Das Riesenrad ist das Wahrzeichen des Parks, soll im kommenden Jahr abgebaut werden. Foto: imago images / Volker Hohlfeld

Im Spreepark laufen seit Monaten die Bauarbeiten für die Neugestaltung des einstigen Vergnügungs-Juwels – und während man hier in die Zukunft blickt, schaut eine Doku zurück in die Vergangenheit. Das Hörspiel „Koks und Zuckerwatte“ auf dem Audio-Portal „FYEO“ erzählt die Geschichte von Spreepark-König Norbert Witte, berichtet vom Leben des Schaustellers. Nun erschien die neueste Folge – und lässt viele Berliner in der Vergangenheit schwelgen.

In der vergangenen Woche feierte das Hörspiel Premiere, nun erscheinen wöchentlich neue Episoden auf dem Leben von Schausteller Norbert Witte (KURIER berichtete). Doch statt Koks und Knast gibt es in der neuesten Folge einen Rückblick auf die Dinge, an die sich auch viele Berliner erinnern dürften: Es geht um die Zeit, als der Park noch das Vergnügungsjuwel der DDR war.

Anlass der Eröffnung war der 20. Jahrestag der Gründung der DDR

Aus jener Epoche berichtet unter anderem Harald Lowack, zur damaligen Zeit Sicherheitsinspekteur des Parks. Der Kulturpark sei auch dafür gedacht gewesen, der Bevölkerung im Sozialismus etwas anderes, neues zu bieten. „Wenn die da oben was beschlossen haben, dann wurde das auch gemacht“, erzählt Lowack in der Doku. „Dann hatten sich auch Baukapazitäten. Im März und April wurde der Betrieb gegründet, im Oktober haben wir aufgemacht.“ 1969 wurde Eröffnung gefeiert, der Anlass war 20. Jahrestag der Gründung der DDR.

Die Bahnhofsuhr der Parkbahn. Das Gebäude ist verfallen und zugewachsen, doch bald soll im Park wieder Leben einkehren. Foto: imago images / Bernd Friedel

Die Baukosten für den Park beliefen sich auf 160 Millionen DDR-Mark. Für die Realisierung arbeitete man sogar mit West-Firmen zusammen. Es sei damals etwa eine holländische Firma damit beauftragt worden, den Park mit Fahrgeschäften auszustatten – das Unternehmen beschaffte neue und gebrauchte Attraktionen aus verschiedenen Ländern, sogar aus Amerika.

Die Fahrgeschäfte im Park wurden an den Sozialismus angepasst

Die Geschäfte wurden allerdings an den Sozialismus angepasst und dementsprechend umbenannt – aus dem Karussell „Astrojet“ wurde das „Kosmodrom“, aus der Auto-Rennbahn „Carrera“ wurde der „Berliner Ring“. Dennoch blieb der „Kulti“ ein Stück Westen in der DDR. „Man fühlte sich frei, man fühlte sich einzigartig“, sagt Christopher Flade, der im Netz die größte Spreepark-Fanseite betreibt, die Geschichte des Geländes erforscht und dokumentiert. „Hier waren nicht die gleichen Fahrgeschäfte, die auf anderen Kirmesplätzen der DDR waren.“ Andere Besucher erzählen vom blühenden Schwarzmarkt vor den Toren des Parks: Hier gab es etwa Poster aus der Zeitschrift „Bravo“ für 25 DDR-Mark, West-Musik und anderes.

Dass die Fahrgeschäfte importiert wurden, sollte sich später als tückisch erweisen. „Denn wir hatten keinerlei Verbindungen zu den Herstellern“, sagt Lowack. Ersatzteile waren deshalb nicht zu beschaffen, wenn etwas kaputt ging. Dennoch kamen Millionen Besucher in den Park – bis die Mauer fiel. Dann brachen die Besucherzahlen dramatisch ein, sanken auf 200.000 pro Jahr. Auch, weil plötzlich alle in den Heidepark bei Soltau oder ins Phantasialand in Brühl bei Köln fahren konnten. Die Übernahme durch Norbert Witte nahte.

Norbert Witte im Jahr 2009 im damals schon geschlossenen Park. Foto: imago stock&people  / IPON

Die Doku „Koks und Zuckerwatte“ wirft auch die Frage auf, ob es richtig war, den Park an die Spreepark GmbH unter der Leitung von Norbert Wittes Frau Pia zu übergeben. Denn: Norbert Witte war in der Nacht vom 13. auf den 14. August 1981 in den schlimmsten Kirmes-Unfall der deutschen Nahkriegsgeschichte verwickelt, als ein Kran seiner Achterbahn „Katapult“ auf dem Hamburger Dom mit dem daneben aufgebauten Karussell „Skylab“ kollidierte. Sieben Menschen starben.

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Man habe sich, heißt es in „Koks und Zuckerwatte“, nicht genug mit Wittes Vergangenheit befasst. Ein folgenschwerer Fehler? Christopher Flade argumentiert dagegen – das Skylab-Unglück sei ein Unfall gewesen. „Darf der Mann danach keine Firma mehr haben, ist er nicht mehr geschäftsfähig? Ich weiß es nicht. Aber ich glaube, wer einen Autounfall baut, darf auch weiter mit dem Auto fahren.“

Nach der Insolvenz des späteren Spreepark im Jahr 2001 kehrt nun nach und nach wieder neues Leben ein: Die Grün Berlin GmbH macht das Gelände zu einem neuartigen Park, der Kunst, Kultur und Natur miteinander vereinen soll. Im Sommer starteten auf dem Gelände die Bauarbeiten (KURIER berichtete). Auf einer Länge von 250 Metern werden seit Anfang November die ersten Trinkwasserleitungen und Glasfaserkabel verlegt. Das sei „Grundvoraussetzung für eine zukünftige Nutzung des Geländes sowie des zum Spreepark-Ensemble zugehörigen Eierhäuschens“, teilte die Grün Berlin mit. Im kommenden Jahr soll dann unter anderem mit dem Abbau des Riesenrads begonnen werden. Eine Fachfirma wird die Einzelteile restaurieren, 2024 soll die Attraktion im neuen Kunst- und Kulturpark wieder eröffnen.