Auch im diesjährigen Karneval ist Corona ein Thema, wie hier in Düsseldorf - und sicherlich wird die Pandemie auch beim Politischen Aschermittwoch im BKA-Theater eine Rolle spielen.  Foto: dpa/Federico Gambarini

Auch Berlins Narren sind in diesem Jahr kaltgestellt – Corona lässt keine Faschingsfeiern zu. Doch ein Ritual wird es trotzdem geben: Kabarett-Stars feiern am Mittwoch im BKA-Theater den Politischen Aschermittwoch, einen Tag, an dem abgerechnet wird. Mit dabei ist auch DDR-Spaßmacher Lothar Bölck (68). Er verriet dem KURIER, was es überhaupt zu lachen gibt und warum der Auftritt Neuland für ihn ist.

Eine Show im BKA-Theater – wie geht das in Corona-Zeiten? Natürlich wird auch der politische Aschermittwoch in diesem Jahr im Stream im Netz gefeiert. „Ich habe das noch nie gemacht“, verrät Lothar Bölck. „Und eigentlich finde ich auch, dass man das nicht machen sollte. Denn es findet keine Interaktion statt. Wenn ich etwas erzähle, weiß ich gar nicht: War das jetzt eine Pointe oder eine Lusche?“ 

Auch Komödianten machen schwierige Zeiten durch

Bölck steht seit Jahrzehnten auf der Bühne. Nach dem Ökonomie-Studium in Berlin verschlug es ihn zu den „Oderhähnen“ in Frankfurt. In den Jahren danach spielte er bei den „Kugelblitzen“ in Magdeburg, in der Leipziger „Pfeffermühle“ und in der „Distel“. Bekannt wurde er auch in der MDR-Sendung „Die drei von der Zankstelle“ und als Pförtner des Kanzleramtes in „Kanzleramt Pforte D“. Doch ohne Publikum machen auch Komödianten schwierige Zeiten durch. „Mir geht es gut, ich bin Rentner – aber ich möchte auf die Bühne.“ 

Lothar Bölck steht seit Jahrzehnten auf den Kabarett-Bühnen. Foto: zVg/Detlef Schroeder

Bölck nutzt die Zeit im Lockdown, um ein Programm zu schreiben. Es geht um eine Detektei im Regierungsviertel, „Schuld und Söhne“, um Korruption und Lobbyismus. „Aber über Corona möchte ich nicht viel schreiben, davon haben die Leute die Nase voll.“ Manchmal rutscht ihm aber doch eine Pointe raus. Es sei doch klar, dass das Virus aus Russland komme. „Sonst würde man doch nicht ,Vi-Russ‘ sagen.“ Andere Dinge seien lustiger. „Zum Beispiel in den USA. Die haben ja jetzt zwei Präsidenten, die Biden.“ Und: Wussten Sie, wie der Ostbeauftragte der Regierung heißt? „Marco Wanderwitz. Wanderwitz! Das kann sich keiner ausdenken.“

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Bölck wünscht sich mehr Herz für das Kabarett. Im TV sei das Genre rar geworden, aber man brauche Komiker, die nicht nur über Männer und Frauen lachen. „In der DDR war das anders. Da war die Kabarett-Karte die dritte Währung.“ Dafür durfte längst nicht alles gesagt werden. Das Programm „Der Fortschritt ist hinter uns her“ spielte etwa im Gerichtssaal. „Ich kam rein, mit einem Bild von Honecker unter dem Arm, und fragte: ,Wo hängen wir ihn hin?‘“ Durch die Zensur sei das nicht gegangen. Die neue Version: „Ist Honecker hier noch angebracht?“ „Die Generalprobe lief gut, aber die eine Hälfte des Publikums war Stasi. Am Premierentag mussten wir die Leute nach Hause schicken. Trotzdem haben alle gelacht – denn sie wussten warum.“ Satire sei immer systemrelevant gewesen, sagt Bölck. „Wir halten den Machthabern den Spiegel vor.“

Der Politische Aschermittwoch wird am Mittwoch um 20.30 Uhr aus dem BKA gestreamt. Infos unter www.aschermittwoch-berlin.de. Solidaritäts-Tickets gibt es ab 5 Euro.