historiker Götz Aly nennt etwa Thälmanns Unterstützung der Sozialfaschismustheorie, mit der er in der Weimarer Republik die SPD zum Hauptfeind erklärte und so den Untergang der Weimarer Republik förderte. Thälmann war Anhänger Stalins, mit allen Konsequenzen.

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Rolle Thälmanns in der Weimarer Republik

Das Monument für Thälmann, den Antidemokraten und Stalinisten ist nicht erst seit heute so manchem ein Dorn im Auge. Andere wiederum wollen gerade die monumentale Größe der Skulptur nicht als Ehrung verstanden wissen, sondern sie nutzen, um sie in heutige Lesarten der Geschichte einzuordnen, zu erklären, welche Rolle Thälmann, der im KZ von den Nazis ermordet wurde, im Vorkriegsdeutschland und in der Nachkriegs-DDR spielte.

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Ein Jahr nach seiner Aufstellung: Ein Vater zieht im Winter 1987 seine Kinder auf einem Schlitten, vorbei am Thälmann Denkmal.

Thälmann-Park mit Thälmann-Denkmal steht unter Denkmalschutz

2014 wurde das Areal des Thälmann-Parks mitsamt der Skulptur in die Denkmalliste des Senats aufgenommen. Weil dem Bezirk Pankow klar war, dass damit nicht alle Streitfragen abgehakt sind, gab es einen Wettbewerb um eine „künstlerische Kommentierung“ des Denkmals, eine Expertenkommission bereitete eine historische Einordnung vor. Der Kommentar der Künstlerin Betina Kuntzsch, rote Betonquader, ist inzwischen angebracht, dazu gehören auch Filme, die man per Handy abrufen kann. Die Erklärtafeln der Historiker sollen folgen, schreibt die Berliner Zeitung.

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Schon bei der Einweihung hatten sich aber Proteste geregt: Das Thälmann-Lied („Thälmann ist niemals gefallen, Stimme und Faust der Nation“) erklang, KPD-Fahnen wurden geschwungen und auf Plakaten wurde gegen eine „Schmähung Thälmanns“ durch die beschrifteten Betonelemente protestiert.

Kultursenat lehnt Vorschlag ab

Den neuen Vorstoß, das Monument abzureißen, lehnt die Senatskulturverwaltung, geleitet von Klaus Lederer (Linke) ab. Auch die Sowjetischen Ehrenmale in Berlin stünden weiterhin unter Schutz, sagt eine Sprecherin vorsorglich.

Der Pankower CDU-Abgeordnete David Paul betont: „Es geht auch um den Umstand, dass wir jetzt Krieg in Europa haben, geführt von einem Mann, der Demokratie als Feigenblatt benutzt.“ Wladimir Putin betrachte den Zusammenbruch der Sowjetunion erklärtermaßen als größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts.

Kritik kommt aus den Reihen der FDP: „Der Vorschlag der CDU ist an Populismus nicht zu überbieten, auch wenn das Denkmal für den kämpferischen Antidemokraten Ernst Thälmann aus der Zeit gefallen ist“, sagte der Pankower FDP-Abgeordnete Felix Reifschneider.

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Bei den Grünen findet die Idee gewissen Anklang, schon in den 1990ern hätten die Bündnisgrünen einen Antrag der SPD auf Abriss unterstützt. „Allerdings steht der Kopf heute für etwas anderes als damals. Seine Monstrosität löst bei Jüngeren nur noch Erschrecken aus. Darum wäre der Erhalt des Kopfes sinnvoll als Teil eines Mahnmals, das die Verbrechen des Stalinismus und Ernst Thälmanns klar benennt. Leider sind wir von einem solchen, einer Demokratie angemessenen Mahnmal noch weit entfernt“, erklärte die Pankower Fraktionsvorsitzende Hannah Wettig. Umso besser, dass nun wieder eine Diskussion darüber in Gang kommen könnte.