Der DDR-Aktfotograf Klaus Ender vor einem seiner berühmten Bilder. Foto: imago

Barbusige Frauen waren seine Leidenschaft, die er oft an den Stränden der Ostsee ablichtete. Die Fotos waren kein Schmuddelkram sondern wahre Kunst. Fast jeder im Osten kannte sie. Denn Klaus Ender, der in diesem März im Alter von 81 Jahren starb, war in der DDR einer der Stars unter den Akt-Fotografen. Jetzt kommen seine Nackten wieder.

Der Kulturspeicher Ueckermünde (Vorpommern-Greifswald) will mit der Sonderschau „Akt und Leidenschaft“  an den gebürtigen Berliner erinnern. Die Ausstellung, die am 10. Juli eröffnet und bis zum 29. Oktober laufen soll, zeigt  180 Bilder aus 50 Jahren seines Schaffens, wie ein Sprecher des Kulturspeichers am Dienstag sagte.

So manche Bilder dürften dem Betrachter bekannt sein. Fotos mit nackten Frauen, die mitten in den Dünen posieren, wurden in der DDR in den Zeitschriften „Eulenspiegel“ und „Das Magazin“ gedruckt, die an den Kiosken heiß begehrt waren. Zehn Jahre lang arbeitete Ender für „Das Magazin“, durfte sich Bildreporter nennen.

Nackte Frau am Ostseestrand: Das waren die Lieblingsmotive des DDR-Aktfotografen Klaus Ender. Foto: Klaus Ender/Kulturspeicher Ueckermünde

DDR-Aktfotograf Ender war auf einem Auge fast blind

Denn hauptberuflich durfte der Künstler nicht Fotograf werden und das Handwerk erlenen. Der Grund: Ender hatte auf dem linken Auge fast keine Sehkraft mehr. Also machte er sein Berufswunsch zum Hobby und bot als freischaffender Künstler seine Bilder den Verlagen an.

Eigentlich war Ender Bäcker. Als Geselle kaufte er sich von seinem Lohn die erste Kamera. 1962 kam Ender nach Thiessow auf Rügen, um dort als Bäcker in der Saison zu arbeiten. Nach der Arbeit ging er zu den FKK-Stränden, machte dort seine ersten Akt-Fotos und verblüffte damit die Fachleute. Zwei Jahre später gründete  Ender den Fotoclub Saßnitz und baute sein Archiv „Akt und Landschaft“ auf. „Bei seinen Bildern stand nicht die Erotik, sondern die Natürlichkeit und eine Harmonie zwischen Akt und Landschaft im Vordergrund“, sagt ein Sprecher vom Kulturspeicher Ueckermünde.

Die Strand-Nixen des DDR-Aktfotografen Klaus Ender waren auch in DDR-Zeitschriften zu sehen. Foto: Klaus Ender/Kulturspeicher Ueckermünde

Mit der ersten DDR-Aktausstellung wurde 1975  Ender bekannt. Über 100.000 Menschen sahen die Schau. Damit begann seine Karriere als einer der gefragtesten ostdeutschen Aktfotografen. Als Buchautor und Foto-Künstler machte er sich nach 1990 auch deutschlandweit einen Namen.

1981 verließ Ender die DDR und siedelte aus politischen Gründen nach Österreich um. Das konnte er, weil sein Vater Österreicher war. Mit diesem Weggang wurde Ender in der DDR zur Persona non grata erklärt. Der Film des DDR-Fernsehens „Ein Mann, der Bilder fühlt“ wurde vernichtet. Sein Buch „Mein Modell“ wurde nach fünf Auflagen eingestampft.

Der DDR-Aktfotograf in den Fängen der Stasi

1996 kehrte der Künstler nach Rügen zurück. Und Ender macht öffentlich, dass er 15 Jahre als IM für die Stasi gearbeitet hat. „Ja, ich wurde angepinkelt, ja, ich habe zweimal miterlebt, wie meine Mutter vergewaltigt wurde, ja, ich wurde von Flüchtlingsmassen in den Schmutz der Oder getreten, ja, meine Verlobte hat sich das Leben genommen, ja, ich wollte unbedingt Akt-Fotograf werden, ja, ich hatte Sex mit vielen Mädchen, ja, ich habe der Nacktheit in der DDR einen natürlichen Glanz gegeben, und ja, ich war auch ein IM“, schrieb er in seiner Biografie.

Das Plakat zu der Schau, die an den DDR-Aktfotografen Klaus Ender erinnern soll. Foto: Klaus Ender/Kulturspeicher Ueckermünde

Der Grund, warum Ender mit der Stasi zusammenarbeitete, waren seine ersten Aktfotos. Als er 1964 diese auch westlichen Verlagen anbot, die die Bilder auch veröffentlichten, geriet Ender in die Fängen des MfS. Die Stasi stellte ihn vor die Wahl: ab ins Gefängnis oder er wird IM. Ender entschied sich für letzteres. Dem „Spiegel“ erklärte der Fotograf 2004: In seinen Berichten für die Stasi habe er vor allem über SED-Genossen und korrupte Staatsdiener berichtet. „Das war meine Rache.“

In Bergen auf Rügen starb der Foto-Künstler im März 2021. Die Sonderschau in Ueckermünde wurde mit seiner Frau Gabriela Ender zusammengestellt, die das Archiv betreut, so der Sprecher. Der Kulturspeicher Ueckermünde befindet sich in der Bergstraße 2, ist montags bis samstags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Im Haus besteht Maskenpflicht. Der Eintritt ist frei.